Nahverkehr

„Zahl defekter Fahrstühle in Berlin ist nicht hinnehmbar“

Laut Bahnkunden-Verband sind in Berlin derzeit allein in der Innenstadt in zehn Bahnhöfen die Aufzüge defekt - ein Problem für Tausende Menschen. Die BVG will die Kritik nicht gelten lassen.

Foto: Massimo Rodari

An Berliner Bahnhöfen gibt es insgesamt 365 Aufzüge, knapp zwei Drittel davon bei der S-Bahn, den Rest an U-Bahnhöfen.

Die S-Bahn beziffert die Verfügbarkeit ihrer Fahrstühle auf 95 Prozent (im Monat Juni), bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) sind es nach eigenen Angaben sogar 98 Prozent. Das sind eigentlich keine schlechten Werte, doch dem Berliner Landesverband des Deutschen Bahnkunden-Verbands (DBV) ist das nicht genug.

So bezeichnet der DBV die Situation als „nicht hinnehmbar“. Stand Ende Juli seien allein in der Berliner Innenstadt in zehn Bahnhöfen Aufzüge defekt gewesen. Gerade hier seien täglich viele Tausend Menschen auf die Verfügbarkeit dieser Hilfsmittel angewiesen. Wenn sie wochen- oder monatelang ausfielen, seien besonders Behinderte, Senioren und Mütter mit Kinderwagen extrem eingeschränkt. Der DBV fordert die Verkehrsunternehmen auf, ihre Reparaturkonzepte und Wartungsverträge mit den Herstellerfirmen zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern.

Hohe Dunkelziffer nicht geprüfter Aufzüge

Ein Problem ist laut TÜV die hohe Dunkelziffer nicht geprüfter Aufzüge. Da 2003 in Deutschland die Betriebssicherheitsverordnung geändert worden sei und es seitdem keine durchgängige und kontrollierte Meldepflicht mehr gebe, sei es einfach, durch das Raster zu fallen, so die Experten. Der DBV verweist auf Kaufhäuser: Dort sei sehr selten ein tagelanger Stillstand von Fahrtreppen und Aufzügen festzustellen. Offenbar lege man hier mehr Wert auf die Verfügbarkeit, so die Vermutung.

Die BVG will das nicht gelten lassen. „Wir haben sehr strenge Wartungszyklen“, sagt Sprecherin Petra Reetz. Jeder Aufzug sei durchschnittlich acht Tage pro Jahr nicht verfügbar. Die Schäden würden schnellstmöglich behoben, doch es gebe auch Fälle, wo es einfach dauere. So wurde der Aufzug am Bahnhof Bülowstraße durch einen Feuerwerkskörper zuletzt stark beschädigt. Er muss komplett erneuert werden. „Das dauert nun mal vier Wochen“, so Reetz.

Beide Berliner Verkehrsunternehmen haben das Ziel, langfristig alle Bahnhöfe barrierefrei zu machen – das heißt, Rampen oder Fahrstühle zu installieren. Der S-Bahn fehlen dafür noch 15, der BVG 65 Bahnhöfe.