Das am Fernsehturm in Mitte geplante „Körperwelten“-Museum mit plastinierten menschlichen Leichen sorgt für heftige Kritik bei Kirchen, Politikern und Tourismuswerbern. Doch da die Räume, in die die Ausstellung einziehen will, privat vermietet werden, gibt es keine juristische Handhabe, das Museum zu verbieten. Und die Kuratorin der „Körperwelten“ und Ehefrau des umstrittenen Plastinators Gunther von Hagens, Angelina Whalley, will auch nicht von dem prominenten Ausstellungsort abrücken, wie sie der Berliner Morgenpost sagte.

„Wir verfolgen seit 1997 die Idee, ein Menschen-Museum einzurichten, finanzieren alles selbst. Das ist für uns ein großer Schritt. Jetzt freuen wir uns darauf, wenn es im Herbst losgeht“, sagte Whalley. Klar sei immer gewesen, dass das Museum in Deutschland sein sollte. Berlin als zentraler Ort Europas biete den Vorteil, dass die „Körperwelten“-Labore in Guben nicht weit seien. Dort werden Prozesse der Plastination und Präparationstechniken demonstriert.

Angelina Whalley sagte, dass sie die „neue, alte und zahlreiche Kritik“ überrascht habe. Sie stehe „im krassen Widerspruch zur Resonanz auf die Ausstellung „Körperwelten“. Seit 1995 sei sie erfolgreich in Europa, Amerika, Asien, Südafrika, Israel und Mexiko gezeigt worden. 40 Millionen Besucher hätten sie inzwischen gesehen. Die Ausstellung ermögliche jedem medizinischen Laien, etwas über die menschliche Anatomie, über das Leben und das Menschsein zu erfahren.

Sorge um das Ansehen Berlins in der Welt

„Körperwelten lehrt in erster Linie über das Leben, der Tod steht nicht im Mittelpunkt, auch wenn wir tote Körper anschauen“, sagte die 54-Jährige, die an der Freien Universität Medizin studiert hat. Der menschliche Körper stehe im Zentrum des Daseins, deswegen sei das Zentrum Berlins mit dem höchsten Bauwerk Deutschlands genau der richtige Ort für die Ausstellung.

Wenn der menschliche Körper zur Ware werde, verliere der Mensch seine Würde, kritisierte hingegen der evangelische Bischof Markus Dröge. „Die Leichenschau zeigt einen würdelosen Umgang mit Toten, gerade an einem der zentralen Plätze Berlins. Die Totenruhe wird durch die Zurschaustellung verletzt, die Leichen zur Touristenattraktion. Das ist eine schlechte Visitenkarte für die Stadt“, sagte er weiter.

Die Betreiber des Fernsehturms wollen das geplante Museum nicht bewerten. Sie hätten einen anderen Vermieter, darüber hinaus gebe es keine Verbindung zwischen dem Besucherbereich des Fernsehturms, den rund 1,3 Millionen Gäste pro Jahr besichtigen, und der geplanten Ausstellung.

Der Gemeindekirchenrat und die Pfarrerin der nahen St. Petri-St. Marien, Beate Dirschauer, lehnen das Museum strikt ab: Tote seien keine Handelsware, der Umgang mit den Toten sei pietätlos. Das Ansehen Berlins nehme Schaden. Kritik kommt auch von den Tourismuswerbern Berlins. „Gerade wird über die Zukunft der Berliner Mitte diskutiert, da ist die Ausstellung das falsche Zeichen am falschen Ort. Abgesehen davon, dass die Ausstellung zu reißerisch und kommerziell ist“, sagte Christian Tänzler, Sprecher von „Visit Berlin“.

Stadtentwicklungssenator Müller spricht sich für die Ausstellung aus

Zur Kritik der Kirchen sagte Whalley: „Sie haben nicht das alleinige Recht zu sagen, wie mit toten Körpern respektvoll und würdevoll umzugehen ist. Es steht außer Frage, dass verstorbene Menschen mit Achtung behandelt werden müssen.“ Sie hätten ein Körperspendeprogramm, in dem mittlerweile mehr als 14.000 Spender registriert seien. Alle Körper, die zu sehen sind, stammten von Menschen, die sich für diesen Weg entschieden hätten.

Auch ihr Mann wolle seinen Körper plastiniert wissen, ebenso sein Vater und zwei seiner drei Kinder. Sie selbst sei ebenfalls Körperspenderin. Ob die Körper nach dem Tod ebenfalls im Museum am Fernsehturm zu sehen sein werden, „das werden wir zu gegebener Zeit entscheiden“. Ihr Mann, der eine Wohnung in Mitte hat, sei zwar an Parkinson erkrankt. „Mit dem Ableben ist aber noch lange nicht zu rechnen.“

Während CDU, Grüne und Linke die Leichenschau ablehnen, lobte Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) sie. Er wisse nicht, wie die Schau präsentiert werde, und man könne diskutieren, ob der Ort geeignet sei, die alte „Körperwelten“-Ausstellung im Postbahnhof habe er aber „großartig“ gefunden.