Mordprozess

Verteidiger – Kein Zusammenhang mit Fall Burak B.

Weil ein 28-Jähriger aus Spandau Ärger mit seiner Freundin hatte, sitzt ein sechs Jahre jüngerer Mann jetzt im Rollstuhl. Seither gibt es Spekulationen über mögliche Zusammenhänge mit dem Fall Burak B.

Der Gastwirt Sebastian P. aus Spandau soll im Oktober vergangenen Jahres in Schöneberg zwei Schüsse auf eine Gruppe junger Männer abgeben und dabei sein 22-jähriges Opfer lebensgefährlich verletzt haben. Seit Mittwoch muss sich P. vor dem Landgericht Moabit wegen versuchten Mordes verantworten. Die Anklage wirft ihm Heimtücke vor.

Das Wochenende, an dem die Schüsse fielen, begann nicht gut für Sebastian P. Am Abend des 5. Oktober teilte ihm seine Freundin per Telefon kurz und bündig mit, sie habe keine Lust auf ein Treffen mit ihm. Frustriert und verärgert zog der 28-Jährige alleine los. In Schöneberg traf er mitten in der Nacht auf die Gruppe junger Männer, dabei soll er bereits einen Streit mit einem Mitglied dieser Gruppe angefangen haben. Die Auseinandersetzung war schnell beendet, ohne das jemand zu Schaden kam.

Ärzte schließen Querschnittlähmung nicht aus

Gegen 5 Uhr morgens trafen alle Beteiligten an der Hohenstaufenstraße erneut zusammen. Diesmal blieb es nicht bei verbalen Attacken. Diesmal soll P. plötzlich wie aus heiterem Himmel geschossen haben. Einmal schoss der 28-Jährige den Ermittlungen zufolge in die Luft, der zweite Schuss traf den 22-Jährigen. Die Kugel verletzte Lendenwirbel, Rückenmark und Aorta. Seither sind die Beine des jungen Mannes gelähmt, die Ärzte können eine Querschnittlähmung nicht ausschließen. Erst in der vergangenen Woche ist der 22-Jährige ein weiteres Mal operiert worden, wie viele Operationen noch folgen, kann niemand sagen.

Das Opfer ist an dem Prozess, der am Mittwoch begonnen hat, als Nebenkläger beteiligt, er lässt sich dabei von einem Anwalt vertreten. Ob er selbst als Zeuge aussagen kann, hängt nach Angaben seines Anwalts von der weiteren medizinischen Behandlung ab. Der Angeklagte seinerseits wird in jedem Fall aussagen, nach Auskunft seines Verteidigers am Mittwoch am nächsten Verhandlungstag in der kommenden Woche.

Am Rande des Prozesses äußerte sich der Verteidiger am Mittwoch auch zu Spekulationen über mögliche Zusammenhänge mit dem Fall Burak B. Der 22-Jährige war vor einem Jahr in Neukölln erschossen worden. Vor kurzem gab Sebastian P. das Versteck seiner im Oktober benutzten Waffe preis. Die wird jetzt von Kriminaltechnikern untersucht. Denn mit einer ähnlichen oder gar gleichartigen Waffe wurde auch Burak B. erschossen. Mit dieser Tat, so der Verteidiger, habe P. allerdings nichts zu tun. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.