Blumen

Was die Berliner Bezirke in diesem Frühling pflanzen

Viele Berliner Bezirke sorgen dafür, dass es in den Anlagen wieder sprießt. Mitte lässt sich die Blütenpracht in diesem Jahr sponsern. Friedrichshain-Kreuzberg fehlt das Geld für eine Neubepflanzung.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Jetzt blühen sie endlich: Tausendschön, Vergissmeinnicht, Hyazinthen, Primeln, Hornveilchen, Goldlack – die ganze Palette der Frühlingsblumen steht zur Auswahl. Viele Berliner bepflanzen ihre Gärten und Balkonkästen.

Und trotz des verspäteten Frühlingsbeginns haben auch die Berliner Bezirke ihre Parks und Grünstreifen wieder verschönert. Einige Bezirke wie Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg allerdings verzichten aus Geldmangel darauf. Und Mitte hat Glück. Dort lässt sich das Bezirksamt die Blumenpracht sponsern.

Die Berliner Morgenpost mit einem Überblick:

Charlottenburg-Wilmersdorf

Berlins letzte noch verbliebene Bezirksgärtnerei am Königsweg in Grunewald hat 170.000 Frühlingsblumen produziert. 73.000 davon werden im Bezirk gepflanzt. Nach Auskunft von Stadtrat Marc Schulte (SPD) insbesondere im Lietzenseepark, auf den Friedhöfen in Beeten, Schalen und auf Ehrengräbern, auf dem Ernst-Reuter-Platz, dem Steinplatz, dem Prager Platz, dem Ludwigkirchplatz, im Volkspark Wilmersdorf, auf dem Berkaer Platz vor dem Rathaus Schmargendorf und auf dem Rüdesheimer Platz. Die restliche Ware des bezirklichen Ausbildungsbetriebs bezogen Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg und Spandau. Dieses Jahr war die Ware wegen der Frühjahrsverzögerung laut Schulte günstiger als in den Vorjahren. Pro Topf seien durchschnittlich 35 bis 40 Cent berechnet worden. Auf dem Mittelstreifen des Kurfürstendamms wurden auch dieses Jahr keine Frühlingsblumen gepflanzt. Dort sollen die im Herbst gesetzten 30.000 Zwiebeln – Krokusse, Narzissen und Tulpen – auf dem Mittelstreifen für Farbenpracht sorgen.

Friedrichshain-Kreuzberg

Der Bezirk hat schon lange kein Geld mehr für eine frühlingshafte Neubepflanzung. Schließlich ist auch die Parkreinigung bereits komplett an Fremdfirmen vergeben. Ein bisschen Frühlings-Blumenschmuck gibt es dennoch. Das Bezirksamt setzt auf die mehrjährigen Blumenzwiebeln, deren Triebe in den Grünanlagen, auf den Mittelstreifen wie auf der Karl-Marx-Allee oder im Hof des Rathauses Kreuzberg trotz aller Widrigkeiten jedes Jahr zum Licht streben. Viele Zwiebeln stammen noch aus der Mitte der 80er-Jahre, als Bundesgartenschau und das „750 Jahre Berlin“ gefeiert wurden. Seitdem regenerieren und vermehren sie sich ohne großes Zutun. Stadtrat Hans Panhoff (Grüne) will auch nicht zu Blumenspenden aufrufen, da die Pflanzung durch eigene Mitarbeiter schon aus Kapazitätsgründen nicht gewährleistet werden könne. Der Etat reiche ja noch nicht einmal für die Straßenbäume und die Spielplätze, sagt er. Im nächsten Jahr werde der Bezirk aber mit seinen Gärtnern eine Zwiebelspende der BVG unterstützen, mit der der Mittelstreifen der Frankfurter Allee nach dem Abschluss der U-Bahn-Bauarbeiten im Herbst 2013 fürs Frühjahr verschönert werden soll.

Lichtenberg

Exakt 22.155 Stück Frühblüher – hauptsächlich Stiefmütterchen, aber auch Hyazinthen, Tulpen und Primeln – sollen den Bezirk verschönern. Der Blumenschmuck kostet exakt 10.827,20 Euro. Besonders attraktives Beispiel für die Bepflanzung ist das Beet am Fischerbrunnen an der Frankfurter Allee, Ecke Möllendorffstraße. Auch der Eingang zum Fennpfuhlpark an der Landsberger Allee, Höhe Weißenseer Weg, und die Ribnitzer Straße vor dem Zugang zum S-Bahnhof Wartenberg sind leuchtende Beispiele der Frühjahrsbepflanzung. Stadtrat Wilfried Nünthel (CDU) hat vor dem S-Bahnhof eigenhändig die ersten Frühblüher gepflanzt.

