Strompreise

Verbraucher zahlen Energiewende - Strom wird deutlich teurer

Auch die Berliner Stromanbieter werden die Forderungen der Netzbetreiber an die Verbraucher weitergeben. Vattenfall hält sich noch bedeckt.

Foto: Uwe Meinhold / dapd

Die Deutschen müssen sich auf höhere Strompreise einstellen. Die Umlage zur Förderung von erneuerbaren Energien vor allem aus Wind, Sonne und Biomasse soll ab 2013 um fast 50 Prozent steigen. Das gaben die vier Betreiberunternehmen der überregionalen Stromverteilernetze 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW am Montag bekannt. Pro Kilowattstunde werden 5,277 Cent auf die Stromrechnung aufgeschlagen, bisher waren es 3,6 Cent.

Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden bedeutet das jährliche Mehrkosten von 60 Euro. Bezogen auf die gesamte Stromrechnung von je nach Anbieter zwischen 600 und 900 Euro beträgt die Mehrbelastung 7,5 bis zehn Prozent.

Den Netzbetreibern zufolge müssen 2013 mehr als 20 Milliarden Euro auf die Stromkunden umgelegt werden. Darin sei ein Nachholbetrag von knapp 2,6 Milliarden Euro enthalten, da den Betreibern von Ökostromanlagen in den ersten neun Monaten dieses Jahres knapp 2,6 Milliarden Euro Förderung mehr gezahlt worden seien als im Vorjahr prognostiziert.

Vattenfall hat über neue Tarife noch nicht entschieden

Dass die rund 300 in Berlin aktiven Stromanbieter die Forderungen der Netzbetreiber aus dem Ausbau des Öko-Stroms an den Verbraucher weitergeben, gilt als sicher. Das sei schließlich die Absicht des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), hieß es bei Vattenfall. Das Unternehmen, das nach eigenen Angaben 70 Prozent der 2,1 Millionen Berliner Stromkunden versorgt, hat jedoch noch nicht entschieden, wie es die neuen Tarife gestalten möchte. Als Grundversorger muss Vattenfall Preisänderungen mit einem Vorlauf von sechs Wochen bekannt geben.

Es werden aber auch andere Einflüsse wie die geplante Abgabe für den Anschluss von Windparks auf dem Meer den Strompreis in die Höhe treiben. Zudem gab die für den Betrieb des Berliner Stromnetzes zuständige Vattenfall-Tochter am Montag bekannt, ihre Netzentgelte anheben zu wollen. Pro durchgeleiteter Kilowattstunde werden für Haushaltskunden 2013 5,10 Cent fällig anstatt bisher 4,91 Cent. Der Anstieg von 3,9 Prozent liegt nach Vattenfall-Angaben unter den Steigerungsraten in anderen Kommunen.

Berlins SPD-Chef kritisiert Pläne von Schwarz-Gelb

Berlins SPD-Chef Jan Stöß kritisierte, dass nach den Plänen von Schwarz-Gelb die privaten Haushalte die Hauptlast der Energiewende tragen müssten. „Dass gerade Mieter hier die Ausnahmen für die Großindustrie quersubventionieren sollen, führt zu einer sozialen Schieflage“, sagte Stöß. Hilfen vom Land wird es jedoch nicht geben. Sollten Geringverdiener entlastet werden, müsse das über ein Bundesgesetz erfolgen, weil auch die Förderung der erneuerbaren Energien auf einem Bundesgesetz beruhe, hieß es aus den Koalitionsfraktionen.

Schon jetzt sind viele Berliner von ihrer Stromrechnung überfordert. Dem Senat zufolge wird jedes Jahr in rund 25.000 Haushalten der Strom abgeschaltet wird, weil nicht bezahlt wurde. In der Bundesregierung ging nach Bekanntgabe der höheren Umlage der Streit über die Finanzierung der Energiewende weiter. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) verlangte eine schnelle Reform der Förderung erneuerbarer Energien. Der Anstieg der Umlage sei ein „alarmierendes Signal“, sagte Rösler. „Ich glaube, wir müssen nicht nur handeln, wir müssen schnell handeln.“

Er plädierte erneut für eine Mengensteuerung mit festen Quoten für Ökostrom. Kurzfristig könnte zudem die Stromsteuer gesenkt werden. Dies hatte Kanzlerin Angela Merkel aber bereits abgelehnt: Umweltminister Peter Altmaier (CDU) warnte erneut vor Schnellschüssen und will eine Reform erst nach der Bundestagswahl. Die SPD warf Altmaier „energiepolitische Hilflosigkeit“ vor.

Umweltverbände, Ökostrombranche und Opposition machten für die zusätzlichen Kosten für die Haushalte auch die Regierung verantwortlich, die die Industrie von den Lasten zu großen Teilen befreit habe. Die Energiewirtschaft warnte die Verbraucher vor weiteren Kosten etwa durch den Netzausbau.