Bahnhof Köpenick

Bahn will im Berliner Südosten nicht mehr stoppen

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Markus Falkner und Sabine Flatau

Foto: Getty Images

Der Streit um Regionalbahnhof Köpenick geht in eine neue Runde: Dem geplanten Ausbau zur Regionalstation erteilte die Bahn nun eine Absage.

Der Berliner Südosten muss von 2016 an ohne Regionalbahnhof auskommen – zumindest, wenn es nach dem Willen der Deutschen Bahn geht. Die Züge sollen nach den Vorstellungen des Konzerns etwa 20 Kilometer ohne Halt – vom dann ausgebauten Ostkreuz bis Erkner – durch die Stadt rauschen. Dem seit Langem geplanten Ausbau des Bahnhofs Köpenick zur Regionalstation erteilte Arvid Kämmerer, Regionalleiter für Vertrieb und Fahrplan bei der Bahntochter DB Netz, jetzt eine klare Absage. Zum Ärger von Senat, Bezirk und Fahrgastverbänden. „Der Ausbau ist eine Forderung des Landes, aber aus Kapazitätsgründen sehen wir das momentan nicht“, sagte Kämmerer.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zeigte sich irritiert über die Äußerungen. „Wir haben eine Finanzierungszusage gegeben und gehen davon aus, dass sich die Bahn an ihre Zusagen hält“, sagte Behördensprecherin Petra Rohland. Der Ausbau in Köpenick sei Teil eines mit der Bahn vereinbarten Gesamt-Verkehrskonzeptes. „Einen Teil da einfach herauszulösen, geht nicht“, so Rohland.

Argumente der Bahn

Kämmerers Argumente: In Köpenick haltende Züge könnten für Stau auf der auch für den Güterverkehr wichtigen Ost-West-Strecke sorgen. Sie sei Teil des europäischen Güterverkehrskorridors Aachen-Kaunas. Auch würde ein zusätzlicher Stopp die Fahrzeiten der Regional-Expresszüge verlängern, was nicht gewünscht sei. Nach Bahnangaben geht es dabei um etwa drei bis vier Minuten. Außerdem, so der DB-Netz-Vertreter, sei ein Parallelverkehr zwischen S-Bahn und Regionalzügen nicht sinnvoll.

Vor allem letztere Gründe erzürnen die Befürworter des Regionalbahnhofs Köpenick. Während der Südosten quasi abgehängt wird, halten die Regionalzüge auf der nur etwa acht Kilometer langen Innenstadtstrecke vom Hauptbahnhof bis zum Ostkreuz nämlich fünf Mal. Hinzu kommen auf der westlichen Stadtbahntrasse die Bahnhöfe Zoologischer Garten und Charlottenburg. Auch dort fährt die S-Bahn bekanntlich parallel.

Bezirksstadtrat ist empört

„Das ist völlig inakzeptabel“, sagte der Baustadtrat von Treptow-Köpenick, Rainer Hölmer (SPD). „Es gibt eine klare Vereinbarung. Es hat auch viele Gespräche in der Vergangenheit gegeben.“ Allen Beteiligten sei klar gewesen, dass der Regionalbahnhof Köpenick gebaut werden soll. „Jetzt sich einseitig aus dem Projekt zurückzuziehen, das geht gar nicht.“ Das Problem mit den Güterzügen habe die Bahn bislang noch nicht zum Thema gemacht. „Dann muss man darüber reden.“ Und dass man beim Halt an einer Station Zeit verliere, sei „ein schlechter Witz“, so Hölmer. „Wenn man Reisende in den Zug steigen lässt, geht immer Zeit verloren. Sie können ja nicht reinfliegen.“ Die Bahn solle daran denken, so der Stadtrat, „für wen sie das macht – nämlich für ihre Kunden.“

Der Streit um den Bahnhof zieht sich schon über mehrere Jahre. In der ursprünglichen Planung wollte die Bahn selbst den Ausbau zur Regionalstation und sah große Fahrgastpotenziale. Im Dezember 2010 beschloss der Bund aber aus Kostengründen, den zuvor geplanten Ausbau der innerstädtischen Bahntrasse für eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde zu streichen. Damit platzte auch die Finanzierung des Ausbaus in Köpenick. Einziges Zugeständnis der Bahn: Bis das Ostkreuz im Jahr 2016 fertig ist, soll die marode Station Karlshorst in Betrieb bleiben.

„Wir haben ja die S-Bahn“

Das war dem Land aber nicht genug. 2011 kündigte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung an, den nach Schätzungen etwa fünf Millionen Euro teuren Ausbau in Köpenick möglicherweise selbst zu finanzieren. Noch im Sommer 2012 bestätigte Staatssekretär Christian Gaebler auf Anfrage der Grünen im Abgeordnetenhaus diese Absicht. Zwischen dem Land und der DB AG solle eine entsprechende Vereinbarung über Finanzierung und Realisierung geschlossen werden. Baubeginn sollte 2017, Inbetriebnahme 2019 sein. Schon damals hieß es vonseiten der Bahn, der Ausbau sei „verkehrstechnisch nicht unbedingt nötig“, sondern nur „eine zusätzliche Option“.

Selbst das gilt nach der Ankündigung von DB-Netz-Mann Kämmerer nun offenbar nicht mehr. Auf die Frage, ob die Züge künftig ohne Halt bis Erkner fahren sollen, sagte er: „Das ist auch gut so, da haben wir ja die S-Bahn.“ Für den Berliner Fahrgastverband Igeb zählt dieses Argument nicht. Die Anbindung an den Regionalverkehr sei – im Gegenteil – wichtig, um die stark genutzte S-Bahnlinie S3 im Südosten zu entlasten, sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Er hofft, dass sich das Land als Besteller und Bezahler von Verkehrsleistungen doch noch mit seiner Forderung durchsetzen kann. „Die Taktik der Bahn, einfach zu behaupten, das gehe nicht, darf nicht so ohne weiteres aufgehen“, sagte er.