Immobilien

Landeseigene Berlinovo baut Schuldenberg ab

Die Berlinovo und die 24 Fondsgesellschaften haben nunmehr 2,8 Milliarden Euro Schulden. In den nächsten Jahren sollen nur noch 14.000 Berliner Wohnungen im Bestand der Gesellschaft bleiben.

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Es kommt sicher nicht häufig vor, dass sich ein Aufsichtsrat darüber freut, wenn die Gesamtverschuldung 100 Prozent des Unternehmenswertes beträgt. Doch im Falle der landeseigenen Berlinovo, in der die verlustbringenden Immobilien der früheren Berliner Immobilien-Holding (BIH) verwaltet werden, ist diese Nachricht schon eine echte Erfolgsmeldung:

„Schließlich hat der Schuldenstand noch im Jahr 2009 bei 130 Prozent gelegen“, so Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD), der in seiner Funktion als Berlinovo-Aufsichtsratsvorsitzender am Mittwoch den Geschäftsbericht des Unternehmens vorlegte.

Die Berlinovo und die 24 Fondsgesellschaften, an denen das Land Berlin mittlerweile rund 98 Prozent der Anteile hält, konnten die Nettoverschuldung des Unternehmens im vergangenen Jahr von rund 3,4 Milliarden Euro um 528 Millionen Euro auf nunmehr 2,8 Milliarden Euro senken. Diese positive Entwicklung sei im Wesentlichen durch die wirtschaftliche Neuausrichtung des Unternehmens erzielt worden, erklärte der Finanzsenator.

Letztes Kapitel des Berliner Bankenskandals

„Während es früher nur darum ging, die Immobilienbestände möglichst schnell zu verkaufen, sei die Berlinovo nun als „normales Immobilienunternehmen“ am Markt aktiv. „Die Berlinovo ist nicht einfach nur die umgetaufte frühere Berliner Immobilien-Holding, sondern ein echtes Immobilienunternehmen“, sagte Nußbaum.

Der Finanzsenator hofft, durch die Verkäufe der Immobilienbestände außerhalb Berlins das letzte Kapitel des Berliner Bankenskandals in absehbarer Zeit endgültig abschließen zu können. Zur Erinnerung: Den Fastzusammenbruch der Bankgesellschaft hatte das Land Berlin 2001 nur abwenden können, indem es sich für eine maximale Schadenssumme von 21,6 Milliarden Euro verbürgte, um die Bank zu retten.

In der Berlinovo sind die Immobilien aus der damaligen Bankgesellschaft geparkt. Rund 41.000 Mieteinheiten, darunter 31.000 Wohnungen, aber auch Altenheime, Baumärkte oder Einkaufszentren, gehören zum Bestand. In zehn Jahren sollen davon möglichst nur noch die 14.000 Berliner Wohnungen übrig bleiben, so das Ziel. Damit soll der Schuldenstand auf etwa 50 Prozent zurückgefahren werden.

Leerstandsquote der Wohnungen beträgt nur 1,3 Prozent

In Berlin bewirtschaftet die Berlinovo hauptsächlich Wohngebäude in einfacher Lage außerhalb des S-Bahn-Ringes, darunter zahlreiche in der Spandauer Wasserstadt. Der durchschnittliche Mietpreis lag nach Angaben des Berlinovo-Geschäftsführers Roland Stauber im Jahr 2012 bei 5,52 Euro pro Quadratmeter (kalt). Neumieter zahlen durchschnittlich 6.45 Euro. Die früher enormen Leerstände sind Vergangenheit. Derzeit betrage die Leerstandsquote in den Wohnimmobilien nur 1,3 Prozent.

Mit der Neuausrichtung der im Juli 2012 gegründeten Berlinovo ist das Unternehmen faktisch die siebte kommunale Wohnungsgesellschaft Berlins. Nußbaum verteidigte deren Notwendigkeit: Es sei mittelfristig nicht möglich, die Berlinovo-Bestände auf die anderen landeseigenen Wohnungsunternehmen zu verteilen. Denn noch immer gibt es rund 1500 Fondszeichner, die sich weigern, ihre mit Mietgarantien ausgestatteten Anteile an das Land zu veräußern.