Denkmalschutz

Berlins Gaslaternen für Kulturerbe-Preis nominiert

Der europäische Denkmalschutzverband hat Berlins Gasleuchten in die Endauswahl für seinen neuen Preis aufgenommen. Die Siegchancen stehen fifty-fifty. Doch viele Laternen sollen verschrottet werden.

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Der europäische Denkmalschutzverband Europa Nostra hat bei seinem Wettbewerb „7 Most Endangered 2013“ die Berliner Gaslaternen als einzige erfolgreiche deutsche Bewerbung für die Endauswahl vorgesehen. Das teilt der Verein „Denk mal an Berlin“ mit. Bei diesem 2013 erstmals stattfindenden Wettbewerb werden die sieben am meisten gefährdeten Kulturerbestätten Europas benannt, die anschließend mit Unterstützung der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg und der Entwicklungsbank vom Europarat in Straßburg gefördert werden.

Die Auswahl trafen laut Auskunft von Agnete von Specht, der Geschäftsführerin des Vereins „Denk mal an Berlin“, internationale Kulturexperten. Die endgültige Entscheidung werde am 16. Juni in Athen bei der Übergabe der von der EU und der Bank gestifteten Europäischen Kulturerbe-Preise bekannt gegeben. Eingebracht hat die Bewerbung der renommierte deutsche Denkmalschutzverein „Förderkreis Alte Kirchen e.V.“ in Marburg gemeinsam mit dem Berliner Verein „Gaslicht-Kultur“. In die Endrunde kamen 14 Bewerbungen.

Bis 2016 sollen 8000 Berliner Gasleuchten verschrottet werden

„Die Chance steht also mit fifty-fifty nicht schlecht. Wenn wir gewinnen sollten, ist die Denkmalwürdigkeit der Berliner Gasbeleuchtung international anerkannt. Das wird den Berliner Senat dann hoffentlich zu einem Umdenken veranlassen“, sagt von Specht. Berlin besitzt mit rund 42.000 Leuchten weltweit die größte Anzahl mit Gas betriebener Straßenlaternen.

Laut Lichtkonzept des Berliner Senats sollen von den historischen Leuchten lediglich knapp fünf Prozent erhalten bleiben. Zu wenig für Vereine und Bürgerinitiativen. Bis 2016 werden nach Planung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die ersten 8000 Gasleuchten verschrottet. Allein für den Austausch gegen Elektroleuchten rechnen die Behörden mit Kosten um die 30 Millionen Euro.

2013 werden Laternen in Dahlem und Charlottenburg umgerüstet

In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt der Umrüstung auf Dahlem und Charlottenburg.

„Straßenbeleuchtung ist nicht Teil unseres alltäglichen Bewusstseins. Wir werden sie erst vermissen, wenn sie abgerissen sind. Dann ist es zu spät“, sagt Schauspieler Ilja Richter, der sich seit längerem für den Erhalt des Gaslichts in seiner Heimatstadt stark macht: „Unser Einsatz hat nichts mit Nostalgie oder mit einer Vorliebe für schönes Licht zu tun. Die Gasleuchten sind Teil der Berliner Geschichte.“