Auktion

Historisches Holz aus dem Berliner Schloss wird versteigert

Für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses mussten die Jahrhunderte alten Gründungspfähle entfernt werden. Die rund 2000 Bohlen aus Kiefern- und Eichenholz werden noch bis Dienstag versteigert.

Foto: Massimo Rodari

Die berühmte „Holzauktion im Grunewald“ wurde vor mehr als 100 Jahren bereits in einem Berliner Gassenhauer besungen. Damals ging es um Brennholz, das anfiel, als Bäume für die ersten Villen-Neubauten im Grunewald gefällt wurden.

Am Sonntag begann eine auf drei Tage angesetzte Holzauktion im Hotel abba an der Lietzenburger Straße in Wilmersdorf. Im großen Saal wurde geschichtsträchtiges Holz versteigert – rund 2000 Pfähle und Bohlen in einem Alter zwischen 300 und 400 Jahren. Die Auktion geht bis Dienstag. Hans Peter Plettner, Geschäftsführer der Auktionsgesellschaft, sprach von einer „ungewöhnlichen Auktion geschichtsträchtiger Stücke.“

Bei dem Holz handelt es sich um die Gründungspfähle des Fundaments des Berliner Schlosses in Berlin-Mitte. Nun soll das wieder aufgebaut werden, die alten Stützen mussten dafür aus dem morastigen Boden entfernt werden. Moderne Baustoffe wie Beton und Eisen werden zur Fundamentabstützung genutzt. Kiefer und Eiche haben ausgedient.

Die Eichen wurden zwischen 1603 und 1605 gefällt

Das Holz sei von außergewöhnlicher Qualität, meint nicht nur Plettner. Holzexperte Peter Schumacher erklärte die gute Qualität damit, dass es mehrere Hundert Jahre von Wasser und Schlamm eingeschlossen war. „Holz fault nicht, wenn es unter Wasser ist“, sagte er.

Einer Expertise zufolge wurden die für den Bau benötigten Kiefernhölzer zwischen 1703 und 1707, die Eichen zwischen 1603 und 1605 gefällt. Pfähle und Bohlen sind zwischen 1,5 Meter und zehn Meter lang.

„Ich möchte keine großen Massen ersteigern“, sagte Möbeldesignerin Nicole Masseit zu Beginn der Auktion. „Mein Interesse liegt bei einzelnen Stücken aus Kiefer oder Eiche.“ Nach der Auktion zeigte sie sich zufrieden. Zwei bis drei Meter lange Eichenbohlen für 476 Euro das Stück hat sie ersteigert. „Wenn ich das Holz abhole, werde ich es erst in Ruhe begutachten und dann entscheiden, was ich daraus mache.“

Historisches Holz kann bis Dienstag ersteigert werden

Konkrete Pläne haben Claus und Sandra Schüttler mit ihrem ersteigerten Holz. Das Zahnarztehepaar aus Zehlendorf lässt derzeit ihre neue Praxis ausbauen. Die Eichenbohlen und Kieferpfähle sollen Verwendung beim Ausbau im Rezeptionsbereich der Praxis finden.

Für etwas mehr als 6000 Euro haben sie den Zuschlag erhalten. „Das lassen wir abholen und werden es dem Innenarchitekten zeigen“, sagen sie. „Dann beraten wir gemeinsam, wie wir unsere Praxis damit schick machen.“

Auch am Montag und Dienstag (22. und 23. April 2013) kann noch historisches Holz ersteigert werden. Die Auktion findet jeweils von 11 Uhr an im abba Berlin Hotel an der Lietzenburger Straße 89 statt.