Techno

Summer Rave – Zuckende Laser und leuchtende Tänzer

Beim Summer Rave auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof traf sich die Techno-Szene zum Tanz bis in den Morgen. Neben harten Beats war vor allem eines Pflicht: ein leuchtendes Outfit.

Der Berlin Summer Rave ist ausverkauft, es gibt keine Abendkasse, und ganz vorne am Columbiadamm stehen Leute, die Tickets suchen. In der Schlange geht der Rave schon los, da steht ein Typ mit Schuhen und einer Zyklopenbrille die im Millisekundentakt blau aufleuchten und macht breitwillig Handyfotos. Sein Kumpel leuchtet nicht – stellt sich aber auch gerne vor die Handylinsen. Während sich alle auf den Eingang zuschieben, wummert drinnen schon der Techno, die Scheiben des Flughafengebäudes vibrieren. Im Eingangsbereich steht eine Familie – die beiden Töchter wollen schon rein, müssen aber noch warten – Papa muss noch fertig rauchen.

Der Summer Rave besteht aus drei Hangars, zwei Megadancefloors und ein Clubfloor sind angekündigt. Zunächst ist nur einer von drei Hangars offen. Um neun ging es los im Hangar 1, Soeren Linke und Wasserwalker haben hier den Anfang gemacht. Gegen 23 Uhr kann man sich entscheiden: In Hangar 1 spielen 2Raumwohnung, ein paar Meter weiter eröffnet Dan Caster den zweiten Saal. „2Raumwohnung, die sind doch auch ziemlich cool oder?“ vergewissert sich ein Mädchen, in einem knappen Joggingoutfit bei einer Freundin. Die nickt. Also nix wie rein in die Menge – zuerst wird natürlich noch ein Selfie gemacht, für Facebook oder so. Der Berliner Wohlfühl-Elektro ist dann aber doch nicht ganz das, was die Leute hier erwartet haben. Die ersten gehen wieder.

Strenggenommen beginnt der Rave auch erst gegen Mitternacht, die Konzerte zuvor sind in diesem Jahr neu, sollen ein breiteres Publikum ansprechen. „Sexy Girl“ flötet Inga Humpe – dann folgt die Begrüßung: Hallo Berlin! Humpe und Tommi Eckart spielen. Sie legt ihren Arm an den Kopf und singt das Stück „Bei dir bin ich schön“. Sehn reimt sich auf schizophren, reimt sich auf angenehm, reimt sich auf schön, auch die Zeile, das ist wie auf dem Himalaya stehen, kommt vor. Bei all dem Gereime werden die ersten Technowütigen nervös. In Hangar 2 dröhnen harte Beats, grüne Laser zucken, und vor dem Eingang hat sich bereits ein Knoten gebildet, so viele wollen hier rein.

Tinnitus-Stiftung verteilt kostenlosen Ohrschutz

Von der zentralen Halle gehen die beiden Techno-Hangars ab, im zweiten Hangar, rechts vom Eingang ist der kleine Clubraum. In der Halle steht eine Cocktailbar, mit bunten Lichtern und Palmen. In der Mitte verteilt die deutsche Tinnitus-Stiftung kostenlosen Ohrenschutz. Den tragen allerdings wenige hier, hartgesottene Großraumraver brauchen keinen Ohrenschutz. Dabei würden die Dinger gut zu den meisten Outfits passen, weil sie in grellem Neon-Orange leuchten. Mindestens die Hälfte der Leute hier leuchtet auch – von Klamotten über Schmuck zu Knicklichtern. Und was man alles so aus Knicklichtern machen kann – Armreifen sowieso, aber auch Mäuseohren, Brillen und Hutbanderolen. Drei Mädchen schminken sich rosarote Sterne aus fluoreszierender Farbe auf den Arm – zum Schluss kommt Glitzerpuder drüber. Auch der Typ mit der blauen Zyklopenbrille ist wieder da. Auf den T-Shirts der durchgeschwitzten Raver, die von Sascha Braemers Auftritt kommen, kann man „Hyper-Hyper“ lesen oder einfach „SEX“.

Draußen auf der Freifläche – eine Art Rummelplatz, Ess- und Bierbuden und Aktionsstände der Sponsoren. Auch hier dröhnen die Beats, in T-Shirts sitzen die weniger tanzwütigen Ravefans auf den Bierbänken und zählen ihre Getränkemarken. Für drei Marken gibt es ein kleines Bier. Gegen 0 Uhr geht es auch auf dem Clubfloor los. Im Gegensatz zum ausladenden Rest ist der Raum recht überschaubar. Gunjah legt hier als erstes auf – eine Handvoll Leute tanzen, hier drinnen gibt es vor allem Kunstnebel. Später kommen die Supernasen. Die Sanitäter patroullieren über das Gelände – die Menge in den Hangars tanzt. Das Set der Ostblockschlampen kommt noch, Lexy & K. Paul und Paul Kalkbrenners Frau Simnia Grigoriu. Am Sonntag morgen um sollte dann langsam Schluss sein, mit dem Rave. Felix Kroecher legt im Hangar 1 das letzte Set auf. Für manche endete der Rave schon früher – zusammengesunken an der vibrierenden Wand oder im Sani-Zelt.