Erneuerbare Energien

Grüne halten 100 Prozent Ökoenergie in Berlin für möglich

Berlin und Brandenburg können sich selbst versorgen, sind die Grünen überzeugt. Methangas und Gebäudesanierung sollen die Wende bringen.

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Berlin und Brandenburg könnten sich bis 2030 komplett mit Strom aus erneuerbaren Quellen versorgen und auch den Anteil der Öko-Energie an der Wärmeversorgung auf 57 Prozent steigern. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten des Professors Jochen Twele von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) im Auftrag der Grünen-Landtagsfraktionen von Berlin und Brandenburg.

„Wir machen hier die Arbeit der Landesregierungen“, sagte Michael Schäfer, Energieexperte der Berliner Grünen-Fraktion. Die Studie zeige das erste Mal auf, wie das politische Ziel, „100 Prozent erneuerbar“ aussehen könne, so Schäfer. Es handele sich nicht um eine Vision, sondern um eine realistische Perspektive.

Um die ökologische Energieversorgung der Region zu erreichen, könnte unter anderem überzählige Windkraft aus Brandenburg in Methangas umgewandelt und gespeichert sowie später zur Produktion von Strom und Wärme in Berlin genutzt werden. Forschung an dieser Technologie müsste viel stärker von der Bundesregierung unterstützt werden, sagte der Gutachter. Obwohl auf diesem Weg 70 Prozent der Energie verloren gehe, biete diese Technik den Vorteil, dass man bestehende Gasspeicher, -leitungen und Kraftwerke nutzen könnte und keine neue Infrastruktur teuer aufbauen müsse.

Für den Ökostrom kommt das errechnete Szenario zu Produktionskosten von 11 Cent pro Kilowattstunde. Das sei nicht mehr, als das Bundesumweltministerium für fossile Brennstoffe prognostiziert.

Für die Heizungen soll ein weitaus größerer Anteil an der Wärme als bisher aus Wärmepumpen, Biomasse und Solarthermie kommen. Jochen Twele und die Grünen räumten aber auch ein, dass es vorübergehend in Berlin neue Gaskraftwerke geben müsse, um die Schwankungen der Öko-Energie auszugleichen.

Wichtigster Beitrag, um die Energiewende in der Region zu schaffen, sei aber die energetische Gebäudesanierung. Zwei Drittel der verbrauchten Energie werde für Heizung und Warmwasser verbraucht. Keine andere Maßnahme bringe solch einen großen Einspareffekt von Kohlendioxid, sagte Professor Twele. Um das Ziel zu erreichen, müsste das Sanierungstempo verdreifacht werden.

Der Grüne Michael Schäfer kritisierte, dass es die früheren rot-roten Regierungen in zwei Versuchen nicht geschafft hätten, sinnvolle Konzepte zur schnelleren Sanierung von Bestandgebäuden zu beschließen. Das sei mit Rücksicht auf Mieter geschehen, die in der geltenden Rechtslage einen Großteil der Kosten zu tragen gehabt hätten. „Das Unsozialste ist, nichts zu tun“, warnte Schäfer. Steigende Brennstoffkosten würden langfristig die Mieter belasten, während die Energiequellen Wind und Sonne nach einer erfolgreichen Energiewende weitgehend kostenlos seien. Die Koalition aus SPD und CDU müsse schnellstens das Sanierungskonzept aufnehmen, auf das sich Industrie- und Handelskammer, BUND und Mieterverein verständigt haben.

Die Grünen sehen sich durch die Untersuchung in ihrer Forderung bestätigt, ein Stadtwerk in Berlin aufzubauen, dessen Geschäftszweck der Klimaschutz sein soll. Mit günstigen Krediten sei es möglich, öffentliche Gebäude zu sanieren und die Investitionen aus eingesparten Energiekosten zu finanzieren, so das Kalkül.

„Vattenfall spielt falsch“

Während die Grünen vom Senat forderten, die Energiewende endlich ernst zu nehmen, hat Vattenfall in der Debatte um die Zukunft des Berliner Stromnetzes heftige Kritik auf sich gezogen. Wie berichtet geht der Konzern davon aus, seine Leitungen und Anlagen für nicht weniger als 2,5 Milliarden Euro an einen möglichen neuen Betreiber abgeben zu können. Vattenfall spiele falsch, so die Genossenschaft Bürger Energie Berlin, die sich wie das Land Berlin um die Konzession bewirbt. Der Netzbetreiber halte Daten zurück und setze den Kaufpreis zu hoch an. Nach bisheriger Rechtsprechung dürfe nicht der Sachzeitwert des Netzes angesetzt werden, sondern ein Ertragswert, der sich aus der Rendite aus dem Netzbetrieb auch finanzieren lasse.