Totes Frühchen

Berliner Charité findet erste Spur zur Erreger-Quelle

Die Charité fand Keime an einem Beamtmungsgerät. Das Baby wurde obduziert. Der ärztliche Direktor fordert eine offene Kommunikation.

Foto: Marc Tirl / dpa

Das mit Serratienkeimen befallene und am 5. Oktober gestorbene Frühchen ist am Montag obduziert worden. Der Generalstaatsanwalt hatte die „leider unvermeidbare Exhumierung und Obduktion“ des Frühchens zuvor angeordnet. „Durch die Obduktion sollen die genauen Todesumstände geklärt werden“, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. „Insbesondere soll festgestellt werden, ob der Säugling an den Folgen einer Infektion mit Serratienkeimen verstorben ist.“ Das Ergebnis der Obduktion soll in den kommenden Tagen vorliegen.

Unterdessen hat die Charité Fehler im öffentlichen Umgang mit dem Ausbruch der Serratien-Infektion auf der Frühchen-Station des Krankenhauses eingeräumt. „Ich habe daraus gelernt, dass es nicht richtig ist, wie es Ärzte so gern machen, erst einmal im stillen Keller weiter zu machen, sondern offen zu kommunizieren“, sagte der ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei, im Berliner Abgeordnetenhaus. Außerdem müsste sich die Charité fragen, ob sie die Patienten auf den Befall von mehr Keimen als bislang untersuchen sollte.

Vor zehn Tagen war bekannt geworden, dass 15 Frühchen auf zwei Stationen mit den Keimen befallen waren. Die Charité schloss daraufhin die beiden Stationen, seitdem hat sich die Lage beruhigt. Insgesamt zwölf Patienten sind noch infiziert, alle zeigen sich jedoch stabil, teilte das Krankenhaus mit.

Erste Spur zur Serratienquelle gefunden

Bei der Suche nach der Ursache hat die Charité eine erste Spur gefunden. In den vergangenen Tagen hatte das Krankenhaus mehrere Hundert Proben in den befallenen Stationen entnommen. „Dabei haben wir eine Serratienquelle gefunden – auf dem Drehknopf eines Beatmungsgerätes“, sagte Frei. Die endgültige Aufklärung werde aber noch Wochen dauern.

Nach Überzeugung des Staatsekretärs für Wissenschaft, Knut Nevermann, hat die Charité nach dem Ausbruch „aus medizinischer Sicht alles richtig gemacht“. Die Charité hat nach Angaben des ärztlichen Direktors unmittelbar nach dem Befund am 8. Oktober das Gesundheitsamt Mitte informiert. Am 12. Oktober erschien der Amtsarzt auf der Station. Frei stellte sich vor die Mitarbeiter der Frühchenstation. Sie arbeiteten in einem medizinischen Grenzbereich. Keines der Babys würde ohne die intensive Behandlung überleben. Nach dem Bekanntwerden des Serratienbefalls seien die Mitarbeiter „aufs allerhöchste verunsichert“, sagte der ärztliche Direktor Frei.

Bei Personal und Eltern sind alle Tests negativ verlaufen

Nach dem Auftreten des Keimes seien alle Kinder auf den fünf Stationen auf eine Infektion überprüft und das ganze Personal sowie die Eltern der Patienten getestet worden, sagte Frei. Beim Personal und den Eltern seien alle Tests negativ verlaufen. Von den 22 Patienten seien 15 mit den Keimen befallen gewesen, bei sieben Frühchen ist eine Infektion ausgebrochen. Seit vergangenem Montag sucht ein sogenanntes Ausbruchsteam die Ursache für die Infektion.

Ob die Ursache für die Keim-Infektionen jemals gefunden wird, ist allerdings fraglich: Nur bei jedem zweiten Serratien-Ausbruch sei der Übertragungsweg im Nachhinein festgestellt worden, sagte Frei mit Verweis auf die wissenschaftliche Literatur.