Innensenator Frank Henkel (CDU) und Polizeipräsident Klaus Kandt haben am Montag die Berliner Kriminalitätsstatistik für 2013 vorgestellt. Dabei ist die Zahl der registrierten Straftaten in Berlin erstmals seit Jahren wieder leicht gestiegen.
So wurde die Marke von 500.000 Straftaten überschritten: 503.165 Delikte wurden erfasst, im Vergleich zum Vorjahr war das ein Anstieg um 7868 Taten (1,6 %). Diebstahl machte laut Senator Henkel dabei fast die Hälfte aller Fälle aus. Auf die 365 Tage eines Jahres gerechnet wurden damit 1378 Straftaten pro Tag verübt.
Die Aufklärungsquote sank im Jahr 2013 um einen Prozentpunkt auf 43,7 %.
Die deutliche Zunahme der Eigentumsdelikte sei mit Ursache für die Zunahme der Straftaten einerseits sowie dem Absinken der Aufklärungsquote andererseits, da nur etwa jedes fünfte Diebstahlsdelikt aufgeklärt wird, hieß es Montag.
Trotz der Zunahme der registrierten Straftaten hat aber die Häufigkeitszahl, die die Anzahl der Straftaten auf die Einwohnerzahl bezieht, nur um 0,1 % im Vergleich zum Vorjahr zugenommen (von 14.892 auf 14.908 je 100.000 Einwohner und Einwohnerinnen). Ursache: Die Einwohnerzahl Berlins ist im vergangenen Jahr um knapp 50.000 gestiegen-
Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, haben vor allem Autodiebstähle deutlich zugenommen. Rund 6000 Autos wurden im Vorjahr als gestohlen gemeldet. Das bedeutet eine Zunahme von sechs Prozent. Das geht aus den Daten der sechs Polizeidirektionen hervor. Ihre Angaben sind aber nur Teil der Jahres-Statistik. Hinzu kommen Fälle, die das Landeskriminalamt bearbeitet. So stieg die Gesamtzahl der Autodiebstähle um 15,6 %.
Weniger Mord und Totschlag
Bei Gewaltverbrechen, insbesondere bei Mord und Totschlag, Raub sowie bei gefährlichen und schweren Körperverletzungen sind die Fallzahlen für das Jahr 2013 deutlich gesunken.
So gab es 147 Fälle von ausgeführtem oder versuchtem Mord oder Totschlag. Die Zahl der Tötungsdelikte sank um 27,9 %, Raubtaten um 3,1 %, die gefährlichen und schweren Körperverletzungen um 7,1 %. Bei Körperverletzungen auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen ging die Zahl der Straftaten sogar um 13,5% zurück. das ist nach Angaben der Innenverwaltung der niedrigste Wert seit zehn Jahren.
Der größte Anteil an diesen Fällen wurde in der Direktion 5 bearbeitet, zu der Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg zählen, fast jede dritte Körperverletzung wurde hier erfasst. Dagegen wurde nur knapp jede zehnte Tat in der Direktion 4 begangen, also in Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg.
Trendumkehr auch bei Einbrüchen
Nach einem deutlichen Anstieg von 2010 bis 2012 ist im Jahr 2013 ist die Zahl der registrierten Einbrüche in Wohnungen und Häuser insgesamt um 5,9 % zurückgegangen.
So wurden zwar 797 oder 8,2 % weniger Wohnungseinbrüche registriert, die Einbrüche in Villen und Einfamilienhäuser nahmen jedoch um 2,9 % zu. Auch die Zahl der Einbrüche in Keller hat zugenommen. Hier gibt es eine Steigerung von 15,1 Prozent.
Die Aufklärungsquote konnte hier um 0,8 Prozentpunkte auf 7,3 % gesteigert werden. Bei knapp 40 % aller Taten blieb es beim Versuch.
Taschendiebstahl: Anteil der tatverdächtigen Kinder auf 17,3% gestiegen (von 13,3) #Kriminalitätsstatistik
— Christina Brüning (@chr_bruening) 24. Februar 2014
Südosten Berlins bei Delikten Spitzenreiter
Insgesamt zählten die sechs Direktionen mehr als 363.000 Straftaten. Der größte Anteil davon mit etwa 20 Prozent wurde in der Direktion 5 (Friedrichshain-Kreuzberg/Neukölln) angezeigt, mit 14 Prozent Anteil war die Direktion 4 (Steglitz-Zehlendorf/Tempelhof-Schöneberg) am wenigsten belastet.
Nicht eingerechnet sind in der Statistik Taten wie Mord und Totschlag, Sexualdelikte, Betrugsfälle oder etwa der überwiegende Teil der Fälle von Taschendiebstahl – diese werden beim Landeskriminalamt (LKA) bearbeitet.
Zehn Prozent mehr politische Kriminalität, laut Innensenator wg Bundestagswahl und Debatte zu Gentrifizierung und Flüchtlingen
— Christina Brüning (@chr_bruening) 24. Februar 2014
Politisch motivierte Taten
Erstmals gibt es eine frühe Kurzfassung der statistischen Auswertung aller registrierten Verbrechen des vergangenen Jahres sowie der politisch motivierten Taten von Rechts- und Linksextremisten. Die üblichen, sehr ausführlichen Langfassungen der beiden Jahresberichte werden im Frühjahr veröffentlicht. Damit wolle Berlin sein Vorgehen bei der Veröffentlichung der Statistik an die Mehrheit der anderen Bundesländer anpassen, hieß es.
Hier wurden im Jahr 2013 3091 Fälle gemeldet. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 10 %. In 441 Fällen handelte es sich um Gewaltdelikte (plus 26 %).
Während genauso viele Fälle der politisch motivierten Kriminalität (PMK) rechts festgestellt wurden wie 2012, nahmen die PMK-Fälle links um 18 % und die der PMK-Ausländerkriminalität um 7 % zu. Bei Letzterer wurde damit der dritthöchste Stand der vergangenen zehn Jahre erreicht. Vor allem Körperverletzungen und Landfriedensbrüche haben zugenommen.
Die Aufklärungsquote für das gesamte Fallaufkommen ist von 36 % im Jahr 2012 auf 39 % in 2013 gestiegen.
Ein Schwerpunktthema für die rechte Szene mit 64 Fällen im Jahr 2013 war die Eröffnung einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. Sie wurde von der rechtsextremen Szene zu Propagandazwecken genutzt.
Das Fallzahl bei politisch motivierter Ausländerkriminalität ist leicht gestiegen. Vor allem bei der Deliktart Terrorismus ist ein Plus um 12 auf 16 Fälle zu verzeichnen. Dabei handelt es sich in 14 Fällen um Verstöße gegen den § 89a StGB (Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat). Hierunter fällt unter anderem auch die Aneignung von Wissen durch die Teilnahme an terroristischen Ausbildungslagern. Die Gewaltdelikte sanken hingegen um sieben Fälle auf 41 Fälle.
BM




