Raubmord

Mord an Klubbesitzer - Verdächtige leugnen die Tat

Die beiden Tatverdächtigen im Mordfall Joachim S. sollen den Promi-Klubbesitzer ausgeraubt und mit mehreren Messerstichen getötet haben. Die Polizei hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Foto: Steffen Pletl

Trotz der schnellen Festnahme von zwei Tatverdächtigen im Mordfall Joachim S. dauern die Ermittlungen der 5. Mordkommission und der Staatsanwaltschaft unvermindert an. Denn die bereits am Montag vergangener Woche in Schöneberg festgenommenen 28 und 33 Jahre alten Männer haben in den anschließenden Vernehmungen gegenüber den Kriminalbeamten eine Tatbeteiligung bestritten. Wie berichtet, war Joachim S. am 5. März in Wilmersdorf von seiner Putzfrau erstochen in der Badewanne seiner Wohnung entdeckt worden. Den beiden Verdächtigen wird vorgeworfen, den 59-Jährigen bereits zwei Tage zuvor in der Wohnung an der Pfalzburger Straße getötet und beraubt zu haben.

Weil die beiden Männer dies bestreiten, hat die Polizei am Montag Fotos von wertvollen Uhren veröffentlicht, die aus dem Besitz des Opfers stammen und deren Verbleib bislang nicht geklärt werden konnte. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter nach dem Raubmord versucht haben, die teuren Wertgegenstände zu verkaufen.

Der Tod des Klubbesitzers hatte große Bestürzung ausgelöst und war tagelang Stadtgespräch in Berlin. Seine Putzfrau hatte einen Schlüssel zu seiner Wohnung und machte am Vormittag des 5.März kurz nach zehn Uhr eine furchtbare Entdeckung. Im Badezimmer war alles voller Blut, der 59-Jährige lag, von Messerstichen im Oberkörper furchtbar zugerichtet, in der Wanne. Zu diesem Zeitpunkt war Joachim S. wahrscheinlich schon knapp zwei Tage tot. Wasser aus dem Badezimmer war bereits in die darunter liegende Wohnung gesickert. Überdies bot die luxuriös eingerichtete Wohnung ein Bild der Verwüstung, die Täter hatten bei der Suche nach wertvollen Beutestücken buchstäblich alles auf den Kopf gestellt.

Verdächtige sind polizeibekannt

Die Szenerie ließ die zuerst eintreffenden Polizisten schon vermuten, dass es sich um einen Raubmord handeln muss. Die Obduktion des Toten hatte ergeben, dass Joachim S. an den Folgen der schweren Verletzungen durch Messerstiche gestorben ist. Die intensiven Ermittlungen und die Auswertung von Mobilfunkdaten führten die Fahnder der Mordkommission schließlich auf die Spur von zwei Männern, die in der Stricherszene bekannt sein sollen.

Bei den beiden Tatverdächtigen soll es sich nach Morgenpost-Informationen um den 28 Jahre alten Marek F. und den 33 Jahre alten Metin M. handeln. Der polnische Staatsbürger Marek F. soll der Stricherszene angehören und ist der Polizei wegen verschiedener Delikte bereits bekannt. Gegen den in Berlin geborenen Metin M. lag bereits ein Haftbefehl in einer anderen Sache vor. Der 33-Jährige soll sich einer Vollstreckungshaft im Zusammenhang mit einer Geldstrafe entzogen haben.

Festnahme an der Kurfürstenstraße

Vor einer Woche, am 18.März, konnten die beiden Männer von Zielfahndern in einer Autovermietung an der Kürfürstenstraße aufgespürt und noch an Ort und Stelle festgenommen werden. Die Festnahme war aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst nicht öffentlich gemacht worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde zunächst nur gegen Marek F. ein Haftbefehl wegen Mordes erwirkt und die Überstellung in ein Untersuchungsgefängnis angeordnet. Im Verlauf der weiteren Ermittlungen erhärtete sich dann der Verdacht, dass Metin M. gemeinsam mit Marek F. das Verbrechen verübt haben dürfte. „Über den Erlass eines Haftbefehls gegen den 33-Jährigen, ebenfalls wegen Raubmordes aus Habgier, soll ein Richter am Dienstag entscheiden“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Montag.

Im Zuge der Ermittlungen interessiert sich die Polizei nun dafür, ob die Tatverdächtigen die erbeuteten Luxusuhren bereits zum Kauf angeboten haben. So fehlten nach der Tat in der Wohnung des Mordopfers unter anderem Uhren der Marken Daniel Roth, Cartier Santos Carree, Frank Müller (Geneve), Tudor Prince Chronograph und IWC (Schaffhausen) Aquatimer. Fotos dieser Uhren hat die Berliner Polizei auch auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Außerdem waren aus der Wohnung von Joachim S. Schmuckstücke und andere Wertsachen gestohlen worden.

Nach Angaben der Polizei soll sich Joachim S. mit einem der Tatverdächtigen für den 3.März in seiner Wohnung an der Pfalzburger Straße verabredet haben. Dabei hatte der 59-Jährige nach derzeitigem Stand der Ermittlungen seinem späteren Mörder selbst die Tür geöffnet. Die Beamten schließen auch nicht aus, dass der Täter während des Treffens seinen Komplizen unbemerkt in die Wohnung gelassen hat. Die Wohnung von Joachim S. verfügt über zwei Eingänge.

Chef einer Nobel-Disko

Joachim S. führte mehr als 28 Jahre lang die Geschäfte in einer Charlottenburger Nobel-Disko mit überdurchschnittlich hohem Promi-Faktor. Die Liste der Prominenten, die im 1984 eröffneten „First“ gesehen wurden, ist lang. Schauspieler wie Robert De Niro, Sylvester Stallone, Iris Berben, Otto Sander und Ben Becker gehören ebenso dazu wie Musiker, unter anderem Diana Ross, George Michael, David Garrett, Udo Jürgens und Udo Lindenberg.

Die Mordkommission stellt im Zusammenhang mit der Ermordung des Promi-Wirts folgende Fragen. Wem wurden nach dem 3.März von den Tatverdächtigen die gezeigten hochwertigen Uhren oder Schmuck und andere Wertgegenstände angeboten? Wer kann Hinweise auf den Verbleib der Uhren geben? Wer hat Marek F. oder Metin M. am 3.März gesehen? Hinweise nehmen die 5. Mordkommission, Keithstraße 30, Tiergarten, unter der Rufnummer 030–46 64–91 15 04 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.