Berlin-Mitte

Für Bau der Stadtschloss-Kuppel fehlen noch 15 Millionen

Bis Ende des Jahres muss die Summe vorliegen. Andernfalls wird statt der historischen Rekonstruktion nur eine schmucklose Version gebaut.

Foto: Humboldtforum/Franco Stella / dapd

Der Reichstag ohne Kuppel – für viele Berliner völlig unvorstellbar. Dabei war die Rekonstruktion der Kuppel in den 90er-Jahren gar nicht vorgesehen. Stararchitekt Norman Foster musste erst nachdrücklich gebeten werden, das Flachdach seines Reichstagsentwurfs gegen eine Kuppel auszutauschen. Die gläserne Kuppel lockt inzwischen jedes Jahr mehrere Hunderttausend Besucher aufs Dach, längst ist sie das Wahrzeichen der wiedervereinten Republik.

Nun droht auch dem größten Kulturbauprojekt nach der Wiedervereinigung ein schmuckloser Deckel. Denn in der vom Bundestag festgelegten Kostenobergrenze von 590 Millionen Euro ist die Schlosskuppel nur als modernes Zitat enthalten. „Wir brauchen spätestens bis Jahresende eine definitive Sponsorenzusage“, so der Vorstand der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum, Manfred Rettig.

Kommendes Jahr wäre es dafür schon zu spät. „Sonst wird die Kuppel nur in der reduzierten Form gebaut, warnte Rettig. 15 Millionen Euro allein für die historische Kuppel werden gebraucht –zusätzlich zu den 80 Millionen, die für die historischen Fassaden als Spenden aufgebracht werden müssen.

Löwen und Adler bevorzugt

Insgesamt, betonte Rettig am Dienstag, sei das Vorhaben der historischen Rekonstruktion jedoch auf einem guten Weg. Es seien inzwischen über den Förderverein Berliner Schloss 8,5 Millionen Euro an Spendeneinnahmen auf das Konto der Stiftung eingegangen. Sach- und Planungsleistungen im gleichen Wert seien zudem vom Förderverein bereits erbracht worden. Bei einem Rundgang durch die Schlossbauhütte am Askanierring in Spandau können sich Besucher nach vorheriger Anmeldung selbst ein Bild vom Fortschritt der Rekonstruktionsarbeiten machen.

In stabilen Stahlregalen der Bildhauerwerkstatt lagern dort Löwen, Adler und Widderköpfe, Genien und Hermen, Kapitelle und Konsolen in den unterschiedlichsten Bearbeitungsstufen: mal als Negativ-Form aus Silikon, als Gipsabguss, der dem Steinbildhauer als Vorlage für seine Arbeit dient, und mal als fertiges, tonnenschweres Fassadenelement aus sächsischem Sandstein.

Nach Auskunft von Schlossförderer Wilhelm von Boddien wurden durch die Spender bereits mehr als 1000 Löwenköpfe, die die Gesimse tragen, finanziert. Der Stückpreis beträgt laut Spendenliste je 2500 Euro. Aber auch die deutlich teureren 43 Adler im Fries des Hauptgesimses für rund 100.000 Euro oder gar die zwei Genien links und rechts des Portalbogens am Portal III für je 240.800 Euro haben Geldgeber gefunden. „Auch die Finanzierung der Großportale IV und I für je 4,3 Millionen Euro ist gesichert“, sagte Boddien.

2800 Bildhauerwerke für Fassaden

Vor zwei Jahren hat die Schlossbauhütte in den ehemaligen Alexander Barracks in Spandau ihre Arbeit aufgenommen. „Für die drei Schlossfassaden brauchen wir 2800 einzelne Bildhauerwerke, für die wir insgesamt 300 unterschiedliche Modelle herstellen müssen“, informierte der für die Rekonstruktion der Fassadenelemente zuständige Leiter der Schlossbauhütte, Bertold Just. Während manche Stücke Unikate sind, die lediglich einmal gefertigt werden müssten, diene etwa der schlichte Gipsabguss für die rund einen Meter hohen Baluster auf dem Dach als Vorlage für mehrere Hundert Sandstein-Arbeiten. „50 Prozent der Fassadenobjekte haben wir als Prototyp bereits fertig“, sagte Just. Die Arbeiten kämen gut voran.

Nach Auskunft seines Chefs Manfred Rettig könne es dennoch passieren, dass das den Kulturen der Welt gewidmete Humboldtforum eröffnet, wenn die Fassade noch nicht komplett fertig gestellt ist. Da die historische Fassade gänzlich aus Spenden finanziert werden müsse, könne es sein, dass einige Figuren auch erst nach der Eröffnung, die für 2019 geplant ist, in die Fassade integriert werden. Das Gebäude wird aber nicht nackt und unverkleidet auf dem Schloßplatz stehen“, versicherte Rettig. Genau davor hatten Kritiker des Bauvorhabens bereits vor Jahren gewarnt und vor einem „Betonschloss“ gesprochen.

