Jubiläum

Berlin lädt die Welt zur großen Kennedy-Party ein

Der 50. Jahrestag des Besuchs John F. Kennedys in Berlin wird mit fast 60 Veranstaltungen begangen. Die Senatskanzlei sucht noch Zeitzeugen, die vom dem 26. Juni 1963 berichten können.

„Ich bin ein Berliner!“ Mit diesem einfachen, aber so bedeutungsvollen Satz am Ende seiner Rede vor dem Rathaus Schöneberg eroberte John F. Kennedy am 26. Juni 1963 die Herzen der Berliner. Die 50. Wiederkehr des Tages soll nun gebührend gefeiert werden. Bereits jetzt sind 56 Jubiläums-Veranstaltungen mit 21 Partnern an 19 Orten geplant.

„Und zwar in der ganzen Stadt, denn der Besuch des Präsidenten war nicht nur für die West-Berliner ein wichtiges Zeichen der Solidarität Amerikas. Auch für die Menschen in Ost-Berlin“, sagt Projektkoordinatorin Iris Lanz. Geplant sind Filmvorführungen, Vorträge, ein Schülerprogramm und moderierte Bustouren auf der Route, die Kennedy durch die Stadt führte.

Am Dienstagabend (30. April 2013) beginnt der Veranstaltungsreigen zu Ehren Kennedys mit der Eröffnung einer Fotoausstellung mit bislang unveröffentlichten Schwarz-Weiß-Bildern. Fotograf Ulrich Mack, damals 28 Jahre alt, hat sie geschossen. Mack begleitete Kennedy während seiner gesamten Deutschlandreise. Dabei musste er vor allem schnell sein.

Neue Fotos vom Kennedy-Besuch im Willy-Brandt-Haus

Deshalb hatte er sich gleich sechs Leicas mit unterschiedlichen Brennweiten um den Hals gehängt und in die Hosentasche gestopft. Die Negative des Reporters aus Hamburg, der neun Jahre lang für „Quick“, „Twen“ und „Stern“ arbeitete, lagerten jedoch in seinem Archiv. Erst angesichts des Jubiläums wurde der Schatz gehoben.

„Die Tage des Kennedy-Besuchs waren eine einzige Glücksphase, die ich erlebte, alle Leute mochten Kennedy, der war ungemein beliebt – am Ende der Tour sind wir aber alle zusammengebrochen. Und veröffentlicht worden sind nur sehr wenige Bilder“, sagt Mack bei der Vorstellung des Jubiläumsprogramms am Montag im Roten Rathaus.

Macks Fotos sind im Willy-Brandt-Haus an der Stresemannstraße 28 zu sehen. Die Eröffnung ist um 18.30 Uhr (Eintritt frei, Ausweis erforderlich). Dort ist auch sein neues Buch „Kennedy in Berlin. Die Deutschlandreise 1963“ erhältlich (29,80 Euro).

Kanzler Adenauer war zunächst gegen den Besuch in Berlin

Der 26. Juni 1963 war ein aufregender Tag für die Menschen in Berlin. Die Kinder in West-Berlin hatten schulfrei, viele waren auf der Straße, als John F. Kennedy auf dem Flughafen Tegel in der geteilten Stadt landete. Es war zwei Jahre nach dem Mauerbau, ein Jahr nach der Kuba-Krise, „eine Phase höchster Anspannung unter den beiden Supermächten, verkörpert durch Kennedy auf der einen Seite und Nikita Chruschtschow auf der anderen“, sagt Gundula Bavendamm, Direktorin des Alliierten Museums, das sich an den Jubiläums-Feierlichkeiten beteiligt.

An der Mauer standen frische Holzpodeste, auf denen dann auch Kennedy stand und rüber schaute nach Ost-Berlin, so wie viele Staatsoberhäupter nach ihm. Berlin war nach Köln und Bonn, Hanau, Wiesbaden und Frankfurt die letzte Station des dreitägigen Deutschland-Besuchs von John F. Kennedy.

Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU), auf dessen Einladung Kennedy Deutschland besuchte, sei zunächst gegen den Besuch Berlins gewesen. Er habe dem Regierenden Bürgermeister Willy Brandt (SPD) keine Bühne bieten wollen, sagt Gundula Bavendamm heute.

Zwei charismatische Politiker der jungen Generation

„Seit ihrem ersten Treffen 1961 im Weißen Haus hegten Willy Brandt, Regierender Bürgermeister von Berlin, und Präsident John F. Kennedy Sympathien füreinander. Beide waren charismatische Politiker der jungen Generation“, schreibt die „Bundeskanzler Willy Brandt Stiftung“, die sich an ihrem Sitz Unter den Linden ebenfalls an den Feierlichkeiten beteiligt.

Doch schließlich saß Konrad Adenauer am 26. Juni 1963 sogar an Willy Brandts Schreibtisch im Rathaus Schöneberg, während sich Kennedy im Nebenraum vor der Rede schnell ein frisches Oberhemd angezogen haben soll.

Zeitzeuge Ed Koch, damals 14 Jahre alt und heute Sprecher des Jugendamtes Tempelhof-Schöneberg, hat diese Anekdoten später mehrfach berichtet bekommen. Auch dass Adenauer am Tisch von Willy Brandt die „Wahrheit“ gelesen haben soll, die Zeitung der SEW, über die er sich amüsiert haben soll.

450.000 Menschen standen vor dem Schöneberger Rathaus

Ed Koch erinnert sich noch gut, dass er mitten in der Nacht aufgestanden war, um einen Platz vor dem Rathaus zu ergattern: „Ich stand vor der Bühne, vielleicht 20 Meter entfernt. Ich war extra acht Stunden vorher da, um einen guten Platz zu erhalten. Als ich ankam, waren die ersten zehn bis zwölf Reihen bereits besetzt.“

Weil Berliner Jungs aber auch schon damals clever waren, hatte er sich für fünf Mark einen Garten-Klappstuhl gekauft und ein Transistorradio mitgenommen. So konnte er verfolgen, wo sich Kennedy gerade auf seiner Tour aufhielt und alle um ihn herum auf dem Laufenden halten. Rund 450.000 Menschen sollen allein vor dem Rathaus Schöneberg gewesen sein, um den amerikanischen Präsidenten zu sehen.

Eine Million Berliner sollen die Straßen jubelnd und winkend gesäumt haben. Bei dem Fahrzeug, in dem Kennedy nur fünf Monate später in Dallas/Texas erschossen wurde, soll es sich um dasselbe gehandelt haben, mit dem Kennedy durch Berlin fuhr, ein Lincoln Continental.

Senatskanzlei hofft auf Besuch von Barack Obama

Dass Kennedy nicht vom Balkon des Rathauses gesprochen hat, wie es häufig erzählt wird, sondern auf einer extra für den Besuch aufgestellten hohen Bühne, weiß Koch noch genau. Die Bühne sei auch tiefer als der Balkon gewesen. Ein Mythos sei es auch, dass Kennedy jemals in dem heute nach ihm benannten Saal, der zum Balkon führt, gewesen sei.

Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer, berichtet, dass viele Ost-Berliner den Besuch damals bei der Rias-Übertragung im Radio verfolgt hätten. „Die Unterstützung Amerikas für West-Berlin bedeutete Frieden, es war eine Riesenhoffnung im Osten damit verbunden“, so Klausmeier.

Das komplette Veranstaltungsprogramm, das bis 29. Juni 2013 gilt, gibt es unter berlin.de/kennedy. Die Senatskanzlei hofft, so Sprecher Richard Meng, auf den Besuch Barack Obamas in Berlin. Dafür gebe es ein Zeitfenster rund um den G8-Gipfel am 17./18. Juni in Nordirland. Eine Bestätigung für einen Besuch des US-Präsidenten gebe es jedoch noch nicht.

Die Senatskanzlei sucht zudem noch Zeitzeugen. Sie können sich schriftlich melden: Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei II A, Jüdenstraße 1, 10178 Berlin.