Marzahn-Hellersdorf

Obwohl der Bezirk bis 2020 zehn Prozent seines Personals – rund 175 Stellen – einsparen muss, soll es auch dort erblühen, wie Stadtrat Christian Gräff (CDU) versichert. Das Konzept sei, wenigstens die besonderes schönen Orte im grünen Bezirk mit Frühlingsblumen zu bepflanzen. Das seien beispielsweise der Schlosspark Biesdorf und der Hochzeitspark an der Mehrower Allee in Marzahn. Allerdings würden in den kommenden Jahren auch bei den Gärtnern viele Stellen entfallen. Von den momentan noch 170 Gärtnern würden dann nur noch 70 da sein. Ein großer Teil gehe in Rente oder den vorzeitigen Ruhestand.

Mitte

Dank des Energiedienstleisters Vattenfall blüht es auf dem Pariser Platz auch in diesem Jahr. Der Konzern hatte auf den Hilferuf des Bezirks nach einem Blumensponsor für 2013 reagiert. 10.000 Stiefmütterchen leuchten bis Ende Mai vor dem Brandenburger Tor. Der Konzern spendete pro Läufer des Halbmarathons einen Euro, insgesamt 32.036 Euro. Damit werden die Frühjahrspflanzung, die Sommerblumen mit Pelargonien, Sonnenkraut und Begonien und die herbstliche Tulpenzwiebelpflanzung für ein farbenfrohes Frühjahr 2014 komplett gesponsert. Für die Luiseninsel im Großen Tiergarten hat sich der Regionaldirektor der Region Limburg in Holland bereiterklärt, die Sommerblumenpflanzung zu übernehmen, teilte Stadtrat Carsten Spallek (CDU) mit. Die Frühjahrsbepflanzung für die Luiseninsel habe die Bezirksgärtnerei Charlottenburg-Wilmersdorf kostenlos zur Verfügung gestellt.

Neukölln

Der Bezirk hat folgende Schwerpunkte für die Frühjahrsblüher gesetzt: Auf dem Rathausvorplatz sind 4500 Tulpen, Stiefmütterchen, Salbei, Vergissmeinnicht und andere Frühjahrsboten gepflanzt worden. Auch der Vorplatz Blaschkoallee am Standesamt wird mit 4500 Blumen verschönert. Am Schloss Britz sorgen rund 2700 Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht, rote Gänseblümchen und Ranunkeln für bunte Blumenpracht. Im Schulenburgpark und Körnerpark werden das 5400 Stiefmütterchen erledigen.

Pankow

Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) freut sich, dass wenigstens auf den Mittelstreifen wie der Greifswalder Straße Krokusse und Hornveilchen aus der Erde kriechen. Geld für Frühlingsblumen hat der Bezirk nämlich keins, wie er sagt. Und das schon seit Jahren. Etwa 750.000 Euro, nämlich drei Viertel seines Grünflächenetats, der insgesamt rund 1,4 Millionen Euro beträgt, geht nämlich für die Verkehrssicherungspflicht der zumeist altersschwachen Bäume drauf. Sie müssen kontrolliert, gepflegt und gegebenenfalls gefällt werden. Ein weiterer großer Brocken ist der Mauerpark. 100.000 Euro kostet den Bezirk die jährliche Reinigung, davon macht alleine die Montagsreinigung 65.000 Euro aus.

Auch für Pflege und Wartung der 245 Spielplätze hat Pankow nicht genug Geld. Zehn sind bereits gesperrt wegen kaputter Geräte, verfaulter Fundamente oder Rattenbefalls. Kirchner rechnet damit, dass in diesem Jahr zehn weitere dazukommen. Der Sanierungsbedarf allein für die zehn aktuellen defekten Plätze beträgt 280.000 Euro. „So leid mir das mit den Blumen tut, aber die Verkehrssicherung und -sicherheit geht vor“, sagt Kirchner. Umso dankbarer sei er angesichts des knappen Geldes, dass es auch in diesem Jahr wieder durch ehrenamtliches Engagement im Schlosspark in Buch und im Bürgerpark Pankow blüht. Mit jeweils 2000 Euro Spendengeld würden die Mitarbeiter des Grünflächenamtes dort die Rabatten bepflanzen.

