Medizin

Etwa jeder zweite Totenschein in Berlin fehlerhaft

Der Leiter der Charité-Rechtsmedizin, Prof. Michael Tsokos, fordert Leichenschau-Kurse für alle Ärzte. Der Grund: Fast 50 Prozent der Diagnosen auf den Totenscheinen seien falsch.

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In Berlin wird etwa jede zweite Todesbescheinigung fehlerhaft ausgestellt. „Der Hauptgrund dafür, dass nachweislich 50 Prozent der Diagnosen auf den Todesbescheinigungen falsch sind, ist die mangelhafte Kenntnis und oft auch fehlende Erfahrung der leichenschauenden Ärzte“, sagte Prof. Michael Tsokos, Leiter der Charité-Rechtsmedizin.

Er forderte deshalb, Leichenschau-Kurse als Fortbildung für alle jene Ärzte verpflichtend zu machen, die Leichenschauen durchführen. In Berlin sterben etwa 32.000 Menschen pro Jahr.

In Berlin machte zuletzt eine Schleuserbande Schlagzeilen, die mit Pässen von Toten gehandelt haben soll. Nach Informationen der Berliner Morgenpost sollen islamische Bestattungsinstitute die Pässe von Verstorbenen an organisierte Schleuserbanden weitergegeben haben.

Diese verkauften die Pässe der Toten an ähnlich aussehende Flüchtlinge. Damit konnten diese Personen ungehindert nach Deutschland einreisen. Mindestens neun Fälle sind der Berliner Ermittlungsgruppe "Schleuser" bekannt. Dabei handele es sich vornehmlich um Syrer.

Das Bestattungsinstitut sei offenbar über ein Rundum-Angebot an die Hinterbliebenen in den Besitz der Pässe gekommen: Es habe angeboten, die gesamten Behördengänge in Zusammenhang mit dem Sterbefall zu erledigen. Die Hinterbliebenen hätten dem Institut dann "vertrauensvoll" die Pässe übergeben.

Seit 2010 sollen so mindestens neun Menschen, die den Inhabern der Pässe ähnlich sahen, in die Bundesrepublik eingereist sein. Sie sollen vor allem über Syrien gekommen sein. Neben deutschen Reisepässen wurden auch Dokumente aus Marokko, Ägypten und Libanon gefunden.