Geldsäcke gestohlen

Maskierte Räuber überfallen Geldtransporter am Tauentzien

Vor dem Berliner Modegeschäft Peek & Cloppenburg ist am Montag ein Geldtransporter überfallen worden. Die Täter flüchteten mit der Beute, zündeten ihr Fluchtauto am Innsbrucker Platz an und entkamen.

In der Nähe des bekannten Kaufhauses KaDeWe haben am frühen Montagabend mehrere maskierte Täter an der Tauentzienstraße in Schöneberg einen Geldtransporter überfallen.

Die Männer schlugen gegen 18 Uhr zu, als Mitarbeiter des Transportunternehmens Geldbehälter aus der Berliner Hauptfiliale der Modekette Peek & Cloppenburg in ihr direkt am Tauentzien geparktes Fahrzeug luden. Über die Höhe der Beute wurde zunächst nichts bekannt, verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand.

Wie eine Polizeisprecherin kurz nach dem Überfall mitteilte, konnten die Täter zunächst unerkannt fliehen. Eine halbe Stunde nach der Tat sei ein Wagen vom Typ Alfa Romeo, den die Polizei für das Fluchtfahrzeug hält, brennend auf einem Parkplatz an der Wexstraße in Schöneberg entdeckt worden.

Ein Großaufgebot an Beamten beteiligte sich unmittelbar nach Bekanntwerden des Überfalls an der Suche nach den Tätern. Der Fundort des brennenden Fahrzeugs wurde weiträumig abgesperrt. Überall in Schöneberg waren in der Folgezeit Dutzende Funkstreifenwagen und Zivilfahrzeuge der Polizei unterwegs.

Augenzeugen zufolge sollen zwei Männer den Überfall verübt haben, beide waren maskiert, einer hatte eine großkalibrige Waffe dabei. Die Mitarbeiter der Werttransportfirma GWS wurden offenbar von den Tätern überrascht, als sie gerade Geldsäcke aus dem Modehaus in ihr Fahrzeug packten.

Zu der entwendeten Summe gab es zunächst unterschiedliche Angaben. Aus Polizeikreisen verlautete, die Täter hätten etwa die Hälfte der zuvor in das Fahrzeug geladenen Geldsäcke erbeutet. Eine Augenzeugin berichtete der Berliner Morgenpost, einer der Täter habe auf dem Weg zum Fluchtwagen einen Geldbeutel verloren.

„Als der Mann zurücklaufen wollte, um den verlorenen Beutel zu holen, hat ihm der andere zugerufen: ,Lass sein und komm endlich’“, sagte eine Frau, die in der Nähe des KaDeWe einen Marktstand betreibt.

Täter sprachen offenbar Deutsch

Die Angaben der Frau deuten zumindest darauf hin, dass die Täter Deutsch sprachen. Nach Auskunft der Polizei gibt es allerdings noch keinerlei Hinweise auf die Identität der Männer. Es gebe zwar eine Vielzahl von Zeugen, die jetzt alle befragt werden müssten, aber Beschreibungen maskierter Täter seien naturgemäß sehr schwierig.

Hoffnungen setzen die Ermittler jetzt auch auf das brennende Fahrzeug. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass Fluchtfahrzeuge von Tätern häufig zuvor gestohlen werden.

Unmittelbar nach der Tat herrschte in der Gegend rund um die Tauentzienstraße großer Aufruhr, aufgeregte Passanten rannten umher und schrien durcheinander. In kurzer Zeit versammelten sich Hunderte Schaulustige vor dem KaDeWe, um die Arbeit der Ermittler und Experten der Spurensicherung zu beobachten. Die Polizei sperrte den Tatort ab, in der ganzen Umgebung schrillten die Sirenen der umherfahrenden Polizeifahrzeuge, begleitet von Blaulicht.

Der Lagedienst der Behörde hatte alle verfügbaren Kräfte umgehend zum Tatort beordert. Weitere Kräfte sicherten den Fundort des brennenden Fluchtfahrzeugs an der Wexstraße und machten sich dort auf die Suche nach den Tätern. Ob die Männer zu Fuß weiterflüchten oder in ein anderes Fahrzeug umstiegen, blieb zunächst unklar.

„Handschrift von Profis“

„Der Überfall trägt die Handschrift von Profis“, sagte einer Ermittler am Abend. Vieles deutet nach Ansicht der zuständigen Beamten eines Raubkommissariats des Landeskriminalamtes (LKA) darauf hin, dass der Geldtransport bereits von den Tätern erwartet wurde. Die Täter hätten offenbar viel Mühe auf die Vorbereitung der Tat und das Auskundschaften des Tatortes verwandt und so wohl auch die ungefähre Zeit ermittelt, an der der Transporter dort eintreffen sollte, so der Beamte weiter.

Gewöhnlich vermeiden es die Geldtransportfirmen, ihre Routen zu immer gleichen Zeiten zu fahren. „Womöglich wussten die Männer lediglich, dass heute noch jemand kommt und Geld abholt, und haben einfach gewartet. Aber das sind jetzt alles erst einmal Spekulationen“, gab sich der Ermittler zurückhaltend.

Höhe der Beute zunächst unbekannt

Auch die Höhe der Beute zunächst unbekannt blieb, wird sich der Überfall für die Täter gelohnt haben. Nach Angaben von Experten sind das dritte Adventswochenende und die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester die umsatzstärksten Tage im Berliner Einzelhandel. „Das gilt ganz besonders für die zentralen Einkaufsstraßen und Passagen, da dürfte heute einiges an Bargeld zusammengekommen sein“, sagte der Manager eines nahe dem Tatort gelegenen Geschäftes.

In den vergangenen Jahren hat es in Berlin etliche Überfälle auf Geldtransporter gegeben. Zwei der Fälle sind besonders in Erinnerung, weil dabei Tote zu beklagen waren – im Jahr 2006 bei einem Sparkassenüberfall in Hellersdorf und 2007 vor einer Volksbankfiliale in Reinickendorf.

Foto: Steffen Pletl