BVG

Alte Tatra-Trams rollen noch länger durch Berlin

Die BVG will 20 alte Tatra-Straßenbahnen noch einmal modernisieren und bis 2018 einsetzen. Grund seien die „erfreulichen Nachfragesteigerungen bei der Straßenbahn“.

Die alten Tatra-Straßenbahnen aus tschechoslowakischer Produktion werden länger durch Berlin rollen als zunächst geplant. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) werden 20 der mindestens 25 Jahre alten Fahrzeuge noch einmal ertüchtigen, um sie für mindestens vier weitere Jahre nutzen zu können. Die BVG teilte für eine parlamentarische Anfrage des Piraten-Abgeordneten Andreas Baum mit, die Modernisierung der Wagen sei eine „Vorsorgemaßnahme, die erfreuliche Nachfragesteigerungen bei der Straßenbahn abfedern soll“. Die Fahrzeuge wären damit bis mindestens 2018 einsetzbar. Ursprünglich sollten die Tatras 2017 ausgemustert werden.

Die Nahverkehrs-Dinos aus DDR-Zeiten mit den hohen Treppenstufen will das Verkehrsunternehmen auf den Linien im Wechsel mit neueren Niedrigflurfahrzeugen einsetzen, damit alle Strecken mit barrierefreien Fahrzeugen – und damit für Gehbehinderte oder Eltern mit Kinderwagen nutzbar – bedient werden. Insgesamt lässt die BVG 390 Straßenbahnen durch die Stadt fahren und deckt damit neun schnelle Metrotramlinien und 13 normale Straßenbahnlinien überwiegend in den östlichen Bezirken ab.

Das Ziel ist die Barrierefreiheit

Die Anstalt öffentlichen Rechts hält aber an ihrem Ziel fest, bis Ende 2017 alle Straßenbahnstrecken für den Betrieb von Niederflurbahnen herzurichten und damit barrierefrei anzubieten. Bisher sind ein guter halber Kilometer auf dem Müggelseedamm und 750 Meter auf dem Fürstenwalder Damm in Köpenick nicht geeignet für die neuen Wagen, wie sie die BVG in den vergangenen Jahren unter dem Namen „Flexity“ bei Bombardier erworben hat. Wie viel es kosten wird, die Haltestellen und Linien im Südosten der Stadt auf den aktuellen Stand zu bringen, hat die BVG noch nicht im Detail berechnet. Das Unternehmen geht aber „grob geschätzt“ von einem mittleren einstelligen Millionenbetrag aus. Die BVG ist sicher, dieses Geld ausgeben zu dürfen. Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) versicherte dem Piraten-Abgeordneten Baum, der Senat gehe davon aus, dass ab dem Fahrplanwechsel 2017/18 alle von der BVG betriebenen Straßenbahnstrecken auch von Niederflurbahnen befahren werden können.

Das Verkehrsunternehmen rechnet mit einem steigenden Bedarf nach Straßenbahnen, auch im Zuge der erwarteten Bevölkerungszunahme. Man wollte eigentlich die Tatras nicht mehr, geht aber von einem „kurzfristigen Fahrzeugmehrbedarf“ aus, „beispielsweise aufgrund von erforderlichen Angebotsausweitungen im Zuge der wachsenden Stadt“. Somit könne es sein, dass auch „vereinzelt“ die nicht barrierefreien Tatras nach 2017 eingesetzt werden müssten.

Das Prager Unternehmen CKD Tatra produzierte zwischen 1974 und 1990 fast 1800 der Fahrzeuge des auch in Berlin eingesetzten Typs KT4D. Sie wurden in die Länder des ehemaligen Ostblocks geliefert und rollten in der DDR, der Sowjetunion, aber auch in Städten Jugoslawiens und in Nordkorea.