Studie

Das sind die Geldnöte und Zukunftspläne unserer Studenten

Eine Studie des Allensbach-Instituts zeigt, wie Studenten im Jahr 2014 leben, und rückt speziell Wohnungsnot und die finanzielle Schere in den Fokus. Wer keine Geldspritze bekommt, hat es schwer.

Reden wir über Geld: Der deutsche Durchschnittsstudent hat im Monat 615 Euro zur Verfügung – wobei natürlich die Summe dadurch gedrückt wird, dass viele Studenten noch zu Hause wohnen. Das ist das Ergebnis einer Studentenbefragung des Allensbach-Instituts für das Reemtsma Begabtenförderungswerk.

Wie ist es, im Jahr 2014 in Deutschland zu studieren? Das war die Leitfrage der Studie. 2019 Studenten wurden im März und April befragt, 384 von ihnen studierten in Ostdeutschland. Ergebnisse sind vor allem: Die Studenten haben große Probleme, bezahlbare Wohnungen zu finden. Der Bachelor ist ziemlich unbeliebt. Und viele Studenten werden von ihren Eltern unterstützt und gehen nebenher arbeiten.

40 Prozent der Befragten finden es eher schwer, ein bezahlbares Zimmer zu finden. 32 Prozent sogar sehr schwer. Blickt man auf Berlin, verschärft sich dieser Trend noch: 48 Prozent finden die Wohnungssuche eher schwer, 34 Prozent sogar sehr schwer. In Ostdeutschland sieht es schon entspannter aus: Dort finden es 42 Prozent eher leicht – und nur 30 Prozent eher schwer und 13 Prozent sehr schwer. Das Deutsche Studentenwerk (DSW) bekräftigte angesichts der Umfrageergebnisse seine Forderung nach zusätzlichen preisgünstigen und staatlich geförderten Wohnheimplätzen. Die Umfrage belege eine zunehmende Wohnungsnot und deutlich steigende Mietpreise in den Hochschulstädten.

Forderung nach mehr Studentenwohnheimen

Da liegt der Ruf nach mehr Plätzen in Studentenwohnheimen nahe: Die große Mehrheit der Befragten (72 Prozent) beklagt deren geringe Anzahl. Dabei gibt es aber auch hier regionale Unterschiede: In Ostdeutschland kritisieren lediglich 56Prozent die zu geringe Anzahl an Wohnheimplätzen, im Westen sind es 74Prozent, in Berlin 73 Prozent.

61 Prozent der Befragten haben die Absicht, nach dem Bachelor noch den Master zu machen – 59 Prozent der Männer und 63 Prozent der Frauen. 73 Prozent erhoffen sich davon bessere Karriere- und Verdienstmöglichkeiten. Ebenso viele glauben an bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Viele Studenten (54 Prozent) glauben, dass der Bachelor nicht ausreichend auf das Berufsleben vorbereitet, 23 Prozent glauben dies doch, 23 tendieren weder zur einen noch zur anderen Sichtweise. In Berlin planen 63 Prozent der Studenten, nach dem Bachelor noch den Master zu machen. Nur 27 Prozent sagen, der Bachelor bereite ausreichend auf das Berufsleben vor – 54 Prozent sind da anderer Ansicht.

Der akademische Abschluss war im Rahmen des Bologna-Prozesses eingeführt worden, um Studiengänge und Abschlüsse innerhalb der EU zu vereinheitlichen. Dabei soll der Bachelor auch berufsqualifizierend sein und den Einstieg in den Job ermöglichen. Der akademische Abschluss wird in der Regel nach drei bis vier Jahren Studienzeit erworben.

Studenten achten auf gutes Betriebsklima

Das Geld für das Studium bekommen 64 Prozent der Studenten von ihren Eltern, 58 Prozent arbeiten nebenher, 33 Prozent bekommen Bafög und 25 Prozent nutzen eigenes Vermögen oder Erspartes. Nur vier Prozent der Studenten haben ein Stipendium, in Berlin sind es fünf Prozent. Von den Eltern unterstützt werden in der Hauptstadt 57 Prozent, 53 Prozent jobben, 40 Prozent bekommen Bafög, 21 Prozent gehen an ihr Erspartes.

Im Beruf wünschen sich 73 Prozent der Studenten ein gutes Betriebsklima (Berlin: 71 Prozent). Wichtig sind auch ein sicherer Arbeitsplatz (67 Prozent, Berlin: 65 Prozent), ein Beruf, der den eigenen Neigungen und Fähigkeiten entspricht (66 Prozent, Berlin: 60 Prozent) und, dass sich die Arbeit gut mit dem Privatleben und der Familie vereinbaren lässt (65 Prozent, Berlin: 67). Nur 44 Prozent brauchen gute Aufstiegsmöglichkeiten, und nur 41 Prozent fordern eine Bezahlung, die sich an der Leistung orientiert. Wenig Stress wünschen sich nur 25 Prozent.

Aktuell planen 52 Prozent der Studierenden keinen Auslandsaufenthalt während des Studiums. Elf Prozent waren bereits eine längere Zeit im Ausland, 27 planen dies und sechs Prozent waren schon im Ausland und wollen auch wieder hin. Auch in Berlin planen 27 Prozent im Ausland zu studieren. 85 Prozent der Berliner Studenten glauben, man kann im Ausland Sprachkenntnisse verbessern. 73 Prozent denken, man lernt ein neues Land kennen. 56 Prozent vermuten, dass man selbstständiger wird.

Große Mobilität kündigen die Studierenden aber für die Zeit nach dem Studium an: Vier von fünf sind zu einem Umzug innerhalb Deutschlands (33 Prozent) oder ins Ausland (47 Prozent) bereit.