Berlin

BVG hat zu wenige Kontrolleure im Kampf gegen Schwarzfahrer

Rund 200.000 BVG- und 290.000 S-Bahn-Fahrgäste wurden 2011 erwischt – weniger als im Vorjahr. Es gibt zu wenige Kontrolleure.

Foto: ullstein bild - Lambert / Sven Lambert

Fast eine halbe Millionen Fahrgäste sind 2011 in Berlin beim Schwarzfahren in den öffentlichen Verkehrsmitteln erwischt worden. Das geht aus einer Antwort von Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) auf eine parlamentarische Anfrage der Piraten im Abgeordnetenhaus hervor. Demnach wurden im Vorjahr bei Kontrollen in den Verkehrsmitteln der BVG 202.041 Fahrgäste ohne gültigen Fahrausweis angetroffen, die S-Bahn Berlin GmbH erfasste 290.335 Fälle von Schwarzfahren.

Verglichen mit der Gesamtzahl der Fahrgäste ist der Anteil der erwischten Schwarzfahrer gering: Die S-Bahn kommt bei 388 Millionen Fahrgästen im Jahr gerade mal auf einen Anteil von 0,75 Prozent. Bei der BVG liegt die Schwarzfahrerquote bei 930 Millionen Fahrgästen im Jahr noch niedriger – bei gerade einmal 0,2 Prozent. Fahrschein-Kontrollen erfolgen jedoch nicht zu jeder Zeit und überall, sondern nur stichprobenartig.

Daher liegt die eigentliche Schwarzfahrerquote aus Sicht der Unternehmen deutlich höher. Die BVG geht von einem Schwarzfahrer-Anteil von etwa vier Prozent aus. Sie würden einen finanziellen Schaden von rund 20 Millionen Euro verursachen.

Geringere Kontrolldichte bei der BVG

Das Risiko, in Bussen und Bahnen der BVG beim Schwarzfahren ertappt zu werden, ist zuletzt erheblich gesunken. So wurden 2009 bei Kontrollen noch 354.000 Fahrgäste ohne Fahrausweis ermittelt, 2010 waren es 325.000. 2011 ist die Zahl der erwischten Schwarzfahrer auf gut 200.000 zurückgegangen. Das liegt jedoch nicht an einer höheren Ehrlichkeit der Fahrgäste, sondern an einer geringeren Kontrolldichte. Die BVG hatte die Verträge mit zwei privaten Sicherheitsfirmen beendet und die Fahrscheinkontrolle neu ausgeschrieben.

Laut BVG-Marketingchef Wilfried Kramer wird daher die Zahl der Ertappten 2012 wohl nochmals zurückgehen. Inzwischen würden jedoch verstärkt eigene BVG-Mitarbeiter bei Kontrollen eingesetzt – mit „sehr guten Ergebnissen“. Positiv sei, dass die Zahlungsbereitschaft der Schwarzfahrer deutlich gestiegen sei.

Laut Heilmann wurden 2011 insgesamt 7067 Personen wegen des Erschleichens von Leistungen rechtskräftig verurteilt. Daraus könne aber nicht auf die Anzahl der laufenden Strafverfahren geschlossen werden, betonte der Justizsenator.