Ticketpreise

Kritiker nennen Preiserhöhung der Bahn „völlig überzogen“

2,8 Prozent mehr kosten Tickets der Bahn ab dem Winter. Fahrgastverbände sind empört - weil das Angebot dies kaum rechtfertige.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Zugfahren wird ab dem Winter teurer. Die Deutsche Bahn erhöht ihre Fahrpreise zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember um durchschnittlich 2,8 Prozent.

Zur Begründung verwies Bahnvorstand Ulrich Homburg am Dienstag auf die gestiegenen Strompreise. Schon vor einem Jahr hatte der bundeseigene Konzern die Preise im Fernverkehr um 3,9 Prozent erhöht und war dafür kritisiert worden.

Trotzdem stieg die Zahl der Fahrgäste im ersten Halbjahr 2012 um vier Prozent auf mehr als eine Milliarde. Die Einnahmen der Bahn kletterten zwischen Januar und Ende Juni um 3,3 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro. Allerdings hat das Unternehmen etwa 16,6 Milliarden Euro Schulden.

Zeitpunkt der Erhöhung nicht gerechtfertigt

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte die höheren Preise. Zu diesem Zeitpunkt sei eine Erhöhung nicht gerechtfertigt, „weil die Qualität längst noch nicht so ist wie sie sein sollte“, sagte Karl-Peter Naumann vom Verband. Der Umwelt-Verkehrsclub VCD monierte, trotz gestiegener Preise hätten sich das Angebot und die Fahrpläne nicht verbessert.

Der höchste Preis für eine Strecke im ICE steigt von 135 auf 139 Euro (plus drei Prozent). Das betrifft etwa die Fahrt von Hamburg nach München. Die Strecke Stuttgart-München verteuert sich um einen Euro von 54 auf 55 Euro. Bahncards kosten durchschnittlich 2,4 Prozent mehr. Die Bahncard 25 gibt es dann für 60 Euro (bisher 59 Euro), die Bahncard 50 für 247 E uro (bisher 240 Euro).

Sparpreise im Fernverkehr unverändert

Die Sparpreise im Fernverkehr bleiben unverändert. Auch künftig kosten einfache Fahrten im ICE oder Intercity/Eurocity ab 29 Euro in der 2. Klasse sowie Fahrten ins europäische Ausland ab 39 Euro. Das Schöne-Wochenende-Ticket für Gruppenfahrten wird zwei Euro teurer (42 Euro).

Derzeit entfallen nach Bahnangaben auf Sparpreise etwa 30 Prozent aller Fernfahrten. Sitzplatzreservierungen gibt es weiterhin für vier Euro. Der Vorverkauf für die Fahrten ab dem 9. Dezember beginnt am 16. Oktober.

Bahnkunden sind jährliche Fahrpreiserhöhungen gewohnt. Nur 2010 hatte der Konzern erstmals seit längerem seine Preise im Fernverkehr nicht erhöht. Daher fiel der Anstieg im vergangenen Jahr auch deutlicher aus.

Bahn: Strom und Benzin mehr als drei Prozent teurer

Bahnvorstand Homburg sagte, die Preiserhöhungen sowohl bei anderen europäischen Bahnunternehmen als auch bei den Nahverkehrsverbünden seien stärker ausgefallen. Zum Vergleich wies er auch darauf hin, dass Strom und Benzin in zwölf Monaten um mehr als drei Prozent teurer geworden seien.

Noch im Frühjahr hatte Bahnchef Rüdiger Grube in einem Interview gesagt: „Mein Ziel ist es, möglichst ohne Preissteigerungen auszukommen.“ Allerdings räumte er ein: „Ich führe letztendlich ein Wirtschaftsunternehmen, und das müssen wir gut führen. Deshalb müssen wir unsere Kosten in Ordnung halten.“

Neue Services für Bahncard-Kunden

In Zukunft sollen die Besitzer der Bahncard 25 und 50 kostenlos mit Bussen und U-Bahnen nicht nur an ihrem Zielort, sondern auch am Startort fahren können. Darüber wird allerdings noch mit den anderen Unternehmen verhandelt. Die Bahncard würde dann um einen beziehungsweise zwei Euro teurer.

Gegen den Missbrauch von Monatskarten für bestimmte Strecken will die Bahn künftig stärker vorgehen. Mit diesen Fahrkarten kann ein Pendler am Samstag mehrere andere Reisende, etwa Familienmitglieder, mitnehmen.

Das Angebot werde auf Strecken wie Berlin-Hamburg systematisch und kommerziell ausgenutzt, hieß es. Über das Internet suchten manche Kartenbesitzer Mitreisende und kassierten von ihnen Geld. Künftig darf der Besitzer der Monatskarte am Samstag nur noch einen Erwachsenen und bis zu drei Kinder mitnehmen.