Pro & Contra

Olympia in Berlin – gute Wahl oder deftige Watschn?

Olympische Spiele in Berlin brächten einen enormen Schub für die Region, meint Alexandra Gross. Sebastian Arlt sagt: Finger weg! Aus gutem Grund gebe es dafür keinen Rückhalt in der Bevölkerung.

Foto: Jens Kalaene / picture alliance / ZB

Pro: Berlin wäre ein guter Gastgeber

von Alexandra Gross

Berlin wäre für olympische Sommerspiele eine gute Wahl. Sagt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, und viele Sportliebhaber werden dem zustimmen. Berlin ist schon jetzt eine der Sportmetropolen der Welt. Die Stadt hat bei Großereignissen wie der Fußball-WM 2006 oder den Welttitelkämpfen der Leichtathleten 2009 ihre Qualitäten als Gastgeber bewiesen. Das würde auch bei olympischen Sommerspielen wieder der Fall sein.

Dass Berlin bei Touristen zieht, ist bekannt, bei Sport-Touristen wäre die Begeisterung kaum geringer. Die Berliner selbst zeigen Woche für Woche bei Hertha, Union, den Füchsen und Eisbären, Alba und den BR Volleys, dass sie große Leidenschaft für den Sport haben und Spitzenleistungen ebenso honorieren wie die Freude am Dabeisein. Beim Marathon säumen jedes Jahr eine Million Menschen die 42,195 Kilometer lange Strecke.

Es würden nicht nur die Athleten profitieren, bei solchen Wettkämpfen der kurzen Wege. Die reichlich vorhandenen Hotelbetten wären ausgebucht, Restaurants und kulturelle Einrichtungen ausgelastet. Berlin umarmt seine Gäste und verwöhnt sie mit bezahlbaren Preisen. Der Schub für die Region wäre jedenfalls enorm. Von der einzigartigen Atmosphäre ganz zu schweigen, die Menschen dieser Stadt könnten einmal mehr zeigen, dass sie zusammenstehen. Und wer keine Lust dazu hat, muss ja nicht ins Stadion gehen.

Während für die Winterspiele in Sotschi 2014 eine Winterwelt aus dem Boden gestampft werden musste, hat Berlin den Vorteil, dass viele der infrage kommenden Sportstätten bereits vorhanden sind. Allen voran das Olympiastadion. Natürlich müssten die Arenen und Hallen dann noch einmal modernisiert werden. Dazu könnten zum Beispiel die Beachvolleyballwettkämpfe wie zuletzt in London 2012 als mobiles Stadion vor historischer Kulisse stattfinden. Das lockt nicht nur Sport-Fans in Scharen an.

Contra: Berlin braucht keine Watschn

von Sebastian Arlt

Der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft, Gerd Heinze, wählte drastische Worte: „Die Bayern haben keinen Arsch in der Lederhose.“ Sie scheuten das Risiko, um Dinge voranzubringen, die für ganz Deutschland so wichtig wären. Deshalb habe es für die bayerischen Olympiapläne diese Abfuhr gegeben. Kann man so sehen, muss man aber nicht. Weder für die Region mit Laptop und Lederhose noch für ganz Deutschland ist die Niederlage der Olympia-Befürworter ein Rückschritt.

Dass in Berlin nun gleich wieder reflexartig über Sommerspiele in der Hauptstadt nachgedacht wird, fällt unter die Kategorie „The same procedure ...“ Wie immer fühlt sich Berlin bereit. Aber es kann nur heißen: Finger weg! Diese Stadt, die ohne Zweifel sehr sportbegeistert ist, braucht keine Olympischen Spiele. Es gibt dafür keinen Rückhalt in der Bevölkerung. Die meisten Berliner denken ebenso wie die Mehrheit der Bayern. Die Ablehnung dürfte sogar noch größer geworden sein, als sie es zu Beginn der 90er-Jahre war. Damals, 1993, scheiterte Berlin mit seiner Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele im Jahr 2000 krachend.

Diese „Olympia, nein danke“-Stimmung, die sich jetzt im Süden der Republik zeigte, ist doch kein Wunder: Die Menschen halten andere gesellschaftliche Probleme für wichtiger als Olympia. Aber vor allem sind sie zu Recht voller Misstrauen gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), einer Organisation, die mehr für Korruption, Selbstgefälligkeit und Größenwahn steht als für olympische Ideale. Dem IOC geht es vorrangig ums Geld. Warum wurden die Winterspiele 2014 denn sonst ins russische Sotschi vergeben? Die völlig irreale Vergabe der Fußball-WM 2022 nach Katar durch den Weltfußballverband Fifa hat viele in ihrer Meinung nur noch bestärkt. Eine Watschn, wie sie München jetzt erhalten hat, sollte sich Berlin ersparen.