Ein Toter bei Crash

Vier Behörden ermitteln nach Berliner Hubschrauber-Unglück

Neben der Staatsanwaltschaft untersuchen Mordkommission, Bundespolizei und Luftfahrtbundesamt den Absturz des Helikopters, bei dem der Pilot starb. Mit schnellen Ergebnissen ist aber nicht zu rechnen.

Einen Tag nach dem Hubschrauberabsturz am Olympiastadion hat auch die Berliner Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. Deren Sprecher Martin Steltner warnte am Freitag aber vor voreiligen Schlussfolgerungen. „Es gibt derzeit keinen konkreten Verdacht, wir prüfen lediglich, ob strafbare Handlungen vorliegen“, sagte der Justizsprecher.

Damit befassen sich nun vier Behörden mit dem tödlichen Unfall bei der Großübung der Bundespolizei am Donnerstag. Neben der Staatsanwaltschaft ist „routinemäßig“ eine Mordkommission der Berliner Polizei tätig geworden, die Bundespolizei hat eine eigene Ermittlungsgruppe gebildet, und auch das Luftfahrtbundesamt führt Untersuchungen zur Unfallursache durch.

Zwischenbericht zum Unglück für Mitte April geplant

Mit schnellen Ergebnissen ist allerdings nicht zu rechnen. Die Untersuchungen des Luftfahrtbundesamtes könnten Monate dauern, ein erster Zwischenbericht könne frühestens Mitte April vorgelegt werden, teilte die Behörde am Freitag mit. Auch die Befragung von Beamten, die selbst betroffen waren oder als Zeugen in Betracht kommen, dürfte einige Zeit in Anspruch nehmen.

Drei Beamte der Bundespolizei können vorerst überhaupt nicht befragt werden, sie trugen bei dem Unglück schwere Verletzungen davon. Eine Beamtin wurde dabei von einem umherfliegenden Teil eines Rotorblattes getroffen. Ihr Zustand war, wie es seitens der Polizei hieß, längere Zeit kritisch, bevor die Ärzte Entwarnung geben konnten. Die vierte Schwerverletzte ist nach Auskunft der Staatsanwaltschaft eine Journalistin, die die Übung aus der Nähe beobachtet hatte.

Verstorbener Pilot hinterlässt Frau und vier Kinder

Der Zwischenfall bei der Landung dreier Transporthubschrauber hatte am Donnerstagvormittag einem Piloten das Leben gekostet. Der aus Mecklenburg-Vorpommern stammende 37 Jahre alte Bundespolizist hinterlässt nach Informationen der Berliner Morgenpost eine Frau und vier kleine Kinder. Die Bundespolizei selbst machte zur Identität des getöteten Beamten keine Angaben.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat am Freitag die im Krankenhaus liegenden Verletzten besucht. Das teilte die Bundespolizei in Potsdam mit. Psychologen kümmern sich um die Angehörigen des getöteten Polizisten sowie um die drei Schwerverletzten. Nach dem Unglück wehten in den Dienststellen die Fahnen auf halbmast. Die Einsatzwagen fuhren mit Trauerflor, Beamte trugen sich in Kondolenzbücher ein.

Beamte übten Einsatz gegen Fußball-Hooligans

Die Hubschrauber hatten zum Zeitpunkt des Unglücks auf dem Maifeld Beamte einer Bundespolizei-Spezialeinheit an Bord. Aufgabe der Helikopterbesatzungen war es, Einsatzkräfte zu transportieren, in diesem Fall vom S-Bahnhof Olympiastadion zum Maifeld. Simuliert wurde bei der Übung ein Einsatz gegen Fußball-Hooligans. Beteiligt waren insgesamt mehr als 400 Beamte, ein Teil von ihnen war in die Rolle der Hooligans geschlüpft.

