Frühchentod

Keim-Quelle an Berliner Charité offenbar eingedämmt

Nach der tödlichen Blutvergiftung eines herzkranken Babys in der Charité gibt es laut Klinik-Chef Einhäupl keine neuen Serratien-Befälle.

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Eine Woche nach Bekanntwerden der Darmkeim-Infektionen an der Berliner Charité scheint sich die Lage zu entspannen. Im RBB-Inforadio sagte Klinik-Chef Karl Max Einhäupl am Montag, die Infektionsquelle sei eingedämmt, es habe keine neuen Serratien-Befälle gegeben. Alle betroffenen Kinder seien stabil.

Einhäupl räumte Schwächen bei der Kommunikation ein. In vergleichbaren Fällen werde die Charité künftig offensiver informieren, kündigte er im RBB an. Einhäupl fügte hinzu, die genaue Ursache könne nur gefunden werden, wenn die Erkrankungen andauerten. Es gebe aber keine neuen Fälle. Den betroffenen Kindern gehe es besser.

Der Ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei, forderte eine Versachlichung der Debatte. Bei der Behandlung von Frühchen bewegten sich Personal und Ärzte in einem Grenzbereich der Medizin, sagte er am Montag im parlamentarischen Innenausschuss in Berlin. Insofern habe „das Anrücken“ von Staatsanwaltschaft und Mordkommission zu allergrößter Verunsicherung geführt. Die Diskussion müsse vom Kopf auf die Füße gestellt werden. „Die Mitarbeiter brauchen wieder Signale, ihre Arbeit ist wichtig.“

Vor einer Woche war bekannt geworden, dass Anfang Oktober ein Neugeborenes an den Folgen einer Infektion mit Serratienkeimen gestorben war. Das Kind wurde nach einer Behandlung am Campus Virchow-Klinikum der Charité im benachbarten Deutschen Herzzentrum operiert. In diesem Zusammenhang gab es auch heftige Kritik an der Kommunikation der Ereignisse durch die Charité.

Die Berliner Gesundheitsverwaltung sieht zunächst keinen Bedarf für eine neue Hygieneverordnung. Nach bisherigen Erkenntnissen seien Änderungen nicht nötig, sagte die Referatsleiterin für Infektionsschutz, Marlen Suckau, am Montag in der Sitzung des Gesundheitsausschusses im Abgeordnetenhaus. Für eine endgültige Einschätzung wolle sie erst den Abschlussbericht des Teams abwarten, das die Ursache der Infektionen untersucht.