Steglitz-Zehlendorf

Wellmann hält an Kandidatur in Berlins Südwesten fest

Nachdem Ex-Justizsenator Braun seine Kandidatur zurückgezogen hat, bewirbt sich nun Edeltraut Töpfer. Berliner CDU-Politiker sind irritiert.

Foto: DAPD

Mit Verwunderung hat der Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann (CDU) auf die Pläne seines innerparteilichen Konkurrenten Michael Braun beim Kampf um die nächste Bundestagskandidatur in Steglitz-Zehlendorf reagiert.

„Warum sollte ich meine Kandidatur zurückziehen?“, fragte Wellmann am Sonntag. Wie berichtet, hatte Braun am Sonnabend überraschend seine Kandidatur zurückgezogen und sich für die Nominierung von Edeltraut Töpfer ausgesprochen. Anstelle von Braun will nämlich die ehemalige Bundestagsabgeordnete nun gegen Wellmann antreten.

Braun hatte erklärt, die Kandidatur von Töpfer sei ein „integratives Angebot an den Kreisverband“. Das Wellmann-Lager sollte dies nicht ablehnen, wenn es die Geschlossenheit des CDU-Kreisverbandes Steglitz-Zehlendorf wolle. Wellmann selbst sieht dies ganz anders: „Michael Braun hat erkannt, dass er keine Mehrheit hat.“ Nur deshalb habe er seine Bewerbung zurückgezogen. Nach den Abstimmungen in den Ortsverbänden liegt Wellmann, der seit 2005 Mitglied im Bundestag ist und den Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf zweimal direkt gewonnen hat, deutlich vorn. Er ist sich auch sicher, dass Töpfer ihn nicht schlagen kann. Viele Delegierte, die bislang Braun unterstützen wollten, hätten aufgrund der veränderten Situation angekündigt, nun ihn als Bundestagskandidaten nominieren zu wollen, sagte Wellmann. „Ich bedauere, dass Michael Braun nicht die Chance ergriffen hat, um den Kreisverband jetzt zu einen“, so der 59-Jährige.

Auch bei anderen Berliner CDU-Politikern sorgte die Ankündigung von Edeltraut Töpfer, sich nun um die Bundestagskandidatur bewerben zu wollen, für Irritationen. Töpfer ist 62 Jahre alt, war lange Zeit Vorsitzende der Frauenunion der Berliner CDU und von 1998 bis 2005 Mitglied im Bundestag. Sie steht eher für die frühere CDU unter Eberhard Diepgen, ihr Ehemann Diethard Rauskolb war unter Diepgen drei Jahre lang Staatssekretär für Justiz. „Das ist kein Zeichen für einen Aufbruch, Edeltraut Töpfer hat keine Chance“, hieß es übereinstimmend bei mehreren CDU-Politikern. Öffentlich wollen sie sich jetzt nicht mehr in den Streit über die Bundestagskandidatur in Steglitz-Zehlendorf einmischen.

Töpfer will versöhnen

Töpfer selbst hatte ihre Kandidatur im Gespräch mit Morgenpost Online mit den Worten begründet: „Es gibt die Sorge, dass der Kreisverband in zwei Lager zerbricht. Deswegen haben mich viele Parteifreunde gefragt, ob ich nicht als Kandidatin, die in beiden Lagern Anhänger hat und die versöhnen kann, antreten will.“ Auch die Frauenunion habe sich für ihre Kandidatur ausgesprochen, sagte sie.

Die Entscheidung im Südwesten fällt am 28. September. Was aus Braun wird, sollte Wellmann erneut als Bundestagskandidat aufgestellt werden, gilt als unklar. Braun selbst will Vorsitzender des größten CDU-Kreisverbandes in Berlin bleiben. Andere CDU-Politiker gehen davon aus, dass er diese Position wird aufgeben müssen, weil er keine Mehrheit mehr in seinem Kreisverband habe. Einen anderen Kandidaten für den Kreisvorsitz gibt es bislang nicht.

In den anderen CDU-Kreisverbänden sind die Kandidaturen für den Bundestag nicht umstritten. Alle bisherigen CDU-Bundestagsabgeordnete aus Berlin wollen bei der Wahl 2013 noch einmal antreten – also auch die stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Monika Grütters (Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf) oder CDU-Generalsekretär Kai Wegner (Wahlkreis Spandau). Es gilt als sicher, dass Monika Grütters auf der Landesliste der Berliner CDU wieder Platz eins erhält, auf Platz zwei wird voraussichtlich Kai Wegner folgen.