Regionalverkehr

Jeder fünfte Zug in Berlin und Brandenburg kommt zu spät

Im Juli ist die Pünktlichkeitsrate im Regionalverkehr massiv eingebrochen. Zahlreiche Baustellen führen auch weiterhin zu Einschränkungen.

Foto: David Heerde

Fahrgäste im Regionalverkehr der Deutschen Bahn und ihrer privaten Konkurrenten erleben einen ärgerlichen Sommer. Im Juli ist die Pünktlichkeitsrate im Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg massiv eingebrochen. Das geht aus aktuellen Zahlen hervor, die der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) am Mittwoch veröffentlicht hat. Im vergangenen Monat fuhren demnach nur 82 Prozent aller Regionalzüge mit weniger als fünf Minuten Verspätung. Das ist der schlechteste Wert des laufenden Jahres. Gegenüber dem Vormonat (86,1 Prozent) sank die Pünktlichkeitsquote um mehr als vier Prozentpunkte. Auch im Vergleich zum Juli 2011 verschlechterten sich die Regionalbahnunternehmen deutlich. Damals lag die Quote der pünktlichen Züge in der Region noch bei 85,1 Prozent.

Am häufigsten trafen Verspätungen laut VBB die Fahrgäste auf den Regionalexpress-Linien RE2 (Wismar–Berlin–Cottbus), RE3 (Stralsund–Berlin–Elsterwerda), RE5 (Rostock/Stralsund–Berlin–Lutherstadt Wittenberg/Falkenberg) und RE10 (Leipzig–Falkenberg–Cottbus). In vielen Fällen waren Baustellen und dadurch bedingte eingleisige Abschnitte oder sogenannte „Langsamfahrstellen“ die Ursache. „Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass der Bund und die Deutsche Bahn in den Erhalt ihrer Infrastruktur investieren“, sagte VBB-Chef Hans-Werner Franz. „Offensichtlich kommt die DB Netz AG aber der Herausforderung nicht ausreichend nach, trotz Bautätigkeit auch pünktlich zu fahren.“ Bei der Erstellung der Baufahrpläne gebe es „dringenden Verbesserungsbedarf“, so Franz.

Beim RE2 kam es aber nach Angaben des Verkehrsverbundes auch zu Verspätungen wegen Engpässen im Bahnnetz. Weil die Bahnstrecke zwischen Berlin-Charlottenburg und Potsdam noch immer wegen Bauarbeiten gesperrt ist, fahren deutlich mehr Züge über den Bahnknoten Spandau. Dadurch komme es regelmäßig zu Konflikten zwischen Regional- und Fernverkehr, heißt es in der jetzt veröffentlichten VBB-Monatsbilanz. Ein Bahnsprecher bestätigte das. Auf der stark ausgelasteten Strecke bei Spandau habe im Zweifel der Fernverkehr Vorrang, sagte er. Als Hauptgrund für die häufigen Verspätungen nannte auch die Bahn die Vielzahl von Baustellen. Einschränkungen seien dabei manchmal unvermeidlich, so der Sprecher. „Schließlich müssen wir an den meisten Stellen unter dem rollenden Rad, also bei laufendem Verkehr bauen.“ Leicht verbessern konnte sich hingegen im Juli die Berliner S-Bahn. Ihr Pünktlichkeitswert stieg nach Berechnungen des VBB auf 92,8 Prozent (Juni 92,3 Prozent).

Bomben und Baustellen behindern Bahnverkehr

Bahnreisende in der Region müssen sich weiter auf erhebliche Einschränkungen einstellen. An diesem Donnerstag trifft es Fahrgäste des Regionalverkehrs in Richtung Ostsee und der Berliner S-Bahn. Von 15 bis voraussichtlich 20 Uhr können am Bahnhof Oranienburg keine Züge halten. Dort muss eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt werden, wie ein Bahnsprecher am Mittwoch bestätigte. Die S-Bahnlinie S1 endet und beginnt von 15 Uhr in Birkenwerder. Zwischen Birkenwerder und Borgsdorf fährt ein Pendelzug. Zwischen Borgsdorf und Oranienburg setzt die S-Bahn ersatzweise Busse ein, die aber nicht in Lehnitz halten. Die Regionalzüge der Linien RE5 und RB12 fahren von 15 bis 16.30 ohne Halt durch den Bahnhof Oranienburg. Von 16.30 Uhr an müssen Fahrgäste der RE5 zwischen Löwenberg und Birkenwerder in Busse umsteigen. Auch auf der RB12 fahren in diesem Zeitraum nur Busse zwischen Zehdenick und Birkenwerder. Die Regionalbahnen der RB20 fallen ab 15 Uhr zwischen Hennigsdorf und Oranienburg aus. Zwischen Birkenwerder und Hennigsdorf fahren Busse.

Am Wochenende sind Brückenbauarbeiten der Grund für eine weitere Streckensperrung im Norden Berlins. Von Freitag, 18 Uhr, bis zum frühen Montagmorgen ist die Fern- und Regionalbahnstrecke zwischen Gesundbrunnen und Bernau gesperrt. Betroffen sind der Regionalexpress RE3 sowie die Ausflugszüge nach Szczecin (Stettin) und Usedom. Die Züge zwischen Stralsund und Berlin werden umgeleitet. Die Züge der Ostdeutschen Eisenbahn (OE60) fahren nicht zwischen Lichtenberg und Bernau. Reisende müssen auf die S-Bahn oder andere Regionalverbindungen umsteigen.