Steglitz-Zehlendorf

Edeltraut Töpfer will Berlins Südwest-CDU versöhnen

Nachdem Berlins Ex-Senator Braun seine Bundestagskandidatur zurückgezogen hat, ist Töpfer angetreten. Morgenpost Online sprach mit ihr.

Foto: Amin Akhtar

Den Sommer über sorgten Michael Braun und Karl-Georg Wellmann in der Berliner CDU für Unruhe. Der Ex-Justizsenator und der aktuelle Bundestagsabgeordnete von Steglitz-Zehlendorf kämpften im Südwesten um die Bundestagskandidatur 2013. Am Ende zog Braun zurück – und Edeltraut Töpfer trat an. Töpfer, 62, Richterin, war bereits von 1998 bis 2005 Mitglied des Bundestages. Christina Brüning hat mit der Vorsitzenden der Frauenunion gesprochen, warum sie im zerstrittenen Südwesten gegen Wellmann antreten möchte.

Morgenpost Online: Ihre Kandidatur um die Kandidatur war eine Überraschung. Wie kam es dazu?

Edeltraut Töpfer: Den ganzen Sommer über lief die Konfrontation zwischen Michael Braun und Karl-Georg Wellmann in unserem Kreisverband. Ich bekam währenddessen immer wieder Anrufe aus beiden Lagern und auch aus anderen Kreisverbänden, ob ich nicht als Dritte kandidieren könnte. Aber wenn ich mich als Frau gegen beide Männer ins Getümmel gestürzt hätte, dann hätten sich die beiden erst einmal gegen mich zusammengetan, deshalb habe ich abgelehnt. Dann hörte ich aber, Michael Braun würde auf seine Kandidatur verzichten – da sah die Situation dann anders aus. Also habe ich mich entschlossen, als Konsenskandidatin anzutreten, die alle im Kreisverband mitnehmen will.

Morgenpost Online: Hat Michael Braun Sie angerufen?

Edeltraut Töpfer: In den vergangenen Jahren habe ich weder von Michael Braun noch von Karl-Georg Wellmann Unterstützung erfahren. Mir wurde auch jetzt erst durch Dritte übermittelt, dass Michael Braun seine Kandidatur zurückzieht. Erst im Nachhinein, als ich mich erklärt hatte, habe ich auch mit ihm telefoniert. Unser Verhältnis ist kein einfaches. Es macht mich daher richtig ärgerlich, wenn man mir jetzt unterstellt, ich sei nun seine Marionette, um Karl-Georg Wellmann zu verhindern und Michael Brauns Macht zu erhalten.

Morgenpost Online: Warum wollen Sie denn eigentlich wieder in den Bundestag? Sie haben bereits zwei Legislaturperioden dort verbracht, sind als Richterin beruflich unabhängig.

Edeltraut Töpfer: Gerade wenn man persönlich unabhängig ist, bereitet es Freude, Politik zu machen. Ich habe auch nach den beiden Legislaturperioden wieder kandidiert, aber damals wurde ich nur erste Nachrückerin. Meine Erfahrungen, die ich in den Wahlkämpfen in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg gemacht habe, möchte ich nun in Steglitz-Zehlendorf einbringen und meine Arbeit im Bundestag gern fortsetzen.

Morgenpost Online: Wie?

Edeltraut Töpfer: Ich war Mitglied im Tourismusausschuss. Für Berlins Wirtschaft ist Tourismus ein immens wichtiges Thema. Außerdem will ich weiter für die Frauen Politik machen. Wir brauchen eine Quote. Ich kämpfe für mehr Kitaplätze statt Betreuungsgeld. Ich könnte für Berlin eine Menge bewegen – anders als Herr Wellmann, der Außenpolitik macht. Als ich im Bundestag war, hatte Steglitz-Zehlendorf keinen eigenen CDU-Abgeordneten, ich habe den Kreis damals mit betreut. Nun würde ich gern noch einmal Direktkandidatin werden, und das traue ich mir auch zu. Außerdem würde es der Berliner CDU gut tun, wenn unter den ersten sechs Listenplätzen drei Frauen vertreten sind.

Morgenpost Online: Karl-Georg Wellmann hat den Wahlkreis von der SPD zurückerobert und ihn erfolgreich verteidigt. Er hat sich im Kampf gegen die Flugrouten einen Namen gemacht. Warum sollte er abgelöst werden?

Edeltraut Töpfer: Bei den Flugrouten haben viele sich sehr stark gemacht, allen voran unser Bezirksbürgermeister Norbert Kopp. Und was die Rückgewinnung des Wahlkreises angeht: Da herrscht eigentlich im Kreisverband die Meinung vor, dass es keine Personenwahl gewesen ist, sondern die CDU wieder stark im Aufwind war.

Morgenpost Online: Womit wollen Sie bei den Delegierten nächsten Freitag punkten?

Edeltraut Töpfer: Bei der Nominierung der Delegierten in den Ortsverbänden kam es teilweise zu ganz unschönen Konfrontationen der Lager von Braun und Wellmann. Viele haben gesagt, eigentlich wollen wir beide nicht. Diesen Delegierten gilt es nun zu sagen, dass ich für einen Konsens im Kreisverband stehe, sonst gehen die Auseinandersetzungen immer weiter, und wir können nicht geschlossen in den Wahlkampf ziehen.

Morgenpost Online: Also, wenn zwei sich streiten, freut sich die Dritte?

Edeltraut Töpfer: Hoffentlich.

Morgenpost Online: Besteht dann nicht die Gefahr, dass Sie nur nominiert werden, weil die Berliner CDU auf ihre Frauenquote Acht geben muss?

Edeltraut Töpfer: Diese Gefahr sehe ich nicht. Wer meinen Lebenslauf kennt, wird mir nicht nachsagen können, eine Quotenfrau zu sein. Ich habe viele Anrufe bekommen von Leuten, die mich zur Kandidatur ermutigt haben. Ich bin Richterin am Kammergericht und leite die Kommission zur Evaluierung des offenen Strafvollzugs. Ich bin selbstbewusst genug.

Morgenpost Online: Ihre Kritiker sagen, Sie stünden für die alte CDU der 90er-Jahre. Was sagen Sie dazu?

Edeltraut Töpfer: Das hat mich auch sehr geärgert. Ich soll für die alte CDU stehen, weil mein Mann Staatssekretär unter Eberhard Diepgen war, wurde gesagt. Da möchte ich nur darauf verweisen, dass Karl-Georg Wellmann persönlicher Referent bei Wilhelm Kewenig und Bürokollege von Klaus Landowsky war. Ich bin eine Seiteneinsteigerin in der CDU, und erst seit 1992 Mitglied. Aus diesen Gründen überzeugt das Argument nicht; aber auch deshalb nicht, weil ich für eine moderne Großstadt-CDU stehe.