Zoo und Tierpark

Spaßbad im Tierpark – Jetzt werden die Pläne konkret

Seit mehr als einem halben Jahr denken die Berliner Bäderbetriebe darüber nach, im Tierpark ein neues Familienspaßbad zu errichten. Der Förderverein sieht die Idee kritisch, die jetzt geprüft wird.

Die Entscheidung am Morgen war nicht einfach. Dunkle Wolken hingen am Himmel. „Als wir losfuhren, fing es an zu regnen“, sagt Claudia Reinhold. Trotzdem hat sie sich mit ihrer kleinen Tochter Luna auf den Weg in den Tierpark Friedrichsfelde gemacht. Und wurde mit einigen Sonnenstrahlen belohnt. Von der Idee, dass auf dem Tierparkgelände ein Freizeitbad für Familien gebaut werden soll, hört die junge Frau an diesem Nachmittag zum ersten Mal. Und ist spontan begeistert. „Ein Schwimmbad im Tierpark hätte mir die Entscheidung heute morgen leichter gemacht“, sagt sie. Bei Regen wäre sie einfach mit Luna in die Schwimmhalle gegangen.

Seit mehr als einem halben Jahr denken die Berliner Bäderbetriebe laut darüber nach, im Tierpark ein neues Familienspaßbad zu errichten. Damit soll nicht nur die Wirtschaftlichkeit der Bäderbetriebe, sondern auch die Attraktivität des Tierparks erhöht werden. Jetzt werden die Pläne konkret. Der Aufsichtsrat der Bäderbetriebe hat eine Machbarkeitsstudie für ein Bad am Standort Tierpark Friedrichsfelde in Auftrag gegeben.

„Es handelt sich um einen hochinteressanten Standort“, sagt Stefan Komoß (SPD), Bezirksbürgermeister von Marzahn-Hellersdorf und Mitglied im Aufsichtsrat. Die Chancen für positive Auswirkungen auf den Tierpark und ein Familienbad könnten nunmehr untersucht werden. Die Machbarkeitsstudie werde mit dem neuen Direktor von Zoo und Tierpark, Andreas Knieriem, entstehen und ein Multifunktionsbad mit Innen- und Außenbecken sowie Freizeit- und Erholungsflächen prüfen.Parallel zu der Machbarkeitsstudie laufen Gespräche zwischen Tierpark und den Bäderbetrieben.

Kann sich der Chef vom Tierpark überhaupt ein Schwimmbad auf seinem Gelände vorstellen – diese Frage muss geklärt werden. Die Leitung von Zoo und Tierpark hält sich noch bedeckt. Sprecherin Claudia Bienek bestätigt den Kontakt mit den Bäderbetrieben. „Wir prüfen verschiedene Ansätze“, erklärt sie. Konkreter sind die Bäderbetriebe. „Im Juni wollen wir ein Gesamtbäderkonzept und den Standort Tierpark im Abgeordnetenhaus vorstellen“, sagt Sprecher Matthias Oloew. Dann werde das Thema in der Politik diskutiert.

Förderverein von Zoo und Tierpark skeptisch

Bereits jetzt begeistert von der Idee ist der Lichtenberger Bezirksbürgermeister. „Seit das Wernerbad in Kaulsdorf geschlossen wurde, haben wir ein eindeutiges Defizit an Schwimmbädern in der Region“, sagt Andreas Geisel (SPD). Der Bedarf sei da, denn die Geburtenrate habe sich verdreifacht. Außerdem gebe es einen deutlichen Zuzug nach Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf.

Im Förderverein von Zoo und Tierpark wird das neue Projekt „sehr kritisch“ gesehen. „Mir erschließt sich nicht, wie der Tierpark von einem Familienbad profitieren soll“, sagt der Vorsitzende Thomas Ziolko. Das seien unausgegorene Ideen. Ziolko ist sich sicher: „Der Tierpark hat das Potenzial, aus eigener Kraft seine Attraktivität zu erhöhen.“ Im Tierpark sind die Besucher beim Thema Spaßbad unterschiedlicher Meinung. Genau wie Claudia Reinhold findet auch Annika Gerstung aus Prenzlauer Berg die Idee „super“.

Sie ist mit Baby Theo und der zweijährigen Tochter Greta in den Tierpark gekommen. Die beiden jungen Frauen haben eine „Babycard“, mit der sie bis zum Kindesalter von 13 Monaten verbilligt in Zoo und Tierpark gehen können. „Es gibt immer mehr Kinder und junge Familien in Karlshorst“, sagt Annika Gerstung. Die würden sich bestimmt freuen.

Zoo-Schwimmbad wäre touristisches Alleinstellungsmerkmal

Nicht alle teilen diese Meinung. „Entweder Tiere oder Bad“, sagt eine andere junge Mutter aus Mitte, die mit ihrem Kinderwagen vor den Elefantengehege steht. Beides zusammen an einem Tag sei viel zu viel und zu anstrengend für kleine Kinder. Das würde zu einer Übersättigung führen, glaubt sie.

Im August 2013 haben die Bäderbetriebe mit radikalen Umstrukturierungsplänen eine Diskussion über die Bäderlandschaft angeschoben. Der neue Bäderchef verkündete die Schließung von 14 Schwimmbädern, die er durch die Schaffung von fünf neuen Standorten – darunter im Tierpark Friedrichsfelde – ersetzen wollte. Ziel dieser Pläne ist in erster Linie, wirtschaftlicher zu arbeiten und die Attraktivität zu erhöhen.