Hochschul-Statistik

Berlins Universitäten sind weltweit so beliebt wie nie zuvor

Eine neue Studie zeigt, dass überdurchschnittlich viele Ausländer in der Hauptstadt studieren. Mehr als 26.000 waren es im Jahr 2013. Damit hat etwa jeder sechste Hochschüler ausländische Wurzeln.

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Die Berliner Hochschulen sind für ausländische Studierende besonders attraktiv, und deren Zahl steigt seit Jahren kontinuierlich an: Mehr als 26.000 waren 2013 an einer der Universitäten und Fachhochschulen der Hauptstadt eingeschrieben. Damit hat etwa jeder sechste Hochschüler ausländische Wurzeln – in keinem anderen Bundesland ist der Wert so hoch. Insgesamt studierten im Wintersemester 2013/14 zum ersten Mal mehr als 300.000 Ausländer in Deutschland – im Vergleich zu 2003 ist dies ein Plus von rund 70.000. Das ist das Ergebnis der Studie „Wissenschaft weltoffen 2014“, die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am Dienstag vorstellte.

„Deutschland ist bei ausländischen Studierenden so beliebt wie nie zuvor. Deutsche Hochschulen sind internationale Orte geworden“, sagte die Politikerin als Fazit der Studie, die der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung erarbeitet haben. Die meisten der ausländischen Studierenden sind sogenannte Bildungsausländer, die nicht nur eine andere Staatsangehörigkeit, sondern auch eine ausländische Hochschulzugangsberechtigung haben.

Exzellente Wissenschaft brauche den internationalen Austausch, betonte Wanka und erklärte, wie wichtig der Zustrom auch aus einem wohlverstandenen Eigeninteresse sei. Voraussetzung dafür seien weltoffene Hochschulen, sagte sie. Und mahnte eine Willkommenskultur an, die vom Professor über das Verwaltungspersonal bis zu den Studierenden gelebt werde. Hier sieht sie noch Steigerungspotenzial, denn nur etwa 60 Prozent der ausländischen Akademiker fühlten sich hierzulande „wirklich gewollt“. Die zunehmende Internationalisierung zeigt sich übrigens auch auf der Ebene der Hochschulangehörigen, wo etwa jeder zehnte wissenschaftliche und künstlerische Mitarbeiter aus dem Ausland kommt.

Ingenieurstudiengänge sind besonders beliebt

Nach den USA und Großbritannien belegt Deutschland im Ranking der Gastländer für ausländische Studierende Platz drei. Zu den für sie besonders interessanten Fächern gehören neben den Sprach- und Kulturwissenschaften die Ingenieurwissenschaften. Hier gibt es auch die höchsten Zuwächse. „Deutsche Ingenieurskunst ist besonders attraktiv für ausländische Studierende“, so Wanka. Zwar kommen die allermeisten aus europäischen Ländern, doch das wichtigste einzelne Herkunftsland ist China (25.564 Studierende in 2013), dahinter folgen Russland (10.912) und Österreich (8655).

Wie anziehend Berlin für angehende Akademiker aus dem Ausland ist, belegen nicht nur die Steigerungsraten, denn innerhalb eines Jahrzehnts kletterte die Zahl ausländischer Studierender in der Hauptstadt von rund 19.000 auf mehr als 26.000. Auch die Zahl der Erasmus-Teilnehmer – also der Europäer, die mithilfe des EU-Bildungsprogramms außerhalb ihres Herkunftslandes studieren – ist hier besonders hoch. Zusammen mit Bremen und Brandenburg hat Berlin den höchsten Anteil an Erasmus-Studierenden. Auf der Liste der für Erasmus-Teilnehmer besonders attraktiven deutschen Hochschulen belegen die Freie Universität und die Humboldt-Universität mit je 1039 und 907 Studierenden im Jahr 2012 die ersten beiden Plätze, und auch die Technische Universität ist mit Rang sechs nur knapp dahinter platziert.

Umgekehrt stehen auch die jungen Deutschen in puncto Mobilität sehr gut da, denn rund 134.000 studierten 2011 im Ausland – damit haben sie international einen Spitzenplatz inne. Insgesamt sammelt ein Drittel aller deutschen Studierenden Auslandserfahrung, so DAAD-Präsidentin Margret Wintermantel. Es sei das Ziel, diesen Wert auf 50 Prozent zu steigern.

Großes Interesse an Absolventen mit interkultureller Erfahrung

Österreich, die Niederlande und Großbritannien sind die Lieblingsziele der deutschen Studierenden – das Interesse an den USA hat im vergangenen Jahrzehnt dagegen messbar nachgelassen, was Wintermantel auch auf hohe Studiengebühren und Lebenshaltungskosten zurückführt. Offenbar, um den Numerus clausus für Medizin zu umgehen, weichen viele junge Deutsche nach Ungarn, Norwegen, Österreich oder in die Niederlande aus, denn in diesen Ländern gibt es auffällig hohe Anteile an jungen Deutschen, die Ärzte werden wollen.

An Absolventen mit interkultureller Erfahrung haben auch die künftigen Arbeitgeber großes Interesse. So wie sich umgekehrt die finanziellen Aufwendungen für ausländische Studierende in Deutschland lohnen, und zwar auch aus wirtschaftlicher Sicht: Etwa die Hälfte der ausländischen Absolventen bleibt nach Studienabschluss in Deutschland. Über 30 Prozent von ihnen haben sogar vor, sich für immer hier niederzulassen.

Um die Internationalisierung der Wissenschaft voranzutreiben, hat das Bildungsministerium die Mittel für den Austausch von Studenten und Wissenschaftlern sowie die internationale Hochschul- und Wissenschaftskooperation im Etat für 2014 um zehn Millionen auf 140,5 Millionen Euro angehoben.