World Giraffe Day

Giraffentag im Tierpark – Lange Hälse vor und im Gehege

Am Sonnabend sind sie die größte Attraktion: Zur Sonnenwende veranstaltet der Tierpark Berlin seinen ersten Giraffentag – und knüpft damit an die weltweiten Festlichkeiten zum World Giraffe Day an.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Es ist eine Premiere: Zur Sommersonnenwende am Sonnabend richtet der Tierpark Berlin seinen ersten Giraffentag aus. Mit einer Körperhöhe von bis zu sechs Metern bei den Bullen ist die Giraffe das höchste Säugetier der Welt. Das Programm beginnt um zehn Uhr. Tierpark-Kurator Florian Sicks hat sich zusammen mit Frank Neumann von der Artenschutzgruppe des Fördervereins von Zoo und Tierpark eine Rallye mit 15 Stationen ausgedacht.

Dazu gehören unter anderem ein Quiz, ein Giraffenpuzzle, ein Passlaufspiel – wegen des Passgangs der Giraffe – und ein Hals-Labyrinth. Wer anatomisches Interesse hat, kann am Stand des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) echte Giraffenknochen in die Hand nehmen. Man versteht dann besser, warum der Giraffenhals so lang ist, obwohl er nur aus sieben Wirbel besteht.

Mit der Veranstaltung reiht sich der Tierpark ein in die weltweiten Festlichkeiten, den World Giraffe Day. „Daran nehmen 100 Institutionen teil“, sagt Sicks. Zu Besuch in den Tierpark kommt auch Andy Tutchings von der Giraffe Conservation Foundation (GCF), die sich für Schutz und Erhalt von Giraffen engagiert und den Weltgiraffentag erfunden hat. „Tutchings wird Neues aus Uganda berichten“, kündigt Sicks an.

Acht Rothschild-Giraffen leben im Tierpark

Zusätzlich geben Sicks und Mitglieder des Fördervereins Informationen zum Artenschutz. Denn die auch in Uganda vorkommende Rothschild-Giraffe ist nach Einschätzung der Nichtregierungsorganisation International Union for Conservation of Nature (IUCN) stark gefährdet. „Die Zahl der Tiere beträgt weniger als 700“, sagt Sicks. In ihrem Verbreitungsgebiet Kenia und Uganda bestünden die Herden nur aus zehn bis 20 Tieren. Sie leben auf umzäunten Arealen, so dass kein genetischer Austausch mehr möglich ist.

Als ihr einziges noch uneingeschränktes Verbreitungsgebiet gilt der Murchison-Falls Nationalpark in Uganda. Dort leben etwa 240 Rothschild-Giraffen in einer großen Herde. Sie werden von Wissenschaftlern erforscht. Anlass sind Probebohrungen chinesischer Investoren. „Wenn die Regierung das Areal zur Ölgewinnung freigibt, werden Straßen gebaut und Pipelines gelegt. Das hat Folgen für das Leben der Giraffen“, sagt Sicks.

Deshalb hat die GCF dieses Forschungs- und Schutzprojekt begründet. Die Mitarbeiter erfassen die Tiere, ihre Ernährung und Sozialstruktur. Der Förderverein von Zoo und Tierpark Berlin unterstützt die Forschung mit Geld. „Im vergangenen Jahr haben wir mehr als 1200 Euro gespendet, und das wollen wir auch dieses Jahr erreichen“, sagte der Vereinsvorsitzende Thomas Ziolko.

Im Tierpark leben acht Rothschild-Giraffen: sechs Kühe und zwei Bullenkälber. Im Sommer 2013 war Zuchtbulle Alexander gestorben. Sicks sucht nun über das Europäische Arterhaltungsprogramm einen neuen. Derzeit sind in europäischen Zoos 350 Rothschild-Giraffen zu sehen.