Nahverkehr

Neue Berliner U-Bahn-Züge bieten mehr Platz und Licht

Ab 2015 sollen bei der Berliner U-Bahn neue Züge zum Einsatz kommen. Fahrzeughersteller Stadler Rail hat ein erstes Design-Modell der neuen Baureihe IK bauen lassen.

Foto: Design: Büro Staubach

Etwas breiter, sichtbar heller und ansonsten im gewohnten BVG-Farben-Mix aus Sonnengelb, Schwarz, Weiß und Grau – so sehen die neuen U-Bahnen für Berlin aus. Der erste Zug der Baureihe IK wird allerdings erst Anfang 2015 über die Schienen rollen. Doch für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hat Fahrzeug-Hersteller Stadler Rail schon mal in den Filmstudios in Babelsberg aus Holz und Stahlrohren ein 1:1-Modell eines U-Bahn-Wagens bauen lassen.

Das sogenannte Mock-up wurde am Dienstag erstmals öffentlich präsentiert und wird Ende Mai im Rahmen des UITP-Kongresses in Genf dem internationalen Fachpublikum vorgestellt. „Für die BVG ist so ein Mock-up eine ganz wichtige Sache. Wir können frühzeitig mit unseren Mitarbeitern, aber auch mit Vertretern von Behinderten- und Fahrgastverbänden frühzeitig über Details der Innengestaltung sprechen“, sagte U-Bahn-Chef Hans-Christian Kaiser.

Insgesamt 26 neue Züge hat die BVG im Vorjahr bei Stadler bestellt, sie werden ab 2015 auf den sogenannten Kleinprofil-Linien U1 bis U4 zum Einsatz kommen.

Statt gepolsterter Sitze kommen Hartschalen

An grundlegende Neuerungen werden sich die Berliner dann nicht gewöhnen müssen. Im Innern präsentiert sich der IK-Wagen in dem aus der Vorgänger-Baureihe gewohnten Design. Bei den Sitzen kommen jedoch keine weichen, kunststoffbezogenen Polster mehr zum Einsatz, sondern ein Modell aus Plastik, das im vergangenen Jahr bei einer Abstimmung unter Fahrgästen den Sieg errungen hat.

Die mit dünnem Stoff bezogenen Hartschalen seien widerstandsfähiger gegen Vandalismus, leichter zu pflegen und werden von vielen Reisenden als angenehmer empfunden, begründet die BVG ihre Entscheidung für das neue Modell. Änderungen gibt es auch an der Anordnung der Sitze.

So wird es jeweils an den Wagenenden größere Mehrzweckbereiche mit Klappsitzen und Stehhilfen geben, um mehr Platz für Fahrgäste mit Kinderwagen und Fahrrädern sowie für Rollstühle zu bieten. Doch auch für alle anderen Reisenden soll die Fahrt bequemer werden, zum einen durch die Luftfederung der neuen Wagen, zum anderen durch mehr Kniefreiheit.

Auch in den neuen Zügen wird es keine Klimaanlage geben

Möglich wird letzteres durch einen gestalterischen Kniff – der Wagenkasten erhält eine Wölbung, durch die sogenannte Bombierung wird der Fahrgastraum in Sitzhöhe um zehn Zentimeter breiter als vorher. Eine Klimatisierung gibt es indes nur für den Fahrerstand, für Kühle und Wärme im Wagen sorgt wie beim Vorgänger eine Druckbelüftung und das klassische Klappfenster.

BVG-intern sei lange über den Einbau einer Klimaanlage diskutiert worden, sagte Kaiser. Aus ökonomischen, aber auch umweltpolitischen Gründen fiel am Ende die Entscheidung dagegen. So würde eine Klimaanlage den Energieverbrauch um bis zu 20 Prozent erhöhen und die Züge deutlich schwerer werden lassen.

Der neue aus vier Wagen bestehende IK-Zug wird jeweils 72 Sitzplätze haben, acht mehr als das Vorgängermodell HK. Anfang 2015 will Stadler zwei Prototypen liefern. Erfüllen die alle Ansprüche der BVG, kann der Schweizer Fahrzeughersteller weitere 24 Züge bauen. Die sollen dann 2017 und 2018 ausgeliefert werden und die bis zu 40 Jahre alten Wagen der Baureihe A3L71 ersetzen.

Die neuen U-Bahnen werden vom Land Berlin mit rund 158 Millionen Euro finanziert, jeder Zug kostet demnach rund sechs Millionen Euro. Die BVG hat sich vertraglich eine Option für den Kauf weiterer zehn Züge gesichert, deren Finanzierung ist bislang aber noch nicht geklärt.