Patentiere

Zoo Berlin plant neues Modell für Patenschaften

Paten von Murmeltieren hatten nur durch Zufall vom Tod ihrer Tiere erfahren. Der Zoo weist Vorwürfe der Leistungserschleichung zurück. Politiker kritisieren die stiefmütterliche Betreuung.

Foto: Markus Heine / dpa

Der Umgang des Zoos mit den Paten für Zootiere sorgt auch unter Landespolitikern für Kritik und Kopfschütteln. Wie berichtet hatte die Verwaltung Paten von Murmeltieren nicht über den Tod ihrer Patentiere informiert. Der SPD-Politiker Fréderic Verrycken, selbst mit seinen Kindern Stammgast im Zoo und mit einer Brillenbär-Patin befreundet, sagt, dass ein solches Verhalten „hochnotpeinlich“ sei und den „Managementcharakter eines Schlachthofes“ enthülle. „Ich glaube in der Tat, dass die Leitung von Zoo und Tierpark endlich mal versuchen muss, strukturierter zu arbeiten und sich klar zu machen, dass sie ein Dienstleister ist.“

Gerade Tierpaten – oft sind das Familien oder ältere Menschen – fühlten sich stark mit den Tieren verbunden und seien Paten geworden, um mehr Informationen über „ihr Tier“ zu bekommen. „Wenn sie nur durch Zufall erfahren, dass das Tier gar nicht mehr lebt, ist das doch wie ein Schlag ins Gesicht.“ Der Zoo lasse ausgerechnet seine treusten Besucher, die nicht nur Eintritt zahlten, sondern sich darüber hinaus mit finanzieller Unterstützung für das Unternehmen einsetzten, im Regen stehen, anstatt Einfühlungsvermögen aufzubringen und das Engagement zu belohnen.

Zoo weist Vorwurf der Leistungserschleichung zurück

Den Vorwurf der Leistungserschleichung weist der Zoo zurück. „Steuerrechtlich gesehen ist eine Patenschaft ist eine Spende an den Zoo Berlin, und für eine Spende gibt es keine Gegenleistung“, argumentiert Zoo-Kurator Heiner Klös. Es handele sich um eine Art virtuelle Patenschaft. „Das Geld kommt in einen großen Topf, davon werden Pflege und Futter bezahlt“, erklärt Klös und versichert: „Wir vergeben keine Patenschaften für Tiere, die nicht da sind, aber wir können eben nicht garantieren, dass das Tier die ganze Zeit der Patenschaft lebt.“

Andere besucherstarke Zoos wie die Stuttgarter Wilhelma oder der Zoo in Leipzig haben die Betreuung der Patenschaften an ihre Fördervereine abgegeben. Auch die Freunde von Zoo und Tierpark würden diese Aufgabe übernehmen. Der Förderverein kennt sich aus auf dem Gebiet: Für die Überholung von Stühlen aus dem Schloss Friedrichsfelde konnte der Verein knapp 100 Paten gewinnen, die pro Jahr 200 Euro zahlen. Zum Vergleich: Für das Aquarium Berlin soll es gerade mal 50 Paten geben. Im Jahr 2011 hatten Zoo und Aquarium zusammen 298 Paten, im Tierpark waren es 215.

Aufsichtsrat hat neues Patenschaftsmodell befürwortet

Zoo-Sprecherin Claudia Bienek erklärt, dass der Aufsichtsrat von Zoo und Tierpark jüngst einem neuen Konzept für Sponsoring und Fundraising zugestimmt habe, das ein neues Patenschaftsmodell beinhalte. Darin sei etwa durch eine Patenzeitung eine bessere Kommunikation vorgesehen, die auch vorsehe, Paten über den Tod ihres „Tieres“ zu informieren.

Patenschaften sind ab 50 Euro pro Jahr zu kaufen, die Grenze ist nach oben offen und kann etwa für ein Nashorn mehrere tausend Euro betragen. Die Murmeltier-Paten zahlen 200 Euro im Jahr, dafür erhalten sie – wie alle übrigen Paten auch – eine Urkunde, eine Führung hinter den Kulissen und die Einladung zum sommerlichen Patenabend im Zoo.

Auch der CDU-Abgeordnete Alexander J. Herrmann, sieht im Umgang des Zoos mit den Paten „Professionalisierungsbedarf“. „Diese Paten wurden stiefmütterlich behandelt“, so Herrmann weiter. Das halte er menschlich und unternehmerisch für falsch, schließlich ginge es bei Patenschaften auch um Verantwortung.

Doch davon am Murmeltiergehege im Zoo keine Spur: „Wir sind im Winterquartier“ steht am Donnerstagmittag den 18. April immer noch auf dem weißen Schild. Das ist glatt gelogen. Denn alle vier Murmeltiere sind tot, bekannt ist das intern seit dem 2. Januar 2013. Doch Besucher erfahren davon nichts. Man wolle einen Ansturm von Nachfragen verhindern, räumte ein Mitarbeiter ein. Dabei geht es nicht nur um die acht namentlich aufgeführten Murmeltierpaten, sondern auch um die zahlreichen Fans, die die putzigen Echten Erdhörnchen unter den Millionen von Zoo-Besuchern haben.

So kamen allein am Donnerstagmittag innerhalb von fünf Minuten mehrere Eltern mit Kindern extra an die – nicht mehr zeitgemäße – trichterförmige Anlage am Steinbockfelsen. „Die schlafen noch“, erklärte Pamela G. ihrer Tochter Lilly mit Blick auf die Informationstafel, die tatsächlich eine Desinformationstafel ist. Dass kein einziges der Tiere mehr lebt, davon hatte die Berlinerin nichts gewusst. „Man könnte doch wenigstens mitteilen, dass die Anlage nicht besetzt ist – so wie nebenan“, sagte die Mutter stirnrunzelnd.

Murmeltiere sprangen über 1,50 Meter hohe Außenwand – Anlage nicht mehr zeitgemäß

Das Nachbargehege war bis vor wenigen Jahren von einem Steppenmurmeltier bewohnt. Nach dessen Tod konnten die Alpenmurmeltiere es nutzen, aber nur für kurze Zeit. Denn die von einem Privatzüchter nahe Innsbruck stammenden Nager waren damals topfit und sprangen kurzerhand über die 1,5 Meter hohe Steinwand ins Freie, konnten aber von Zoo-Mitarbeitern wieder eingefangen werden.

Der Abgeordnete Herrmann hatte kürzlich schon die mangelnde Informationspolitik von Tierpark und Senat bezüglich des fehlerhaften Umgangs mit Fördermitteln im Tierpark kritisiert – ein 126.000 Euro schwerer Fall, der seitens des Aufsichtsrates von Zoo und Tierpark immer noch nicht restlos aufgeklärt wurde.

Herrmann wie Verrycken sind Mitglieder im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses. Das Gremium entscheidet über die Förderung des Tierparks, der mehrere Millionen Euro jährlich vom Land erhält und eine Tochter der Zoo AG ist. Die im Abgeordnetenhaus vertretenen Fraktionen verfassen derzeit einen Fragekatalog an Zoo und Tierpark, von dessen Beantwortung die künftige Förderung des Tierparks und seine konkurrenzfähige Umgestaltung abhängt.