Zwei der drei Helikopter flogen dicht hintereinander, der erste konnte problemlos aufsetzen, die nachfolgende Maschine krachte im dichten Schneetreiben auf den bereits vor ihr gelandeten Hubschrauber. Dessen Pilot wurde durch den Aufprall in seiner Maschine eingeschlossen und war offenbar sofort tot. Geborgen werden konnte er wegen akuter Gefahren am Unfallort erst nach Stunden. Die Leiche wurde noch am Abend obduziert.

Am Tag nach dem Unglück zeichnete sich immer mehr ab, dass das ohnehin tragische Geschehen noch viel schlimmer hätte enden können. In den drei Maschinen befanden sich jeweils drei Mann Besatzung und insgesamt 36 Beamte der Spezialeinheit, zu deren Transport die Helikopter eingesetzt worden waren. „Es war wohl Glück im Unglück, dass die meisten Kollegen die schwer beschädigten Hubschrauber unverletzt verlassen konnten“, sagte ein Beamter am Freitag. Auch das aus einer der verunglückten Maschinen auslaufende Kerosin hätte offenbar jederzeit eine weitere Katastrophe auslösen können. Löschkräfte der Berliner Feuerwehr waren stundenlang damit beschäftigt, die auslaufende hochexplosive Flüssigkeit mit Schaum einzudämmen, um zu verhindern, dass sie sich entzündet.

Absturzursache noch unklar

Erst am Donnerstagabend konnten Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) die Unfallstelle räumen, die beiden völlig zerstörten Hubschrauber wurden auf Tiefladern abtransportiert. Die Experten des Luftfahrtbundesamtes werden sie in den nächsten Tagen weitgehend auseinanderbauen, um jedes einzelne Teil bei ihrer Suche nach der Unfallursache sorgfältig zu überprüfen.

Ungeachtet aller gerade erst angelaufenen Untersuchungen deutete auch am Freitag weiterhin vieles auf das schlechte Wetter als Unfallursache hin. Zu der Zeit des Einsatzes hatte es geschneit, bei der Landung der Maschinen wurden große Schneemengen durch die Rotorblätter aufgewirbelt. Dadurch war dem Piloten der letzten landenden Maschine offenbar vollkommen die Sicht auf das Geschehen unter ihm versperrt. Ob der Absturz dabei durch eine Kollision der Rotorblätter verursacht wurde, ist noch unklar und Gegenstand der Untersuchungen. Auch ein technischer Defekt ist derzeit noch nicht gänzlich ausgeschlossen.

Luftfahrt-Experten halte sich zurück

Wie schon am Donnerstag wurden auch einen Tag später nicht nur Fragen nach der Unfallursache, sondern auch nach der Notwendigkeit von Hubschrauberflügen bei extremen Witterungsbedingungen gestellt. Nach den Vertretern mehrerer Polizeigewerkschaften verteidigte am Freitag auch Peter Trapp (CDU), der Vorsitzende des Innenausschusses im Abgeordnetenhaus, den Einsatz der Hubschrauber. „Ein Polizeieinsatz kann bei jedem Wetter nötig sein und muss deshalb auch bei jedem Wetter geprobt werden.“

Experten hingegen waren zurückhaltend. „Wir werden uns nicht zu einem Vorgang äußern, über den wir keine genauen Kenntnisse haben“, sagte am Freitag ein Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit. Für Flugzeuge, insbesondere Verkehrsmaschinen, würden klare Regelungen gelten, bei Hubschraubern sei die Situation aufgrund zahlreicher Sonder- und Ausnahmegenehmigung hingegen eine gänzlich andere, erklärte der Cockpit-Experte.

Studien der Pilotenvereinigung zufolge gibt es für manche Hubschraubertypen Startbeschränkungen. Sie dürfen bei starkem Wind oder drohenden Turbulenzen nicht aufsteigen. Auch für die Piloten gilt nach den Cockpit-Kriterien, dass bei bestimmten Witterungsbedingungen Starts nur dann erfolgen sollten, wenn sie absolut notwendig sind. „Die letzte Entscheidung trifft allerdings im Einzelfall immer der Pilot“, hieß es bei Cockpit.