Klinik-Krise

Geheimkonten und Amigovorwürfe – Charité-Dekanin tritt zurück

Der Machtkampf an der Charité-Spitze ist entschieden: Dekanin Annette Grüters-Kieslich gibt auf. Die Affäre um geheime Konten und fragwürdige Aufträge an der Fakultät ist damit aber nicht beendet.

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Die Auseinandersetzungen an der Berliner Charité um Geheimkonten für angesparte Drittmittel in Millionenhöhe und die fragwürdige Vergabe von Berateraufträgen in der medizinischen Fakultät haben nun personelle Konsequenzen: Die Dekanin Annette Grüters-Kieslich, der der Forschungsbereich am Universitätsklinikum untersteht, hat angeboten, ihr Amt zum Jahresende aufzugeben.

Das teilte die Charité am Montag nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrates mit. Das Kontrollgremium hat das Angebot angenommen.

Die Dekanin begründete diesen Schritt damit, dass sie weiteren Schaden von der Charité abwenden wolle, der durch die öffentliche Diskussion entstanden sei. Der Aufsichtsrat hat zudem auch beschlossen, den bereits freigestellten kaufmännischen Leiter der Fakultät mit sofortiger Wirkung vorzeitig abzuberufen.

Grüters-Kieslich selbst sah eine Intrige

Auslöser der aktuellen Krise war die Entdeckung von 34 Millionen Euro aus Pauschalen für Forschungsprojekte, von denen der Vorstand nichts gewusst haben will. Die Dekanin und ihr kaufmännischer Leiter hätten dieses Geld für die Fakultät versteckt, heißt es.

Grüters-Kieslich selbst sah eine Intrige des Rest-Vorstandes, um das Geld für die ständig mit Liquiditätsengpässen ringende Charité zu sichern.

Der Vorstandsvorsitzende der Charité, Karl Max Einhäupl, und der Direktor des Uniklinikums, Matthias Scheller, behalten ihre Posten. Allerdings, so verlautete aus Kreisen des Aufsichtsrates, sei auch das Agieren des Vorstands in dem Konflikt um die Verwendung der Drittmittel teilweise kritisch gesehen worden. Der Aufsichtsrat habe den Vorstand gebeten, die Abläufe so zu optimieren, „dass umfassende Transparenz für Fakultät, Vorstand und Aufsichtsrat gewährleistet ist“, teilte die Charité mit.

Die Vorsitzende des Charité-Aufsichtsrates, Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD), sagte, der Aufsichtsrat habe Grüters-Kieslichs Entscheidung mit Respekt zur Kenntnis genommen. Man sei nicht an einer Skandalisierung interessiert gewesen, Ziel sei, dass die Charité wieder in ruhiges Fahrwasser komme. In dem Fall ermittelt allerdings noch die Staatsanwaltschaft.

Die angesparten Drittmittel stehen weiter vollständig der Fakultät zur Verfügung. Laut Aufsichtsrat habe eine fehlerhafte Verwendung nicht festgestellt werden können. Gleichzeitig habe das Kontrollgremium deutlich gemacht, dass es nicht akzeptiert werden könne, wenn es Mängel in der unternehmerischen Transparenz gibt.

Finanzsenator Nußbaum wollte an Einhäupl festhalten

Nach Morgenpost-Informationen hat Scheeres bis in die Nacht zu Montag mit Grüters-Kieslich verhandelt. Ursprünglich soll sie weitere personelle Konsequenzen gefordert haben. „Das Bild, das der Vorstand in den letzten Monaten in der Öffentlichkeit abgegeben hat, sah nicht so aus, wie es der Aufsichtsrat erwartet“, sagte sie. Insbesondere Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) wollte an Einhäupl festhalten, mit dem er sich noch vor einigen Jahren einen öffentlichen Streit geliefert hatte. Angesichts der vielen Bauprojekte und der angespannten finanziellen Lage der Charité erschien ihm eine Trennung von Einhäupl als nicht ratsam.

Die Charité schloss 2013 mit einem positiven Jahresergebnis in Höhe von 1,6 Millionen Euro ab. Damit kann das Universitätsklinikum zum dritten Mal in Folge ein positives Jahresergebnis präsentieren. Der Vorstand wird künftig gemeinsam über die Verwendung von Drittmitteln und der Gelder im Klinikbereich entscheiden.