East Side Gallery

So wollen Künstler den Mauer-Teilabriss noch verhindern

Mehr als 7000 Unterschriften kamen bislang gegen den Abriss der Berliner East Side Gallery zusammen. Weitere Aktionen sind in Planung.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berliner Künstler, Clubs und Bürgerinitiativen haben ein Bündnis „East Side Gallery retten“ gebildet. Sie protestieren dagegen, dass aus der 1,3 Kilometer langen Galerie in Friedrichshain Teile herausgebrochen werden sollen. „Uns geht es in erster Linie um den Erhalt der East Side Gallery und des einstigen Todesstreifens“, sagte Sascha Disselkamp, Eventveranstalter und Chef des Sage-Clubs, bei der Vorstellung des Bündnisses am Dienstag.

„Es darf nicht sein, dass auf dieser Fläche ein Hochhaus gebaut wird, und Menschen wohnen sollen.“ Dort habe die Mauer gestanden. „Das ist eine Mahnmal aus der Zeit des Kalten Krieges, das an die deutsche Teilung erinnert.“ Es sei der einzige, in dieser Länge erhaltene Rest der Mauer. Das Bündnis für die East Side Gallery hat eine Online-Petition unter www.change.org gestartet, mit bislang mehr als 7200 Unterschriften. Im Sommer soll es eine Großdemonstration geben. Weitere Aktionen werden vorbereitet.

Die einstige Hinterlandmauer an der Mühlenstraße soll durchbrochen werden, um eine weitere Zufahrt zu schaffen. Geplant ist, die Mauerteile hinter der Galerie wieder aufzubauen. Das Landesdenkmalamt hat zugestimmt. Die Zufahrt wird gebraucht, weil der Senat vorhat, die Brommybrücke über die Spree wieder neu zu bauen, als Steg für Fußgänger und Radfahrer. Die Verlängerung des Stegs soll bis zur Mühlenstraße führen. Vorgesehen sei ein 22 Meter breiter Durchbruch der East Side Gallery, sagte Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne). Das Unternehmen Living Bauhaus, das ein 63 Meter hohes Gebäude zwischen Galerie und Spreeufer errichten möchte, wolle im Frühjahr mit dem Bau beginnen. Zuvor sollen die Mauerteile herausgelöst und die Zufahrt geschaffen werden.

Investor hat Rechtsanspruch

Im Bebauungsplan sei die künftige Straße vom Brommysteg zur Mühlenstraße als öffentliche Straße ausgewiesen, so der Bürgermeister. Das Grundstück des Investors liege an dieser öffentliche Straße. Er habe verlangt, dass die Öffnung jetzt vorgenommen wird. „Wir werden das tun müssen“, sagte Schulz. „Der Investor hat einen Rechtsanspruch, weil er Anlieger am öffentlichen Straßenland ist.“

Neben dem Wohnturm ist ein Büro- und Geschäftshaus geplant, mit acht Geschossen. Auch dieses Grundstück soll eine Zufahrt bekommen. Deshalb muss eine schon bestehende Öffnung in der East Side Gallery verbreitert werden. „Von fünf auf etwa zehn bis zwölf Meter“, sagte Bürgermeister Schulz. Die Eigentümergemeinschaft, die das Haus bauen wolle, habe darauf bestanden. „Das Landesdenkmalamt hat uns unterstützt im Bemühen, diese weitere Öffnung zu verhindern“, so Schulz. Doch vor Gericht sei der Bezirk unterlegen.

Abriss ist eine „Zerstörung und Verfälschung“

Ein Künstler, dessen Bild aus der East Side Gallery herausgebrochen werden soll, ist der Maler Thierry Noir, der seit 31 Jahren in Berlin wohnt. Er sagte am Dienstag, die Bilder seien zum Symbol der Freiheit in Berlin und Europa geworden. Es gebe in Berlin die einzigartige Möglichkeit, 1,3 Kilometer Mauer, die eine tödliche Grenze war, zu erhalten. Auch Kani Alavi, Vorsitzender der Künstlerinitiative East Side Gallery, protestiert gegen den geplanten Durchbruch. „Das wird eine Zerstörung und eine Verfälschung, weil die Bilder aus der Galerie entfernt werden“, sagte Alavi. „Urheberrechte werden verletzt. Wir müssen verhindern, dass das passiert.“ Es gehe darum, den Ort authentisch zu erhalten. Alavi sagte, er wolle erreichen, dass die East Side Gallery ins Unesco-Welterbe aufgenommen werde.

Die Clubs und Initiativen hatten am Dienstag zum Pressgespräch auf dem ehemaligen Gelände des Clubs Oststrand einladen, wo das Hochhaus gebaut werden soll. Doch Living Bauhaus habe ein Hausverbot erteilt, sagte Robert Muschinski von der Initiativess „Mediaspree versenken“. Das Gespräch wurde auf den Gehweg an der Mühlenstraße verlegt.