Fall Haydar K.

43-Jähriger wohl wegen Streit um Pacht vor Imbiss erstochen

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Peter Oldenburger und Steffen Pletl

Foto: schroeder

In der Nacht zu Donnerstag wurde vor einem Imbiss in der Belziger Straße ein Mann mit einem Messer tödlich verletzt. Der mutmaßliche Täter stellte sich. Motiv könnte der geplante Pächterwechsel sein.

Bei Streitigkeiten zwischen mehreren Männern ist in der Nacht zu Donnerstag vor einem Schöneberger Imbiss ein Mann durch einen Messerangriff tödlich verletzt worden. Obwohl Polizisten einer vorbeikommenden Funkstreife dem Opfer noch Erste Hilfe leisteten, konnte das Leben des 43 Jahre alten Mannes nicht gerettet werden.

Ein 22-Jähriger Beteiligter der Auseinandersetzung an der Belziger Straße musste mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Nach medizinischer Behandlung war der junge Mann am folgenden Morgen außer Lebensgefahr. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der mutmaßliche Messerstecher bereits der Polizei gestellt. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Bluttat führt jetzt die 1. Mordkommission.

Schauplatz des Gewaltverbrechens war der Gehweg vor dem Imbissgeschäft „Gözleme“ an der Belziger Straße nahe der Einmündung Martin-Luther-Straße vis-à-vis dem Rathaus Schöneberg. Kurz vor 22 Uhr soll der mutmaßliche 37 Jahre alte Täter das Lokal betreten haben, offenbar um mit dem Imbissbetreiber zu sprechen.

Nach der Attacke: Drei Männer vorläufig festgenommen

Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll der 37-jährige Engin C. in Begleitung von zwei Männern mit einem schwarzen Pkw vor dem Imbiss vorgefahren sein. Wenig später kam es zu einem lautstarken Streit mit dem späteren Opfer, die Auseinandersetzung verlagerte sich vor die Tür und eskalierte. Tische und Sitzbänke stürzten um, der 43-jährige Imbissbetreiber Haydar K. wurde mit einem Messer verletzt und brach blutend zusammen.

Auch ein 22-Jähriger erlitt schwere Schnittverletzungen und rannte in das Lokal. Eine vorbeifahrende Polizeistreife, die auf den Streit aufmerksam wurde, leistete bei dem 43-Jährigen Nothilfe und alarmierte einen Rettungswagen der Feuerwehr. Doch der herbeigeeilte Notarzt konnte nur noch den Tod des 43-Jährigen feststellen. Der heftig blutende 22-Jährige wurde zur stationären Behandlung in das Sankt Gertrauden-Krankenhaus eingeliefert, wo Ärzte das Leben des jungen Mannes retten konnten.

Am Tatort wurden drei Männer vorläufig festgenommen. „Ihre Tatbeteiligung ist derzeit noch unklar“, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag. Der mutmaßliche Täter Engin C. – nach Informationen dieser Zeitung noch vor Kurzem Betreiber des Imbisses – war zunächst geflüchtet. Noch in der Nacht stellte sich der Mann jedoch beim Polizeiabschnitt 42, wo er von den Beamten festgenommen wurde.

Widersprüchliche Angaben zum Tathergang

Zu den möglichen Hintergründen der Tat gibt es im Umfeld sehr unterschiedliche Darstellungen. Offene Rechnungen, ein offenbar nur mündlich geschlossener Pachtvertrag und ein möglicher neuer Interessent für das Geschäft an der Belziger Straße könnten die Hintergründe für den Mord an Haydar K. sein. Der Geschäftsmann soll erst vor wenigen Tagen den Laden von dem unter Mordverdacht stehenden Engin C. übernommen haben. Hierfür soll es nach Aussage von mehreren Bekannten aus dem Umfeld von Engin C. jedoch keine schriftliche Vereinbarung geben.

Zudem soll das Opfer der tödlichen Messerattacke diverse Rechnungen, beispielsweise für Strom und Wasser, nicht beglichen haben. Für Engin C. Grund genug, nach einem neuen Pächter Ausschau zu halten. Dafür soll auch schon Geld geflossen sein. Einzig das Problem mit dem aktuellen Pächter soll für einen erneuten Wechsel des Pachtverhältnisses im Raum gestanden haben. „Offenbar war das der Grund, warum es am Mittwochabend vor dem Imbiss zu der schlimmen Streit zwischen den Männern gekommen ist“ , sagte ein Bekannter von Engin C.

Haydar K. hatte erst vor etwa 14 Tagen das Geschäft neu eröffnet. Zuvor soll er einen Autohandel betrieben haben. Diesen hatte er mit der Übernahme des Imbisses aufgegeben.

Indes haben einige Anwohner Angst und sprachen hinter vorgehaltener Hand von einer Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen ethnischen Gruppen. „Hoffentlich artet das hier nicht zu einem Bandenkrieg aus“, sagte eine Anwohnerin.