Prozess

Ex-Paar streitet sich vor Gericht um Bußgeldbescheide

Wo sind die „Knöllchen“ und wer hat sie versteckt? Mit dieser Frage musste sich das Amtsgericht Tiergarten befassen. Schnell war klar, dass der Streit offenbar Teil eines „Rosenkrieges“ ist.

Der angeklagte Mathias H. hat nach Ansicht der Staatsanwaltschaft 2011 über mehrere Monate hinweg knapp 90 an seine Lebensgefährtin adressierte Bußgeldbescheide und andere amtliche Schreiben heimlich verschwinden lassen.

Franziska P. sollte nicht erfahren, dass H. mit ihrem Pkw zahlreiche Verkehrsverstöße begangen hat, das soll laut Anklage das Motiv von H. gewesen sein. Urkundenunterdrückung nennt der Gesetztgeber solche Taten.

Ob und wie die Post verschwand, blieb auch am Ende des Prozesses am Dienstag unklar. Klar wurde hingegen schnell, dass der Streit um die Bußgeldbescheide offenbar Teil eines „Rosenkrieges“ ist, den sich das Paar seit seiner Trennung im vergangenen Jahr liefert.

Er habe zwar etliche Verkehrsverstöße begangen, aber nie einen Brief verschwinden lassen, beteuerte Betriebswirt H. Die Anzeige gegen ihn sei wohl eher „ein kleiner Racheakt meiner Ex“ weil er sich von ihr getrennt und kurz danach eine neue Beziehung begonnen habe.

Geldbuße von 700 Euro

H. habe die Post sehr wohl beiseite geschafft und ihr gar eine Erklärung unterschrieben mit der Zusage, die aufgelaufenen Geldbußen zu begleichen, sagte hingegen Medienfachwirtin Franziska P.

Das Schuldanerkenntnis müsse eine Fälschung sein, er habe keines unterschrieben, hielt H. wiederum dagegen. Zudem sehe er keine Veranlassung für weitere Zahlungen an die Ex, er habe ja schon einen Teil ihrer Kosten für diverse Fortbildungen übernommen.

Ihre Anzeige sei kein Racheakt gewesen, sondern erfolgt, weil er seine Zahlungsversprechen nicht eingehalten habe, gab nunmehr Franziska P. an. Aber das sei auch kein Wunder, H. sei pleite und ziehe daher von Frau zu Frau und von Wohnung zu Wohnung.

Alles falsch, die gemeinsame Wohnung sei seine gewesen. Und seine Ex-Freundin habe nach der Trennung eine seiner Dienstreisen genutzt, um sie leer zu räumen, erwiderte H.

Die Richterin mühte sich vergebens, das Durcheinander zu entwirren. Das Verfahren gegen H. wurde gegen Zahlung einer Geldbuße von 700 Euro eingestellt.

Im April 2013 trifft sich das Ex-Pärchen vor dem Zivilgericht wieder. Dann geht es erneut um die Post und darum, wer die Knöllchen bezahlt.