„Cool am Pool“

Konfliktlotsen sollen Streit in Berliner Bädern schlichten

Die Berliner Bäderbetriebe und die Polizei weiten ihre Bemühungen aus, in den großen Sommerbädern Gewalt zwischen Badegästen zu vermeiden. Das Projekt „Cool am Pool“ startet nun auch im Norden.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Am Anfang, sagt Ayse Beyazdag, seien sie nicht ernst genommen worden, als sie vor Sprungtürmen und auf Liegewiesen potenzielle Streithähne angesprochen haben. „Aber inzwischen kriegen wir meistens Respekt“, so die 30 Jahre alte Kreuzbergerin. Als Mitglied des Konfliktlotsen-Teams von „Cool am Pool“ wird sie gemeinsam mit ihren Kollegen in den blauen Sport-Kombis nun auch im Sommerbad Pankow Dienst tun.

Inzwischen kennen Ayse und ihre Kollegen die Jungs, die potenziell Radau machen und Streit suchen in den Sommerbädern. Im Columbiabad in Neukölln und an der Prinzenstraße in Kreuzberg war die Lage vor vier Jahren so schlimm, dass das Bad phasenweise schließen musste. Auch in Pankow gab es letzte Saison Ärger mit Jugendgruppen. Polizei und Bäderbetriebe steuern mit Konfliktlotsen gegen, nun auch im Kombibad an der Lipschitzallee in der Gropiusstadt und im Sommerbad Pankow. Sie sollen schon vor einem Streit eingreifen und die Menschen beruhigen. Den normalen Sicherheitsdienst oder die Polizei können und sollen sie nicht ersetzen.

Vier Monate Schulung

„In unseren Bädern herrscht zu 99 Prozent Wohlfühlatmosphäre“, sagte Bäder-Chef Ole Bested Hensing am Mittwoch. Manchmal gebe es Streit und Ärger. Da sei es hilfreich, wenn die Badegäste von den freiwilligen Helfern angesprochen und Konflikte geschlichtet würden. Nicht immer gelingt das: Am Freitag hatte es im Columbiabad eine Messerstecherei gegeben.

Sozialarbeiter des Jugendprojektes Kick, das zur Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit (GSJ) gehört, hatten sich nach der Gewalteskalation vor vier Jahren das Konzept ausgedacht. Bei Bernhard Kufka, der seinerzeit die Polizeidirektion 5 leitete, stießen sie auf offene Ohren. Er sei ein „Fan dieses Projektes“, bekannte der Polizist am Mittwoch im Sommerbad Pankow. Dass junge Menschen mäßigend auf junge Menschen einwirkten, sei sehr hilfreich. Als Kufka vor zehn Monaten in die Direktion 1 wechselte und damit auch für Pankow zuständig wurde, kam man schnell überein, „Cool am Pool“ auch auf den Berliner Norden auszuweiten.

Die Konfliktlotsen werden vier Monate geschult, lernen Konfliktmanagement, erste Hilfe, trainieren Schwimmen und Retten. Eingesetzt werden sie am Wochenende, wenn es eng wird in den Bädern, oder auch an heißen Tagen in der Woche. Fünf Euro Aufwandsentschädigung erhalten sie pro Stunde.

Neu im Einsatz ist diese Saison Anja Otto aus Lichtenberg. Im Frühjahr hatte die 17-Jährige, die inzwischen Fahrzeuglackiererin lernt, noch keinen Ausbildungsplatz. Über die GSJ kam sie zum Konfliktlotsenprojekt. „Ich wollte nicht nur faul rumsitzen“, sagt sie. Jetzt verbringt sie ihre Wochenenden im Freibad auf Friedensmission.