Kindesmisshandlung

Berliner Polizei rettet Mädchen vor brutal prügelnden Eltern

Eine 13-Jährige ist von ihrem Vater und ihrer Mutter systematisch verprügelt worden. Jetzt holten die Polizisten das Kind und vier Geschwister aus einem Flüchtlingsheim in Berlin-Moabit.

Beamte der Polizei und Mitarbeiter des Jugendamtes Neukölln haben am Donnerstagabend vier Kinder aus einem Asylbewerberheim an der Levetzowstraße in Moabit geholt und in ihre Obhut genommen. In der Nacht zuvor hatte die Polizei bereits die älteste Tochter der Familie, eine 13-Jährige, aus dem Heim geholt. Vater und Mutter haben ihre 13-jährige Tochter regelmäßig verprügelt. Das bestätigte der Neuköllner Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) auf Anfrage. Das Jugendamt Neukölln hatte am Donnerstagabend die Polizei um Amtshilfe gebeten.

Bereits in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag hatte der Vater seine Tochter zum wiederholten Male mit einem Gürtel geschlagen. Nach Angaben des Jugendamtes kein Einzelfall. Aber in den meisten bekannt gewordenen Fällen habe die Mutter ihre Tochter misshandelt, der Vater hätte dabei tatenlos zugesehen, heißt es. „Das Mädchen ist das älteste von insgesamt fünf Geschwistern und musste meistens die Hauptverantwortung für die jüngeren Geschwister übernehmen und auf sie aufpassen“, sagte Liecke. „Wenn sie nach Ansicht der Eltern etwas falsch gemacht hatten, wurde das Mädchen zum Teil lebensbedrohlich verprügelt.“

Das Mädchen flüchtete aus dem Wohnheim

In der Nacht zu Donnerstag muss das Mädchen aus einer syrisch-palästinensischen Flüchtlingsfamilie ihren ganzen Mut zusammengenommen haben. Sie rannte aus dem Wohnheim auf die Straße, wurde aber dort von den Mitarbeitern eines privaten Sicherheitsdienstes aufgehalten.

Die alarmierte Polizei und Mitarbeiter der Kinderschutzhotline fuhren sofort zu dem Asylbewerberheim. Schließlich brachten sie das Mädchen beim Kindernotdienst unter. Zuvor wurde es aber zur neu eingerichteten Gewaltschutzambulanz an der Charité zur Untersuchung gebracht.

Am Donnerstag holten Polizei und Jugendamt die weiteren vier Kinder im Alter von einem bis acht Jahren aus dem Asylbewerberheim. Da der Vater der Kinder nach Aussagen der Jugendamtsmitarbeiter sehr aufbrausend und aggressiv war, nahm man die vier Kinder aus der Familie. „Der Mann hatte gedroht, das Heim anzuzünden“, sagte der Mitarbeiter. „Und er hatte angekündigt, dass Blut fließen wird.“ Alle fünf Kinder sind jetzt beim Kindernotdienst untergebracht.

Jugendstadtrat sucht Unterbringung für die Kinder

„Unter diesen Bedingungen werden sie auf keinen Fall zurück zur Familie gebracht“, sagt Liecke. „Es ist natürlich nicht einfach, für die Kinder eine gemeinsame Unterkunft zu finden. Beim Kindernotdienst können sie voraussichtlich nur eine Woche bleiben.“ Jetzt suche man ganz dringend eine ausreichend große Unterbringungsmöglichkeit.

Der Bezirk Neukölln ist für diese Flüchtlingsfamilie verantwortlich, da das Familienoberhaupt, der Vater, im August geboren wurde. "Der August ist der achte Monat des Jahres", erklärte der Jugendstadtrat. „Und da Neukölln der achte Berliner Bezirk ist, fällt diese Familie, egal, in welchem Asylbewerberheim sie untergebracht ist, in unsere Zuständigkeit.“