Reinickendorf

In diesem Frühjahr werden im Bezirk 22.000 im Herbst gesteckte Tulpenzwiebeln in den Farben Rot und Gelb erblühen. Darüber hinaus hat das Gartenbauamt nach Auskunft von Stadtrat Martin Lambert (CDU) 20.000 Stiefmütterchen gepflanzt. Mitte Mai beginnt dann die Pflanzung von 19.000 Sommerblumen, bestehend aus 17 verschiedenen Arten. Insgesamt werden 32 Standorte im Bezirk mit Frühjahrs- und Sommerblumen bepflanzt. Tulpenzwiebeln stehen an 18 Standorten. „Insgesamt wird sich Reinickendorf bis Oktober in einem Blütenmeer von 61.000 Blumen präsentieren. Alle Ortsteile, alle Plätze werden versorgt“, sagt Lambert. Rund 20.000 Euro lässt sich der Bezirk die Blumenpracht kosten.

Spandau

In der Altstadt gibt zwei kleine Blumenbeete, die auch in diesem Jahr mit einer Wechselbepflanzung ausgestattet werden. Diese Beete werden einmal im Frühjahr und einmal im Sommer bepflanzt. Zunächst mit Stiefmütterchen, dann mit verschiedenen Sommerblumen. 2500 Euro kostet die Bepflanzung, teilt der Bezirk mit. Die Flächen und Kosten im Vergleich zu 2012 bleiben in etwa gleich. Von Pflanzenspenden bittet das Gartenamt abzusehen. Die Organisation, angefangen bei der Pflanzenbeschaffung bis zum Einpflanzen der Ware, sei für den Betrieb nicht mehr leistbar. Die Kosten der Pflanzenbeschaffung könnten vernachlässigt werden, das wirklich Teure sei die Unterhaltung der Rabatten.

Steglitz-Zehlendorf

Im Frühjahr und Herbst werden rund 30.000 Stiefmütterchen in den Grünanlagen und auf den Friedhöfen gepflanzt. Im Sommer folgen dann weitere 35.000 Blumen. Der Bezirk gibt rund 38.000 Euro für diese Wechselbepflanzung aus. Der Umfang hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr nicht verändert. Die zu bepflanzenden Flächen wurden aber nach Auskunft der Behörde bereits vor mehreren Jahren reduziert. Das Grünflächenamt freut sich über bürgerschaftliches Engagement auch in diesem Bereich.

Tempelhof-Schöneberg

Die Bepflanzung hat sich verzögert, aber jetzt sind die Rabatten im Volkspark Mariendorf, auf dem Platz der Luftbrücke und dem Viktoria-Luise-Platz frühlingshaft bepflanzt worden. So wie in jedem Jahr. „Hauptsächlich lassen wir Goldlack und Stiefmütterchen pflanzen“, sagt Stadtrat Daniel Krüger (CDU). Die Gestaltung auf dem Viktoria-Luise-Platz, wo die Firma Wall zusammen mit Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) die Brunnensaison startete, ist sogar mit dem Landesdenkmalamt abgestimmt. 30.200 Pflanzen wurden auf den drei Plätzen gesetzt. Hinzu kommen 12.500 Blumenzwiebeln, die hauptsächlich in die Erde von Mittelstreifen gesteckt wurden und dort für Frühlingsgefühle sorgen sollen. Rund 31.000 Euro lässt sich der Bezirk laut Auskunft von Krüger die Frühlingsbepflanzung kosten.

Treptow-Köpenick

Wie bereits in den vergangenen Jahren wird es keine Extra-Frühjahrsbepflanzung geben. „Es ist schade, die meist Anfang April gepflanzten Blumen so schnell wieder herauszureißen, und es ist auch schade um das Geld. Wir fangen deshalb im Mai gleich mit der Sommerbepflanzung an“, sagt Ingrid Lehmann, Leiterin des Tiefbau- und Landschaftsplanungsamtes. 30.000 Euro lässt sich der Bezirk die Verschönerung kosten. Hauptsächlich werden die Beete im Treptower Park bepflanzt, aber auch kleinere Grünanlagen wie auf der Schlossinsel.