Raubmord

Mord an Klubbesitzer - Spuren führen ins Strichermilieu

Einer der beiden festgenommen Tatverdächtigen soll der Berliner Stricherszene angehören. Ob auch der ermordete Klubbesitzer derartige Dienste in Anspruch genommen hat, ist Gegenstand der Ermittlung.

Foto: Steffen Pletl

Die nach dem Mord an dem Klubbesitzer Joachim S. festgenommenen Verdächtigen bestreiten nach wie vor sämtliche Vorwürfe. Marek F. (28) und Metin M. (33) sind nach bisherigen Erkenntnissen der 5. Mordkommission dennoch dringend verdächtig, den 59-Jährigen zwischen dem 3. und 4. März dieses Jahres getötet und beraubt zu haben.

Die Ermittler sind sich sicher, dass das Opfer mindestens einen der mutmaßlichen Täter kannte und freiwillig in seine Wohnung an der Pfalzburger Straße in Wilmersdorf ließ.

Einige der Spuren, die die Ermittler verfolgen, führen direkt ins Berliner Strichermilieu. Zumindest Marek F. soll dieser Szene angehören. Unklar ist bislang allerdings, welche Rolle der wegen Raub und Erpressung vorbestrafte 28-Jährige in diesem Milieu spielte, es gibt offenbar Hinweise, dass F. sich unter anderem um die Vermittlung von Callboys kümmerte. Ob auch das Opfer derartige Dienste in Anspruch genommen hat, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Joachim S. wäre nicht der Erste, den seine Beziehungen zum Strichermilieu das Leben kostete. Allein in den vergangenen zweieinhalb Jahren registrierte das Berliner Landeskriminalamt (LKA) ein halbes Dutzend Morde in der Szene.

Hohe Zahl von Raubmorden durch Stricher in Berlin

Allein zwischen Ende September und Mitte November 2011 wurden drei Männer Opfer von Raubmorden. In Wilmersdorf wurde ein 81-Jähriger tot in seiner Wohnung aufgefunden. Der Senior hatte ständig wechselnde Männerbesuche.

In Tempelhof entdeckten Passanten die an Händen und Füßen gefesselte Leiche eines 36-Jährigen, die Spuren führten schnell ins Strichermilieu. Und in Prenzlauer Berg lag ein 42 Jahre alter Basketballtrainer blutend und bewusstlos in der Badewanne seiner Wohnung. Er starb kurz darauf im Krankenhaus. Auch in diesem Fall richtete sich der Verdacht schnell auf einen Stricher, zu dessen Stammkunden der 42-Jährige zählte.

Zwei weitere Fälle sorgten ganz besonders für Schlagzeilen. Am 1. März 2011 wurde der homosexuelle Klaus J. (58), ehemaliger Solotänzer am Friedrichstadtpalast, in seiner Wohnung mit einer Drahtschlinge um den Hals tot aufgefunden.

Zusammenarbeit mit kriminellen Banden

Und im Dezember 2010 nahm die Polizei in Kreuzberg einen 32 Jahre alten Stricher fest, nachdem dieser kurz zuvor seinen Stammkunden, einen 62 Jahre alten Ministerialbeamten, erwürgt hatte. Bis heue ungeklärt ist der Tod eine Kellners, der 2008 in Charlottenburg ermordet wurde, auch ihm wurden regelmäßige Kontakte in die Szene nachgesagt.

Zu der hohen Zahl von Raubmorden durch Stricher in Berlin kommt noch die um ein Vielfaches höhere Anzahl von reinen Raubtaten. Opfer sind zumeist wohlhabende Freier, die Stricher in ihren Wohnungen empfangen. Viele der Männer, die in diesem Milieu ihre Dienste anbieten, haben es nicht nur auf den „Liebeslohn“, sondern zugleich auch auf lohnende Beute abgesehen.

Andere Stricher, meist aus Ost- und Südosteuropa, arbeiten mit kriminellen Banden zusammen oder sind feste Mitglieder dieser Gruppen. Ihre Aufgabe ist es, geeignete Objekte für Raubüberfälle und Einbrüche auszukundschaften.

Erste Hinweise auf gestohlene Uhren

Auch der erfolgreiche Klubbetreiber Joachim S. lebte offensichtlich in einer luxuriös ausgestatteten Wohnung. Aus der sind nach Erkenntnissen etliche Wertgegenstände verschwunden, darunter mehrere hochwertige Uhren.

Die 5. Mordkommission hat Fotos solcher Uhren ins Internet gestellt und über die Medien veröffentlicht in der Hoffnung, über Hinweise zu deren Verbleib weitere Beweise zu dem Mord zu erhalten. Bis Dienstag gingen zwei Hinweise ein, denen die Beamten jetzt nachgehen.