Friedrichshain

Nächste Berliner Initiative macht gegen Wohnungsbau mobil

Clubs, Kneipen und mittendrin Wohnungen - das will eine Bürgerinitiative auf dem RAW-Gelände nahe dem S-Bahnhof Warschauer Straße verhindern. Es soll eine reine Kultur- und Partyzone bleiben.

Foto: Michael Brunner

Eine Bürgerinitiative will verhindern, dass am sogenannten RAW-Gelände mit Clubs und Kneipen in Friedrichshain Wohnungen gebaut werden können. Der Widerstand wird angeführt von der Initiative Kulturensemble RAW und den Grünen. Das Gebiet des früheren Reichsbahnausbesserungswerks (RAW) mit alten, halbzerstörten Backsteinhallen nahe dem S-Bahnhof Warschauer Straße ist bei Touristen und jungen Berlinern als Partyzone beliebt.

Die Bezirksverordnetenversammlung stimmt an diesem Mittwoch über die beiden Anträge ab. Die Grünen fordern, das Gelände dauerhaft als Kultur-, Freizeit- und Naherholungsstandort zu erhalten. Wohnungen seien wegen des Lärms schwierig. „Wir fürchten, dass – wenn man Wohnbebauung zulässt – es zu Konflikten kommt“, sagte die Grünen-Fraktionssprecherin in der Bezirksverordnetenversammlung, Paula Riester. Dann müssten am Ende womöglich Kultureinrichtungen schließen. Die Bürgerinitiative will in einem eigenen Antrag großflächige Bauvorhaben ausschließen.

Grüne unterstützen die Initiative

Bislang gibt es nach Angaben des Bezirksstadtrats Hans Panhoff (Grüne) keinen richtigen Bebauungsplan für das Gelände. Das Areal gehöre der RED Real Estate Management and Development GmbH und isländischen Investoren. Er finde den Plan richtig, dort wegen des Lärmschutzes keine Wohnungen zuzulassen. „Das kann ich schon nachvollziehen.“ Der federführende Ausschuss für Stadtentwicklung empfiehlt den Abgeordneten, beiden Anträgen zuzustimmen. Die RED GmbH war zunächst nicht zu erreichen.

Graffitis sollen unter Schutz gestellt werden

Die Grünen im Bezirk wollen auch Graffiti aus der Zeit der Hausbesetzungen unter Denkmalschutz stellen lassen. Der Antrag werde ebenfalls am Mittwoch eingereicht, sagte Riester am Dienstag. Anlass ist der Plan der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte, ein Wandbild auf einem Gebäude in der Waldemarstraße mit Werbung eines Sportartikelhersteller zur Fußball-Weltmeisterschaft zu übermalen. Ein Sprecher des Wohnungsbaugesellschaft sagte, nur ein untererer Teil des Wandbilds solle für die Zeit der WM mit einem Werbegemälde von Künstlern überdeckt werden. Dieser Teil sei ohnehin bereits von anderen Sprayern übersprüht worden.

Die Grünen wollen nun prüfen lassen, wie Graffiti aus den 1980er und 1990er Jahren vor Übermalen, Verhängen oder Überkleben geschützt werden können. Die Wandmalereien seien ein „Stück Zeitdokumentation“, sagte Riester. Baustadtrat Panhoff nannte den Antrag lobenswert, sagte aber auch, Denkmalschützern könne man nur Anregungen geben.