„Die Sandsteinfassade wird auf jeden Fall in ihren wesentlichen Elementen fertig“, so der Stiftungs-Chef. Es gehe lediglich um einzelne Schmuckstücke, die man nachträglich anbringen könne. Allerdings sei dies, anders als bei der nachträglichen Kuppelverzierung, problemlos machbar. „Was uns im Moment wirklich unter den Nägeln brennt, ist die Kuppel“, betonte Rettig.

Damit das Schloss auch im Inneren in historischer Pracht erstrahlen kann, fehlen zudem noch sechs Millionen Euro für die Rekonstruktion des Innenportals III im Eosanderhof und weitere 4,5 Millionen für die Innenportale II und IV im Schlossforum. Soll auch noch das Dachrestaurant entstehen, müssen weitere drei Millionen aufgebracht werden. Neben den 80 Millionen für die Fassade macht das insgesamt 28,5 Millionen Euro, die noch von großzügigen Sponsoren aufgebracht werden müssen.

Kohlevorkommen entdeckt

„Es ist gut, dass sich der Förderverein erfolgreich um die Fassade kümmert“, sagte Rettig weiter. Allerdings gehe es dort eher um Kleinspender und „mittlere Summen“, die bevorzugt für „emotionale Bauteile“ wie den Fassadenschmuck bereit gestellt würden. Unternehmen und Privatspender, die zweistellige Millionensummen bereitstellen, würden sich dagegen meist direkt an die Stiftung wenden. „Deren Betreuung ist unsere Aufgabe“, so Rettig weiter. Nach Auskunft Rettigs gäbe es zur Finanzierung der Kuppel bereits „aussichtsreiche Gespräche“.

Insbesondere mit einem älteren Ehepaar, das in den vergangenen anderthalb Jahren bereits bereits 4,5 Millionen Euro gegeben habe, sei man in konkreten Verhandlungen. Rettig setzt aber auch auf bekannte deutsche Großunternehmen. „Ich bin optimistisch, dass wir auf der nächsten Stiftungsratssitzung im März einen Sponsor für die Kuppel präsentieren können“, sagte Rettig.

Viele Unternehmen würden jedoch zunächst abwarten, ob der Baustart auch wirklich erfolgt. Die Grundsteinlegung im Beisein der Bundeskanzlerin Angela Merkel ist für den 14. oder 15. Mai terminiert. „Danach wird der Spendenfluss deutlich zulegen“, zeigte sich Rettig zuversichtlich. Das habe etwa das Spendenaufkommen beim Bau der Dresdener Frauenkirche gezeigt. „Da ging es erst los, als der Bau sichtlich Formen angenommen hat.“

Bauarbeiten bereits im Gange

Auf dem Schloßplatz in Mitte sind indes die Anzeichen für den Baustart schon heute nicht mehr zu übersehen. Mit schwerem Gerät sind Bauarbeiter dabei, die Baugrube zu erstellen. Das Bauen im Urstromtal der Spree hat den Bauleuten dabei schon einige Überraschungen beschert. So wurden bei Bohrungen für die Schlossgründung nicht nur wie erwartet die historischen Holzpfähle entdeckt, die die Preußenresidenz bis zu ihrer Sprengung durch die DDR-Regierung im Jahr 1950 getragen hatten. Im sandigen Baugrund tauchen in unregelmäßigen Abständen immer wieder Kohlevorkommen auf.

Um die Dichtigkeit der Betonsohle, die in fünf Metern Tiefe die Schlosskeller vor dem Eindringen des Grundwassers schützen sollen, nicht zu gefährden, müssen diese jetzt entfernt werden. Dazu seien etwa 1000 zusätzliche Bohrungen nötig, sagte Rettig. Die Mehrkosten von etwa 450.000 Euro seien bereits eingeplant. Es werde auch keine Verzögerungen der Bauarbeiten geben. Die Vorkommen seien relativ gering: „Berlin wird kein Kohleabbaugebiet“, scherzte Rettig.

In den vergangenen Tagen hat das Bauvorhaben Humboldtforum eine weitere wichtige Hürde genommen. Den Auftrag für den Rohbau des Schlosses mit einem Volumen von rund 50 Millionen Euro erhielt am 1. Februar Hochtief. Laut Vertrag soll der Rohbau in der zweiten Jahreshälfte 2015 fertig sein.

In Hamburg ist Hochtief für den Bau der Elbphilharmonie zuständig. Das Projekt verzögerte sich bereits um Jahre. Die dortige Situation sei aber eine andere, betonte Rettig. Während Hochtief in Hamburg die Gesamtverantwortung trage, sei es in Berlin nur für ein Teilprojekt zuständig. „Hochtief hat ein Image zu verlieren“, sagte Rettig. Er gehe daher davon aus, dass das Unternehmen sich an den Zeitplan halte.