Bahntickets

Bahncard könnte Abokarte in Berlin werden

Die Deutsche Bahn plant offenbar, den Einsatz der Bahncard in Berlin für Bus und Bahn zu ermöglichen. Kritik gibt es an anderen Bahn-Plänen.

Die Deutsche Bahn und Berliner Nahverkehrsunternehmen starten nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ ein Pilotprojekt zum Ausbau der Bahncard 25. Kunden könnten die neue „Bahncard 25 Mobil Plus“ ab Dezember auch als Abo-Karte für Busse und Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe nutzen, berichtete das Wirtschaftsmagazin am Sonnabend vorab. Außerdem solle die Bahncard einen Rabatt auf Autos des Carsharing-Angebots Flinkster und auf Mietfahrräder des Verleihsystems „Call a Bike“ bieten. Ein Bahn-Sprecher wollte die Details zunächst nicht bestätigen. Das Unternehmen plane aber, die Funktionen der Bahncard 25 auszuweiten, sagte er.

Abschaffung des Bordverkaufs überrumpelt Kunden

In der Kritik steht weiterhin die geplante Abschaffung des sogenannten Bordverkaufs von Tickets in Regionalzügen. „Das wird Ärger geben“, sagte Jens Wieseke, Sprecher des Berliner Fahrgastverbandes Igeb. Viele Fahrgäste würden durch die Änderung der langjährigen Praxis überrumpelt und so wider Willen zu Schwarzfahrern gemacht. Auch Stefan Kothe vom Verkehrsclub VCD Nordost sieht bei der Umsetzung der Pläne zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember noch erheblichen Klärungsbedarf. „Grundsätzlich sind wir ja dafür, dass jeder Reisende sich einen gültigen Fahrschein beschaffen muss, aber es gibt eine große Grauzone, die völlig ungeklärt ist“, sagte er.

Wie berichtet will die Bahntochter DB Regio den Ticketverkauf beim Kundenbetreuer weitgehend abschaffen. Bislang können Reisende gegen Zahlung eines Aufschlages ihren Fahrschein noch im Zug nachlösen. Nun schafft der Verkehrsverbund VBB diesen Sondertarif ab. Wer künftig in den roten Zügen in der Region unterwegs ist, muss sein Ticket schon vor Antritt der Fahrt kaufen. Ausnahmen soll es nur geben, wenn Fahrgäste an Stationen ohne funktionierenden Ticketautomaten einsteigen. Sie müssen aber sofort nach dem Einstieg dem Schaffner hinterherlaufen und bezahlen. Vor allem in Brandenburg, wo etwa ein Drittel der Stationen keinen Ticketverkauf hat, ärgert das viele Fahrgäste.

Odeg will mit Bahn mitziehen

Am Freitag kündigte auch die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) für die Regional-Expresslinien RE2 und RE4, die sie im Dezember übernimmt, eine identische Regelung an. Die bisherige Lösung ist zwar praktisch, etwa für Senioren, die Probleme beim Bedienen der Automaten haben. Auch Reisende, die erst in letzter Sekunde ihren Zug erreichen, wissen sie zu schätzen. Es profitieren aber auch die unehrlichen Kunden. „Damit ist dem Schwarzfahren Tür und Tor geöffnet“, sagte Renado Kropp von DB Regio. Odeg-Chef Arnulf Schuchmann bezifferte die Schwarzfahrer-Quote auf drei bis fünf Prozent. Wie DB Regio will auch sein Unternehmen daher künftig Kontrollteams in die RE-Züge schicken.

Für die Fahrgastverbände ist die Jagd auf Schwarzfahrer nicht das Problem. „Wer legt aber beispielsweise fest, wie lange ich am Automaten in der Schlange stehen muss?“, fragt VCD-Sprecher Kothe. „Wie soll ich beweisen, dass ein Automat defekt war? Und soll ich wirklich mit großem Gepäck, Kindern und Fahrrädern durch den ganzen Zug laufen, um mein Ticket zu kaufen, wenn es an meinem Bahnhof keinen Automaten gibt?“ Kothes Lösungsvorschlag: Wie auf den kleinen Regionalbahnstrecken üblich, soll es künftig auch in den Regionalexpess-Zügen grundsätzlich Ticketautomaten geben.