Tagungen

Das Berliner Kongressgeschäft bricht im nächsten Jahr ein

Die Messe erwartet 2013 25 Prozent weniger Teilnehmer. Die Berliner Grünen kritisieren: Das Tauziehen um das ICC hat Kunden abgeschreckt.

Foto: Adam Berry / Getty Images

Das Kongressgeschäft der landeseigenen Messe Berlin GmbH bricht nach Jahren des Wachstums kräftig ein. Das Internationale Congress Centrum (ICC), über dessen Zukunft als Tagungsort lange gestritten worden war, wird im kommenden Jahr deutlich schlechter gebucht sein als zuletzt.

Für 2012 rechnet die Messegesellschaft mit 181.200 Teilnehmern an 40 Veranstaltungen. Davon reisen 109.950 von außerhalb an. 2013 sind 32 Veranstaltungen gebucht mit 139.100 Teilnehmern, davon nur noch 85.300 von auswärts. Das entspricht einem Minus von 25 Prozent bei den Teilnehmern und 20 Prozent bei den auswärtigen Kongressgästen.

Diese Zahlen nennt die Senatsverwaltung für Wirtschaft auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Wirtschaftsexpertin Nicole Ludwig. Auch die Tourismuswerber von VisitBerlin haben zuletzt im Wirtschaftsausschuss bestätigt, dass sie eine „Delle“ im Kongressgeschäft erwarten. „Die Messe Berlin und der Senat fahren eine der wichtigsten Einnahmequellen der Stadt, das Kongressgeschäft, sehenden Auges gegen die Wand“, sagte die Oppositionspolitikerin. Sie geht davon aus, dass das Tauziehen um die Zukunft des ICC die Kunden abgeschreckt hat.

Erst kürzlich haben die Koalitionsfraktionen von SPD und CDU beschlossen, sich vom Plan einer Sanierung des ICC als Kongresszentrum zu verabschieden, aber 200 Millionen Euro für ein noch zu entwickelndes Mischnutzungskonzept privater Investoren bereitzustellen.

Senat will Messegesellschaft zehn Millionen Euro pro Jahr spendieren

Gleichzeitig will der der Messegesellschaft im Zuge einer neuen Grundlagenvereinbarung dauerhaft zehn Millionen Euro Zuschüsse pro Jahr für die Bewirtschaftung landeseigener Gebäude zukommen lassen. Eigentlich war geplant, dass die Messe mittelfristig ohne städtische Subventionen auskommen soll.

Der neue Wirtschaftsstaatssekretär Guido Beermann räumt in seiner Antwort zwar ein, dass für 2013 ein Rückgang bei den Veranstaltungen im ICC zu erwarten sei. Dies habe jedoch „keine signifikanten Auswirkungen auf das Kongressgeschäft in Berlin 2013“.

Die Messe erwarte, ab 2014 mit der Inbetriebnahme des neuen Mehrzweckgebäudes City Cube auf dem Standort der früheren Deutschlandhalle an der Jafféstraße „sehr schnell“ das Niveau aus dem laufenden Jahr wieder zu erreichen. Als die Messe den City Cube der Fachöffentlichkeit präsentierte und in die Akquise einstieg, habe sich eine „überwältigende Akzeptanz des neuen Gebäudes bei den nationalen und internationalen Veranstaltern gezeigt“, schreibt Beermann, der Stellvertreter der neuen Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU).

Im Kongresskalender der Messe Berlin GmbH bildet sich diese Begeisterung jedoch nicht ab. Für 2014 sind für den City Cube fünf Kongresse aufgelistet, für 2015 noch keiner. „Eine Konkretisierung der Buchungssituation 2014 ff. ist derzeit nur eingeschränkt möglich, weil zum jetzigen Zeitpunkt nur in geringem Umfang bereits fest gebuchte Verträge vorliegen“, heißt es dazu in der Senats-Antwort.

„Wowereits BER-Desaster hat verunsichert“

„Kongresse mit einigen Tausend Teilnehmern plant man nicht über Nacht, sondern Jahre im voraus“, sagte Nicole Ludwig. „Wowereits BER-Desaster, eine jahrelange und bis heute nicht geklärte Hängepartie um das ICC haben Kongressplaner weltweit verunsichert“, kritisierte die Grüne.

Am heutigen Mittwoch tagt der Aufsichtsrat der Messe GmbH, um einen neuen Geschäftsführer zu bestellen. Die neue hatte das Verfahren auf null gestellt, weil beim letzten Versuch die Vorgaben des Landesgleichstellungsgesetzes missachtet und nicht genügend Frauen in die Vorauswahl genommen worden waren. Im Zuge dieses Streits war Yzers Vorgängerin Sybille von Obernitz im September zurückgetreten.