Prozessauftakt

Streit um Schlafplatz endete in Berlin beinahe tödlich

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Foto: ANDREAS MARKUS / Andreas Markus

Ein 67-Jähriger, der in Berlin-Steglitz ein Auto mit zwei Bekannten angezündet haben soll, sitzt wegen versuchten Mordes auf der Anklagebank.

Mit einem Streit um einen Schlafplatz muss sich seit Montag eine Schwurgerichtskammer am Landgericht Berlin-Moabit befassen. Die Auseinandersetzung dreier Männer im September 2012 hätte beinahe ein tödliches Ende genommen, deshalb sitzt ein 67-Jähriger jetzt wegen Mordversuchs und schwerer Brandstiftung auf der Anklagebank.

Jan M. kam im Herbst 2012 aus Polen nach Berlin und lernte hier zwei Landsleute kennen. Alle drei Männer hatten weder Arbeit noch einen festen Wohnsitz. Geschlafen wurde, wenn sich nicht zufällig mal eine günstigere Gelegenheit bot, in einem Pkw, der einem der Kumpel von Jan M. gehörte.

Am 29. September bot sich den Kollegen von M. so eine günstige Gelegenheit. Sie wollten bei einem Bekannten übernachten, M. hingegen wie gewohnt im Auto. Doch schon nach kurzer Zeit kamen die beiden Männer zurück, es kam zu einem Streit zwischen dem Trio, der damit endete, dass der 67-Jährige seinen Platz im Auto mit der Aufforderung „Geh` doch in die Büsche“ räumen musste.

Jan M. ging tatsächlich in die Büsche nahe dem Abstellplatz des Wagens unter einer Autobahnbrücke in Berlin-Steglitz. Dort fand er einen Karton mit Papier und beschloss offenbar, sich für das Verhalten seiner Bekannten zu rächen. Er zündete den Karton an und schob ihn unter das Fahrzeug. Kurz darauf stand der Wagen in Flammen, die Insassen konnten sich im letzten Moment ins Freie retten.

Widerspruch zwischen Aussagen nach der Tat und im Prozess

Die Brandstiftung gestand der 67-Jährige im Prozess, beteuerte jedoch, er habe seine Bekannten nur erschrecken wollen. Deshalb sei er nach der Brandstiftung auch am Tatort geblieben, um zur Not rechtzeitig einschreiten zu können.

In seiner ersten Vernehmung bei der Polizei hatte das noch ganz anders geklungen. Seine Bekannten seien „Schurken“, die ihn gar zu Diebstählen angestiftet hätten. Natürlich habe er beabsichtigt, sie zu töten, gab er damals an. „Ich wollte den Müll beseitigen, und die beiden sind Müll“, zitierte der Richter am Montag eine Aussage des Angeklagten aus dem Vernehmungsprotokoll.

Von den beiden Männern, denen M. nach dem Leben getrachtet haben soll, ist einer inzwischen untergetaucht. Der Zweite sitzt mittlerweile selbst in einer anderen Sache in Haft. Seine Aussagebereitschaft als Zeuge hielt sich am Montag allerdings in Grenzen. „Es gab Streit, es gab ein Feuer“, viel mehr kam von ihm nicht.

Zwei Verhandlungstage hat das Schwurgericht noch Zeit, herauszufinden, wie und warum es genau zu der Tat kam und ob der Angeklagte in Tötungsabsicht handelte.

Der Prozess wird fortgesetzt.

( hhn )