Haushalt

Geldmangel in Mitte – Park am Potsdamer Platz verfällt

Der Tilla-Durieux-Park am Potsdamer Platz kostete Millionen. Nun verfällt er, weil dem Bezirk Geld fehlt. Auch Sportplätze sind in Gefahr.

Foto: Massimo Rodari

Der Rasen ist weg, der Erdboden abgerutscht. Eisenträger schauen hervor. Die Schäden im Tilla-Durieux-Park am Potsdamer Platz werden immer größer. Am Mittwoch hat der zuständige Amtsleiter von Mitte, Harald Büttner, Teile der Grünanlage absperren lassen. Eine Chance auf Reparatur besteht nicht. "Wir haben noch geprüft, ob man eine Firma beauftragen könnte", sagte Büttner. „Man müsste Boden aufbringen und die Fläche mit einer Folie abdecken.“

Bis zu 30.000 Euro könnte das kosten. Außerdem wären Bauzäune an den Hängen des Parks aufzustellen, die besonders gesichert werden müssten. "Denn diese Flächen dürfen eine Weile nicht betreten werden." Das würde weitere 10.000 Euro erfordern. "Dieses Geld haben wir leider nicht mehr", so Büttner. "Da, wo die Schäden entstanden sind, da bleiben sie auch."Bis zum Sommer hat eine Firma regelmäßig die Grünanlage gepflegt und gereinigt. Zwischen 20.000 bis 30.000 Euro zahlte der Bezirk dafür pro Jahr. Doch seit Juli gilt die Haushaltssperre für das Bezirksamt Mitte. Nur noch die nötigsten Ausgaben sind erlaubt. Intensiv gespart wird an der Pflege der Grünanlagen. Nun reinigt ein Mitarbeiter des Amtes den Tilla-Durieux-Park drei Mal pro Woche. Am Wochenende häuft sich der Müll, am Wochenanfang treffen regelmäßig die Beschwerden beim Amt ein. Doch das sei nicht das Schlimmste, sagte Büttner.

1991 waren es noch 380 Mitarbeiter mehr

"Zum Jahresende werden wir die ersten Spielplätze und Sportanlagen schließen müssen, weil uns das Geld für Reparaturen fehlt, und die Anlagen sonst nicht mehr betriebssicher sind", sagte der Amtsleiter. Ihm stehen nur noch rund 220.000 Euro bis Ende 2012 zur Verfügung. Davon ist der Sprit für Dienstfahrzeuge zu bezahlen, auch die Kosten für Strom und Wasser in den Diensträumen. Rund 250 Mitarbeiter hat Büttner noch.

1991 waren es noch 630. Auch der Etat ist drastisch gekürzt. Früher lag er bei 2,6 Millionen Euro pro Jahr. Jetzt ist es nur noch eine Million Euro. Die Mitarbeiter seien damit beschäftigt, die Standfestigkeit der 27.000 Straßenbäume in Mitte zu prüfen, und die Sicherheit der Spiel- und Sportplätze zu gewährleisten. Selbst Reparaturen auszuführen - dafür fehle das Personal. "Eine neue Schaufel, einen Rasenmäher oder gar einen Häcksler können wir nicht mehr anschaffen", sagte Büttner. Zum Wagenpark des Amtes gehören Fahrzeuge, die fast 16 Jahre alt sind. Auch sie können nicht ersetzt werden.

Der Park wird übernutzt

Das Schöne und zugleich auch Schwierige am Tilla-Durieux-Park sei die hohe Zahl der Besucher, sagte Büttner. Der Park werde stark übernutzt. "Im Sommer gibt es Tage, da hat kein Handtuch mehr Platz auf dem Rasen." Auch die Bar- und Restaurant-Betreiber vom Potsdamer Platz tragen dazu bei. Denn sie würden, so Büttner, Liegestühle draußen aufstellen.

"Die Leute gehen mit diesen Liegestühlen auf die Parkfläche. Und nehmen da ihre Drinks." Auch das zieht den Rasen in Mitleidenschaft. Jedes Mal gebe es kleine Narben in der Oberfläche. "Wenn wir das nicht schnell in Ordnung bringen, dann werden diese Stellen immer größer." Auch deshalb, weil jeder Regenguss den Boden am Hang der Rasenflächen zum Rutschen bringt. Doch besonders diese Flächen sind bei den Besuchern beliebt. Insgesamt 280 Quadratmeter sind jetzt wegen der Schäden gesperrt. Mitarbeiter des Bezirksamtes Mitte werden täglich kontrollieren, ob die rot-weißen Flatterbänder von den Besuchern respektiert werden.

Bis zum Sommer seien die Reparaturen von der beauftragten Firma erledigt worden. Sie habe Gras gemäht, fehlende Erde und Rasenflächen aufgefüllt und die Schäden sofort beseitigt. Der Tilla-Durieux-Park ist im Sommer 2003 eröffnet worden. Er kostete drei Millionen Euro. Das Büro DS Landschaftsarchitekten hat ihn geplant. Besonders beliebt wurden die fünf mehr als 20 Meter langen Wippen. Die 450 Meter lange Rasenskulptur steigt allmählich an und erreicht eine Höhe von vier Metern. Die Böschung hat einen Neigungswinkel von bis zu 35 Grad. Von Beginn an zeigte sich der Park als besonders anfällig für Schäden. Die Wippen mussten mehrmals stillgelegt und gesperrt werden, weil die Lagerung wegen der intensiven Nutzung kaputt ging. Vor etwa zwei Jahren ließ das Bezirksamt die langen Stahlstangen fest installieren. Auch die Rasenflächen mussten häufig ausgebessert werden. Doch das entfällt in Zukunft.

Amtsleiter Harald Büttner befürchtet, dass die Schäden im Park immer größer werden und der finanzielle Aufwand für ihre Beseitigung immens steigt. "Es wäre sinnvoller, wenn die kleinen Schäden immer wieder mit wenig Geld repariert werden könnten." Büttner wünscht sich finanzielle Hilfe von den Gewerbetreibenden rings um die Grünfläche, nach dem Vorbild des Monbijou-Parks. Der werde regelmäßig am Wochenende gereinigt, sagt der Amtsleiter, weil ein privater Spender das Geld gibt.