Friedrichshain

Senator Czaja will fünfte Babyklappe in Berlin einrichten

Weil das Vivantes-Klinikum im geburtenstarken Friedrichshain liegt und über eine Kinderklinik verfügt, soll dort eine Babyklappe entstehen. Die anderen Klappen liegen im Westen Berlins.

Foto: mah / picture alliance / dpa

In Babyklappen können Frauen in Notsituationen ihre Kinder nach der Geburt sicher ablegen. Die Einrichtungen sind nicht unumstritten. Kritiker monieren, dass diesen Kindern so die Chance genommen wird, später etwas über ihre Herkunft zu erfahren. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder favorisiert deshalb die „vertrauliche Geburt“. Danach bleiben die Daten der Mutter bis zum 16. Lebensjahr der Kinder unter Verschluss. Berlins Sozialsenator Mario Czaja (CDU) hält Babyklappen dennoch als niedrigschwelliges Hilfsangebot an Schwangere in extremen Notsituationen für unverzichtbar. Er möchte das Angebot in Berlin noch ausweiten.

Warum möchten Sie eine neue, fünfte Babyklappe in Berlin einrichten?

Mario Czaja: Die bestehenden vier Babywiegen liegen in den westlichen Bezirken und eher an den Stadträndern. Mit einem weiteren zentralen Angebot in Friedrichshain ist eine gute Erreichbarkeit auch für die östlichen Bezirke gewährleistet. Zudem kann mit einem Angebot in der Innenstadt dem Bedürfnis der Mütter nach Anonymität eventuell noch besser entsprochen werden.

An welchem Krankenhaus soll sie wann eingerichtet werden?

Am Vivantes-Klinikum im Friedrichshain. Vivantes hat bereits durch die Babywiege am Standort Neukölln Erfahrungen mit den Qualitätsrichtlinien und -anforderungen, die einzuhalten sind, und verfügt zudem mit seiner Kinderklinik und angeschlossener Frühchenstation über die geeignete und notwendige Infrastruktur. Darüber hinaus gehört Friedrichshain zu den geburtenstärksten Bezirken Berlins.

Wie viele Neugeborene wurden in den vergangenen zehn Jahren in den vorhandenen Babyklappen abgegeben?

Seit Bestehen der Babywiegen (2001) wurden 57 Neugeborene in einer Babywiege abgelegt. Das sind für diesen Zeitraum und in einer Großstadt wie Berlin glücklicherweise keine hohen Zahlen. Aber es zeigt sich, dass das Angebot doch immer wieder – und das über die Jahre hinweg konstant – gebraucht wird. Denn die Frauen, die auf die Möglichkeit der anonymen Kindsabgabe zurückgreifen, befinden sich immer in einer extremen Ausnahmesituation.

Bundesfamilienministerin Schröder (CDU) kritisiert an Babyklappen, dass sie das Recht der Kinder beschneiden, ihre Herkunft zu erfahren. Teilen Sie diese Kritik?

Aus meiner Sicht ist es unsere Pflicht, alles dafür zu tun, dass Kinderleben gerettet werden können. Die Kritik von Frau Schröder bezieht sich vor allem auf die anonyme Geburt. Auch die werdenden Mütter, die sich für diesen Weg entscheiden, wären über die normalen Beratungseinrichtungen nicht erreichbar. Die Erfahrungen in Berlin zeigen aber, dass nur aufgrund der Niedrigschwelligkeit des Angebots in den letzten Jahren einige Hundert Frauen in Berlin in ihrer Not eine Klinik aufgesucht haben. Ich unterstütze daher zwar das Vorhaben der Bundesregierung, die Angebote zur Hilfe und Beratung für schwangere Frauen, die sich in einer Notlage befinden, öffentlich noch bekannter zu machen. Aber auch die Einrichtungen der Babyklappe und anonymen Geburt halte ich für geeignet, als sehr niedrigschwellige Möglichkeiten den Frauen zu helfen. Es ist ein komplementäres Angebot, das erhalten bleiben muss.