Hauptversammlung

Ex-Zoo-Chef Blaszkiewitz nicht von Aktionären entlastet

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Gerlinde Schulte

Foto: dpa

Der Berliner Zoo wollte am Dienstag seinen Jahresabschluss 2013 vorstellen. Doch dann überschattete eine andere Meldung die Bilanz. Im Tierpark soll es illegalen Abfall geben. Es wird ermittelt.

Der ehemalige Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz muss sich für die Zeit seiner Amtsführung noch erklären. Auf der Hauptversammlung der Zoo-Aktionäre wurden Blaszkiewitz und Gabriele Thöne als ehemalige Vorstände für das Geschäftsjahr 2013 nicht entlastet.

Gleich zu Beginn der Versammlung bat der Aufsichtsratsvorsitzende Frank Bruckmann darum, die diesbezügliche Beschlussfassung und die Entlastung des Aufsichtsgremiums zu verschieben.

Grund dafür ist die immer noch rätselhafte Hügellandschaft im hinteren Teil des Tierparks nahe des Wirtschaftshofs. „Wir haben Erkenntnisse über die Lagerung nicht ordnungsgemäßen Bodenmaterials auf dem Gelände“, sagte Bruckmann. „Das darf da nicht sein und muss entfernt werden.“

Da über die Menge des angehäuften Erdaushubs und seine Zusammensetzung Unklarheit besteht und auch die Kosten für eine Entsorgung nicht absehbar sind, sollen nun Vorstand und Aufsichtsrat erst 2015 entlastet werden.

„Definitiv kein Spielplatzsand“

Bei den Haufen handelt es sich „definitiv nicht um Spielplatzsand“, sagte Bruckmann. In Abstimmung mit der Senatsumweltverwaltung sei ein Bodengutachten in Auftrag gegeben worden. Mit Hinweis auf das laufende Verfahren wollte Bruckmann nicht mehr sagen und auch der neue Vorstand, Zoodirektor Andreas Knieriem, hielt sich zurück.

Der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft sagte auf Anfrage der Berliner Morgenpost lediglich, dass in seiner Behörde bereits seit längerem ein Ermittlungsverfahren wegen illegaler Abfallentsorgung und unerlaubten Betreibens einer Anlage läuft. Zu Personen wollte der Justizsprecher sich nicht äußern. Aus Justizkreisen verlautete allerdings, dass der ehemalige Zoochef zum Kreis der Beschuldigten gehört.

Anlieferung im September 2013

Die Hügel, die aus Erdaushub bestehen, sind schon vor einigen Monaten entdeckt worden. Die Geschäftsführung hätte von der Anlieferung, die im September 2013 begann und über mehrere Monate lief, gewusst, so Knieriem, allerdings keinen Sand bestellt.

Was genau die Geschäftsführung nun wusste, werde jetzt noch ermittelt. „Wir wissen es einfach nicht und sagen nur, dass es möglicherweise ein Problem gibt“, ergänzte der Aufsichtsratsvorsitzende. Es ginge um riesige Sandhügel, die in die Landschaft eingebracht wurden und nicht so schnell zu untersuchen seien.

Über die Sandmenge gibt es laut Zoosprecherin Claudia Bienek bisher nur Spekulationen. Die 30.000 Tonnen, die im März 2014 durch einige Zeitungen gingen, wollte sie ebenso wenig bestätigen, wie den Vorwurf, dass Blaszkiewitz im vergangenen Jahr große Mengen Sand geschenkt bekommen hatte, die er in Tiergehegen verstreuen wollte. Was allerdings daran scheiterte, dass erhöhte Mengen von Schwermetallen in dem Sand festgestellt wurden.

Top 10 der Zoos auf der Welt

Der Tierpark sollte bei der Aktionärs-Versammlung eigentlich nur eine untergeordnete Rolle spielen. Knieriem hatte sich in der Hauptversammlung erstmals den Aktionären vorgestellt, über die aktuelle Lage berichtet und angekündigt, dass er detaillierte Pläne für die zukünftige Gestaltung von Zoo und Tierpark nun in Teams mit den Mitarbeitern entwickle und erst im Dezember vorstellen werde. „Der Zoo Berlin gehört seit Jahren zu den Top 10 der Zoos auf der Welt“, sagte Knieriem, und das solle auch so bleiben.

Blaszkiewitz hatte seinen Posten vorzeitig aufgegeben. Der Vertrag des umstrittenen Zoochefs lief eigentlich bis Ende Juni 2014, doch er schied zum 31. März aus. Sein Nachfolger Andreas Knieriem trat zum 1. April seinen Dienst an. Er ist zugleich zoologischer und kaufmännischer Leiter von Zoo und Tierpark.