Metrobus M29

„Höllenbus“ M29 - Fahrer meldet sich auf Facebook

Die Buslinie M29 kommt meist verspätet und ist stark überfüllt. Über Facebook machen deshalb viele Fahrgäste ihrem Ärger Luft. Nun bittet ein Fahrer ebenfalls im sozialen Netzwerk um Verständnis.

Foto: Christian Schroth

Der neue Held in Berlins Bussen ist „Thommy“. Beruflich sitzt er ganz vorn im Doppeldecker auf Berlins berüchtigtster Buslinie. Der Metrobus M29 verbindet Neukölln und Grunewald und fährt tagsüber im Fünfminutentakt quer durch die Stadt – eigentlich. Meist aber kommt entweder sehr lange gar kein Bus oder es erscheinen gleich mehrere in Kolonne. Ein Phänomen, das im Winter einige Fahrgäste so sehr ärgerte, dass sie der Buslinie im Internetnetzwerk Facebook eine eigene Seite widmeten. „M29 – Bus der Hölle“ haben sie sie getauft. Darauf machen sie seitdem ihrem Ärger Luft. Über lange Wartezeiten, überfüllte Busse, schlecht gelaunte Fahrer. Aber es gab auch verständnisvolle Einträge.

Jetzt hat sich einer der Beschimpften selbst zu Wort gemeldet: „Thommy“, ein Busfahrer, der offenbar vielen Fahrgästen gut bekannt ist. Am Dienstagabend um kurz vor Mitternacht hat „Thommy“ ein Foto von sich gepostet und dazu geschrieben: „Hallo, ich bin Busfahrer, ich fahre oft den Bus M29 – und ich fahre ihn gern!“ Er hat versucht zu erklären, wie es zu jener „Pulkbildung“ kommt, die nicht nur die Fahrgäste nervt, sondern auch die Fahrer.

Wenn Busse wegen eines Staus oder anderer Einflüsse zu spät losführen, habe der vorderste Bus ein Problem: „Er muss viele Leute mitnehmen, da ja vorher eine Weile kein Bus gekommen ist. Dadurch kommt er natürlich nur langsam voran, und der folgende Bus, der nicht so viel Fahrgäste mitnehmen muss, läuft auf den andern auf! Und so weiter ... und so weiter ...“

„Thommy“ versucht, um Verständnis zu werben: „Kein Busfahrer kommt freiwillig zu spät! Das geht nämlich direkt von seiner Pause ab!“ Es folgen noch weitere Sätze mit Ausrufezeichen und dann die Bitte, als Fahrgast mitzuhelfen, dass die Busse pünktlicher werden. Ein Problem seien die Lichtschranken an den Türen, die viele Kunden übersehen. Wer darin steht oder auch nur seine Tasche ins Schrankenfeld hält, blockiert unwissentlich die Tür. Und der Bus kann nicht losfahren. „Gehen Sie besonders bei unseren Doppeldeckern von den Türen zurück, die Sensoren sind sehr sensibel!“ Ein anderes Problem sind die vielen in zweiter Reihe parkenden Autos, gerade in Kreuzberg. „Also: Bitte nicht dem Busfahrer die Schuld geben – schimpfen Sie auf die Autofahrer, die die Busspuren zuparken oder die gesamte Oranienstraße.“

Mut zur Ehrlichkeit

„Thommys“ Eintrag auf Facebook hat vielen gefallen. Binnen weniger Stunden hatten mehrere Hundert Facebook-Nutzer den „Gefällt mir“-Button geklickt – und viele haben auch etwas dazugeschrieben. Die einen forderten, die Lichtschranken in den Bussen abzuschaffen, andere, dass Polizei und Ordnungsamt auf den Straßen durchgreifen müssten. Die meisten aber schrieben anerkennende Sätze wie: „Mut zur Ehrlichkeit – es wird immer nörgelnde Fahrgäste geben, Thommy, lass sie reden!“ Oder auch: „Neulich hatte ich das Vergnügen mit einem humorvollen Busfahrer, vielleicht war es ja Thommy?“ Und eine Kundin bedankte sich bei den Fahrern, „die diese nervige Fahrerei durch Kreuzberg im Allgemeinen doch gelassen hinnehmen“.

Hundertmal am Tag darum zu bitten, die Türen frei zu machen, „das nervt keinen mehr als uns“, schreibt einer von Thommys Kollegen. Gerade im öffentlichen Nahverkehr gebe es eine Liste von Vorschriften und Sicherheitseinrichtungen, „aber diese werden nicht von der BVG erfunden, um die Fahrgäste – und auch uns – zu ärgern“. Und auch die Initiatoren der Facebook-Gruppe für den M29 meldeten sich zu Wort. Zwar haben sie den Namen „Bus der Hölle“ erfunden, der dem Bus viele Schlagzeilen einbrachte. Generell richte sich die Gruppe aber nicht gegen Busfahrer. Vielmehr sei die Seite als „kleine Selbsthilfegruppe“ gedacht, für genau solche Dialoge. „Danke für den kleinen Einblick und weiterhin gute Fahrt.“

BVG-Fahrer kommunizieren über Twitter mit den Kunden

„Thommy“ ist nicht der erste BVG-Fahrer, der über die sozialen Netzwerke mit seinen Gästen kommuniziert. Während der Fahrt selbst sind Gespräche zwischen Fahrern und Kunden schließlich verboten. Auch das gehört zu den Sicherheitsvorschriften. Auf dem Internetdienst Twitter aber geben Tram- und U-Bahn-Fahrer Informationen zu Staus und Verspätungen. Offizielle Mitteilungen sind dies jedoch nicht.

Einen Firmenauftritt auf Facebook und Twitter, wie ihn etwa die Deutsche Bahn hat, gibt es vonseiten der BVG nicht. Dies sei auch gar nicht gewollt, sagte Petra Reetz, Sprecherin der BVG. „Wir haben im Jahr eine Million Kunden, wir könnten es nicht bewältigen, alle Fragen zu beantworten.“ Dass sich nun BVG-Mitarbeiter auf Facebook persönlich ans Publikum wenden, überraschte das Unternehmen deshalb zunächst – man hatte es gar nicht mitbekommen. Grundsätzlich sehe man die Äußerungen aber gelassen, so Reetz: „Das finden wir richtig und auch sehr sympathisch, weil es einfach authentisch ist.“

So werden es wohl weiterhin die Fahrer selbst sein, die unter dem Hashtag #bvg auf Twitter oder auf Facebook Rede und Antwort stehen – in der Freizeit, denn auch das Twittern ist während der Fahrt aus Sicherheitsgründen verboten. Fahrer „Thommy“ hat sich auf der „Höllenbus“-Seite noch mal zu Wort gemeldet, auf den humorvollen Wunsch des Initiators hin. Der hatte in Anspielung auf die oft überfüllten Busse geschrieben: „Sicher fahren wir mal zusammen Bus. Und vielleicht können wir dann beide sitzen!“ „Thommy“ hat geantwortet: „Dann sieh zu, dass du im letzten Bus bist! Eventuell auf einem Sitzplatz! Kannst mich auch gerne grüßen, wenn ich vorne bin! Gruß Thommy.“