Ex-Flughafen

Deutsch-amerikanisches Volksfest will nach Tempelhof

Nach zwei Jahren in Berlin-Mitte sucht der Betreiber einen neuen Standort. Der Senat hat den Antrag jedoch bereits zum dritten Mal abgelehnt.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Das deutsch-amerikanische Volksfest hat eine lange Tradition. Bereits 52 Mal haben die Schausteller ihre Buden und Fahrgeschäfte zwischen den Kulissen von amerikanischen Straßen, Städten und Sehenswürdigkeiten aufgebaut. Ob es eine 53. Auflage des Volksfestes geben wird, ist absolut ungewiss. Bislang wissen die Schausteller nicht, wo sie die Tradition des Festes – die Pflege der Freundschaft zwischen den Berlinern und den Alliierten – fortsetzen können.

Seit die Veranstalter im Jahr 2011 den angestammten Volksfestplatz am Dahlemer Hüttenweg 2011 aufgeben mussten, weil dort ein neues Wohnquartier entsteht, sind sie auf der Suche nach einem neuen, dauerhaften Platz. Zwei Jahre lang konnten sie die Brache an der Heidestraße in Mitte nutzen, jetzt wird auch dieses Gelände bebaut.

Ein erneuter Versuch, einen Platz auf dem Tempelhofer Feld anzumieten, wurde von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung abgelehnt. „Wir halten es für unangemessen, dort Volksfeste zu installieren“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Es widerspreche dem Nutzungskonzept, das in der Mitte eine Parklandschaft und am Rand eine Bebauung vorsieht. So gebe es zum Beispiel Flächen, die unter Naturschutz stünden. Sollten Wohnungen gebaut werden, käme die Frage des Lärmschutzes hinzu. „Wir bezweifeln auch, dass es bei einem Fest bliebe“, sagt die Sprecherin. Lasse man eines zu, kämen auch andere Schausteller mit dem Wunsch, ihre Fahrgeschäfte dort aufzubauen.

Die Argumentation stößt beim Schaustellerverband, der das deutsch-amerikanische Volksfest veranstaltet, auf Unverständnis. „Der Senat erlaubt auf dem Tempelhofer Feld Modemessen, Public Viewing und Konzerte“, sagt der Vorsitzende des Schaustellerverbandes, Thilo-Harry Wollenschläger. Und bei seinen eigenen Events mit Volksfest-Charakter würden „komischerweise immer Schausteller engagiert“ werden. Sogar Riesenräder hätten schon auf dem Tempelhofer Feld gestanden. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung verteidigt ihr Vorgehen: „Das sind alles Veranstaltungen mit ganz anderen Dimensionen“, sagt Petra Rohland. Sie seien nicht nur kleiner, sondern auch nach zwei Tagen wieder abgebaut und verschwunden.

Thilo-Harry Wollenschläger hatte eigentlich gehofft, ein drittes Mal auf dem Gelände an der Heidestraße das Volksfest veranstalten zu können. Doch seit einigen Tagen hält er die Ablehnung der Deutschen Bahn in der Hand. Es bleibt dabei, die Baumaschinen rollen an. Er habe immer wieder im Internet nach einem anderen Gelände gesucht, sagt Wollenschläger. Vergeblich. Für ihn bleibt das Tempelhofer Feld die einzige und richtige Option. 70.000 Quadratmeter braucht er für das deutsch-amerikanische Volksfest. „Das sind nicht einmal zwei Prozent der ehemaligen Flughafenfläche.“ Und das für die Dauer von drei Wochen im August. Wollenschläger sieht aber noch einen anderen Grund, der für Tempelhof spricht – das ist die Erinnerung an die Luftbrücke oder an die Tage der offenen Tür auf dem Airport der amerikanischen Streitkräfte zu West-Berliner Zeiten. Es sei ein Ort, so der Schausteller, der deutsch-amerikanische Geschichte geschrieben hat. Daran könnte auch das Volksfest wieder anschließen.

Unterstützung aus Zehlendorf

Unterstützung bekommen die Schausteller unter anderem von der Leiterin des Alliierten Museums in Zehlendorf. „Das Fest ist ein Ausdruck der besonderen Bindung zwischen Berlinern und Amerikanern“, sagt Gundula Bavendamm. Das Konzept sei in den vergangenen Jahren überarbeitet worden, die Veranstaltung sei sehr ambitioniert. Sie verstehe das Anliegen der Schausteller, wieder einen festen Platz in Berlin zu bekommen. Das Tempelhofer Feld ist ihrer Ansicht nach „eine schöne Idee“, denn es sei ein Ort mit historischen Bezügen zu den Amerikanern. Schließlich sei auch geplant, dass das Alliierten Museum nach Tempelhof gehe. „Wenn es der richtige Ort für das Alliierten Museum ist, warum soll es dann nicht der richtige Ort für das deutsch-amerikanische Volksfest sein“, fragt Gundula Bavendamm. Sie appelliert an den Senat, doch ein Zeitfenster in seiner Eventvermietung zu finden.

Für die Schausteller ist der Flughafen Tempelhof nicht nur aufgrund seiner Geschichte und der Verbindung zur den Amerikanern der geeignete Standort. „Der Platz hat eine ideale Verkehrsanbindung mit U- und S-Bahn sowie Bussen“, sagt Thilo-Harry Wollenschläger. Außerdem gebe es nach Umfragen des Schaustellerverbandes eine breite Mehrheit in der Bevölkerung für Tempelhof.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat dem deutsch-amerikanischen Volksfest nun schon zum dritten Mal eine Absage für das Tempelhofer Feld erteilt. Eine andere Idee, wo es stattfinden könnte, hat Petra Rohland auch nicht. „Ich sehe das Problem, glaube aber trotzdem, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben“, sagt die Sprecherin der zuständigen Senatsverwaltung.