„Maskenmann“-Prozess

Freundlich bis aggressiv – Die zwei Gesichter des Mario K.

Zeugenvernehmung im Maskenmann-Prozess: Während Nachbarn aus Lichtenberg überwiegend negative Erfahrungen mit dem 46 Jahre alten Angeklagten machten, beschreiben ihn Bekannte als angenehm.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Freundlich und hilfsbereit – aufbrausend bis aggressiv: Der Angeklagte im Maskenmann-Prozess vor dem Frankfurter Landgericht scheint zwei Gesichter zu haben, wie am Donnerstag am 13. Verhandlungstag deutlich wurde. Während Nachbarn aus dem Plattenbau in Lichtenberg überwiegend negative Erfahrungen mit dem 46-Jährigen machten, charakterisieren ihn Bekannte eher als angenehmen Menschen.

Mit der bösen Seite von Mario K. machte offenbar Thi N. Bekanntschaft. Wiederholt habe der Nachbar wegen angeblichen Lärms ihrer Kinder gegen die Wand gehämmert, erzählte die Zeugin. Im November 2011 soll der Angeklagte sie sogar rassistisch bedroht haben. Als die Bedrängte sagte, sie würde die Polizei rufen, soll K. noch in Anspielung auf den Holocaust hinzugefügt haben: „Wenn die Zeit reif ist, machen wir es mit euch wie mit den Juden.“ Die 35-jährige Vietnamesin erstattete Anzeige.

Zeugin Angela T. ist anzumerken, dass sie froh ist, nie selbst mit dem „überempfindlichen“ Nachbarn aneinandergeraten zu sein. Ständig habe er andere zurechtweisen oder Nachbarn wegen Lärmverursachung beim Ordnungsamt melden müssen. Bereits mehrfach hatten Zeugen über die äußerliche Verwandlungsfähigkeit des Mannes gestaunt. So erging es auch der 44 Jahre alten T., die ihren früheren Nachbarn im Gerichtssaal nicht wiedererkannte. „Der hatte früher die Haare kurz geschoren, trug keinen Bart, war deutlich durchtrainierter“, meinte die Zeugin erstaunt.

Dominantes Auftreten und „manchmal aufbrausend“

Keinerlei Mühe, K. wiederzuerkennen, hatte hingegen Sigrid K. Ende der 90er-Jahre war der Angeklagte ihren Angaben nach anderthalb Jahre lang mit ihrer Tochter liiert. Doch auch nach dem Ende der Beziehung waren die Zeugin und ihr Mann weiter mit „dem Mario“ befreundet. Der gelernte Dachdecker habe sie oft mit dem Fahrrad in ihrem Garten in Ahrensfelde besucht und bei handwerklichen Arbeiten geholfen.

„Mein Mann war für ihn so etwas wie ein Vaterersatz“, erklärte die 63-Jährige. „Der Mario“ sei nie griesgrämig oder schlecht gelaunt gewesen. Allerdings blieb er über all die Jahre hinweg sehr verschlossen. Erst auf Nachfrage des Gerichts bestätigte die Zeugin, dass der Angeklagte sehr dominant auftrat, schnell laut werden konnte und „manchmal aufbrausend“ gewesen sei.

Erst am Tag seiner Verhaftung am 17. September 2013 will die Zeugin mitbekommen haben, dass K. über Jahre zwei Taschen bei der Familie deponiert hatte. An jenem Tag hatte die Polizei auch das Grundstück der Familie durchsucht und die Gepäckstücke gefunden. Darin unter anderem ein Taucheranzug, Waffenzubehör und schwarze Gaze. Diesen Stoff hatten Zeugen beschrieben, wenn sie von der Vermummung des Maskenmannes sprachen, der Mitglieder einer Millionärsfamilie überfallen und einen Unternehmer entführt haben soll.